Die Energiewende führt zu steigenden Energiekosten und stellt insbesondere für Industriebetriebe, die im internationalen Wettbewerb stehen, eine erhebliche Herausforderung dar. Laut dem aktuellen Energiewendebarometer der IHK-Organisation halten 31 Prozent der Unternehmen aufgrund der hohen Preise Investitionen in Kernprozesse zurück. Prof. Dr. Thomas Brockmeier, Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau, bewertet die Ergebnisse der Befragung kritisch: „Diese Unternehmen wollen investieren, aber hohe Kosten, unsichere Rahmenbedingungen und ein hohes Maß an Bürokratie lassen sie zögern. Das muss ein Alarmsignal für die Politik sein.“
Ein weiteres Ergebnis der bundesweiten Befragung, an der sich knapp 3.300 Unternehmen beteiligten, zeigt, dass Unternehmen durchaus investieren, allerdings vermehrt im Ausland. Im vergangenen Jahr kündigten neun Prozent der Unternehmen Verlagerungen ins Ausland an, und sechs Prozent von ihnen setzen diese Pläne bereits um. „Diese Zahl zeigt deutlich, dass Deutschland als Wirtschaftsstandort immer weniger attraktiv wird. Hier muss dringend gegengesteuert werden“, so Brockmeier.
Deutschland war nie ein Niedrigkostenstandort – hohe Arbeitskosten, Steuer- und Bürokratiebelastungen waren hier schon immer präsent. Dennoch konnte Deutschland im internationalen Wettbewerb aufgrund hoher Produktqualität und enormer Energieeffizienz bestehen. Wenn jedoch neben Arbeitskosten und Steuern auch die Energiekosten überdurchschnittlich steigen, können die deutschen Unternehmen dies nicht mehr kompensieren. Brockmeier bringt es auf den Punkt: „Wir können teurer sein, wenn wir besser sind. Wir können aber unmöglich so viel besser sein, wie wir jetzt teurer sind!“
Brockmeier fordert nun stabile Rahmenbedingungen, Entlastungen bei Steuern und Abgaben im Energiebereich und eine zügige, technologieoffene Ausweitung des Energieangebots. Ohne diese Maßnahmen könne die Energiewende nicht gelingen und der Industriestandort Deutschland wäre gefährdet.