Halle (Saale) – Im Tarifkonflikt des Nahverkehrs in Sachsen-Anhalt weisen die Arbeitgeber die Vorwürfe der Gewerkschaft zurück und verteidigen ihr Angebot als weitreichend und ausgewogen. Der Kommunaler Arbeitgeberverband Sachsen-Anhalt (KAV) erklärte nach der jüngsten Verhandlungsrunde, die Gewerkschaft ver.di habe die Gespräche vorzeitig abgebrochen und zugleich neue Streiks angekündigt.
Nach Darstellung der Arbeitgeber lag ein umfassendes Paket zur Entlastung der Beschäftigten auf dem Tisch. Dieses umfasse unter anderem zusätzliche freie Tage, höhere Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit sowie Verbesserungen bei Ruhezeiten und flexiblen Arbeitszeitmodellen. Auch Auszubildende sollten profitieren, etwa durch Zuschüsse zum Führerschein und zusätzliche Freistellung zur Prüfungsvorbereitung.
Die Geschäftsführerin des Verbandes, Diana Häseler-Wallwitz, kritisierte, die Gewerkschaft habe sich geweigert, über dieses Angebot zu verhandeln. Stattdessen halte sie an der Forderung nach einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich fest. Dies entspreche nach Angaben der Arbeitgeber einer deutlichen Kostensteigerung.
Auch Jens Ceglarek, Vertreter der Nahverkehrsunternehmen, äußerte sich kritisch. Viele Beschäftigte und Steuerzahler arbeiteten länger als 35 Stunden pro Woche. Eine entsprechende Arbeitszeitverkürzung im Nahverkehr würde aus seiner Sicht zusätzliche finanzielle Belastungen für Kommunen und Fahrgäste bedeuten.
Die Arbeitgeber verweisen zudem auf die bestehenden Arbeitsbedingungen im kommunalen Nahverkehr. Dazu zählen unter anderem 30 Urlaubstage, eine Wochenarbeitszeit von derzeit 38 Stunden, Sonderzahlungen sowie Zuschläge für Schicht-, Nacht- und Feiertagsarbeit. Auch eine betriebliche Altersvorsorge und tariflich geregelte Einkommen gehörten dazu.
Vor dem Hintergrund angespannter kommunaler Haushalte sei das vorgelegte Angebot nach Einschätzung des Verbandes bereits die Grenze des finanziell Machbaren. Die Nahverkehrsunternehmen werden überwiegend von Städten und Landkreisen getragen, die selbst unter Sparzwängen stehen.
Der KAV betont, weiterhin an einer Einigung am Verhandlungstisch interessiert zu sein. Gleichzeitig äußern die Arbeitgeber Unverständnis über die angekündigten Streiks, die aus ihrer Sicht vor allem die Fahrgäste treffen. Die Gewerkschaft hingegen sieht weiterhin erheblichen Nachbesserungsbedarf und fordert spürbare Entlastungen für die Beschäftigten.
Damit bleiben die Fronten im Tarifkonflikt vorerst verhärtet – eine kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht.
One comment on “Arbeitgeber kritisieren Streik im Nahverkehr – Angebot zur Entlastung vorgelegt”
Mich wundert die Personalpolitik der HAVAG ein wenig. Kommt die Straßenbahn, fährt mich oft -oder fast immer – eine deutsche Person im Rentenalter. Rufe ich ein Taxi, kommt in der Regel ein Mensch mit Migrationshintergrund. Ans Ziel führen mich beide. Warum stellt die HAVAG keine Leute mit Migrahi ein?
Falls es hier Diskussionen über die Qualifikation gibt: Für Straßenbahn braucht man nichtmal einen KFZ-Führerschein, man muss nichtmal ein Navi bedienen können. Eigentlich ein Job, der von einer KI gemacht werden könnte.