Wie ein abendlicher Aufruf zu gemeinsamer Besinnung tönt die Einladung des Forum Rathenau e. V. durch die Lutherstadt Wittenberg: Am Montag, dem 15. Dezember 2025, versammelt sich im großen Ratssaal des alten Rathauses der CarbonCycleCultureClub (C4) – ein Forum, das die Zukunft der Agrarwirtschaft in den Blick nimmt, und dabei doch mit einem Bein in der Geschichte steht. Zwischen den alten Holzvertäfelungen, die schon viele Debatten sahen, soll über eine Frage gesprochen werden, die die Gegenwart drängt und die Zukunft herausfordert: Sind Treibhausgasemissionen der Agrarwirtschaft vermeidbar?
Moderiert wird der Abend von Professor Ralf Wehrspohn, dem Vorsitzenden des Forum Rathenau, der seit Jahren Brücken schlägt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und gesellschaftlichen Erwartungen. Carsten Franzke, Vorstand und Geschäftsführer der SKW Stickstoffwerke Piesteritz, wird daran erinnern, wie sehr die Gegenwart auf der Kraft alter Innovationen ruht: 110 Jahre Strom aus dem Kraftwerk Zschornewitz für die Stickstoffwerke – ein Jubiläum, das verbindet und zugleich fragt: Wie wird die Energieversorgung morgen aussehen?
Auf dem Podium nehmen Platz:
• Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, mit Grußwort und Diskussionsteilnahme
• Torsten Zugehör, Oberbürgermeister von Wittenberg
• Frank Gemmer, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar (IVA)
• Prof. Dr. Klaus Pillen, Leiter der Professur Pflanzenzüchtung, MLU Halle-Wittenberg
• Antje Bittner, Geschäftsführerin der SKW Stickstoffwerke Piesteritz
Der thematische Rahmen ist weit gespannt und zugleich überaus konkret. Noch immer emittiert die deutsche Landwirtschaft rund 62,1 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente jährlich – ein Zehntel aller Emissionen im Land. Methan aus der Tierhaltung, emissionsreiche Böden infolge der Stickstoffdüngung, die energieintensive Herstellung mineralischer Dünger: All das bildet einen Emissionspfad, der seit Jahrzehnten bekannt ist und doch schwer zu verlassen scheint.
Wie einst die alten Bauernkalender vom rechten Zeitpunkt des Säens und Erntens erzählten, so steht heute die Frage im Raum, ob die Emissionen der Landwirtschaft zu den „schwer vermeidbaren“ zählen – wie jene aus Zement oder Müllverbrennung – oder ob sie, mit neuen Techniken und klugen Rahmenbedingungen, doch deutlich gesenkt werden könnten. Moderator Wehrspohn will diese Fragen mit Podium und Publikum durchmessen: Welche Technologien stehen bereit? Welche Verfahren können weiterentwickelt werden? Und welche politischen Leitplanken braucht ein Wandel, der trägt?
Besonders das Wirtschaftsdünger-Management rückt in den Fokus. Stickstoff, einst Sinnbild der Ertragssteigerung, ist heute zugleich Emissionsquelle. Neue digitale Werkzeuge – etwa satellitengestützte Systeme für präzisere Düngestrategien – könnten das Wirtschaften effizienter machen, Verluste vermeiden und Emissionen mindern. Was früher der sorgfältige Blick zum Himmel war, könnte künftig der Blick aus dem All sein.
So wird der Abend ein Gespräch über Tradition und Zukunft zugleich: über alte Kraftwerke und neue Technologien, über Verantwortung und Gestaltungskraft, über die Frage, wie die Agrarwirtschaft ihre Wurzeln achtet – und doch Wege findet, die Luft von morgen zu schonen.