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AfD Sachsen-Anhalt im offenen Bruch: Ex-Generalsekretär erhebt schwere Vorwürfe gegen Parteiführung

Ein dumpfes Grollen liegt über der AfD in Sachsen-Anhalt, und diesmal ist es kein fernes Donnergrollen, sondern ein offener Riss durch die eigene Reihe. Der Bundestagsabgeordnete und frühere Generalsekretär der Landespartei, Jan-Wenzel Schmidt, hat mit einer internen E-Mail eine Generalabrechnung vorgelegt, die es in sich hat. Übereinstimmend berichten table.media und die taz, dass Schmidt dem Landesvorstand parteischädigendes Verhalten, mutmaßliche Straftaten, Vetternwirtschaft und den Missbrauch parlamentarischer Mittel vorwirft – und damit einen innerparteilichen Machtkampf öffentlich eskalieren lässt (table.media, 17.12.2025; taz).

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung ist eine Mail, die Schmidt wenige Tage nach einer Reise von AfD-Politikern zu einer Gala des „Young Republicans Club“ in New York an den Landesvorstand verschickte. Unter dem programmatischen Betreff kündigt er nicht nur „klare Stellungnahmen“ und „konkrete Sachverhalte“ an, sondern auch ein weiteres Vorgehen, das – so seine Drohung – unweigerlich parteiöffentlich werden könne. Neun Monate lang, so Schmidt, sei systematisch gegen ihn und seine Familie vorgegangen worden. Unterstützer seien mundtot gemacht, sein Ruf gezielt beschädigt worden. Die Wortwahl ist drastisch: Er spricht von „krankhaftem Verhalten“ und „psychopathischem Fanatismus“ und erklärt, einige Akteure gehörten „auf die Anklagebank und nicht auf die Regierungsbank“ (table.media).

Im Zentrum der Vorwürfe steht eine innerparteiliche Machtgruppe, von Schmidt als „Pokerrunde“ bezeichnet. Zu ihr zählt er prominente Funktionäre der AfD Sachsen-Anhalt, darunter Landeschef Martin Reichardt, seine Stellvertreter Oliver Kirchner und Hans-Thomas Tillschneider sowie weitere Landes- und Fraktionsvertreter. Politisch gedeckt werde dieses Vorgehen, so Schmidt, vom Spitzenkandidaten zur Landtagswahl 2026, Ulrich Siegmund. Damit richtet sich die Kritik nicht nur gegen einzelne Personen, sondern gegen die strategische Führung der Partei im Land (table.media; taz).

Inhaltlich erhebt Schmidt schwerwiegende Anschuldigungen: Über Jahre hinweg seien Fahrtkostenabrechnungen und Reisezuordnungen unsauber erfolgt, Auslandsreisen hätten keinen oder nur nachträglich konstruierten Mandatsbezug gehabt. Privatreisen seien als parlamentarische Tätigkeit deklariert worden, darunter Reisen mit überwiegend gesellschaftlichem Charakter oder schlichtem Sightseeing. Selbst von Dienstreisen nach Berlin, deren eigentliches Ziel eine Spielbank gewesen sei, ist die Rede. All dies, so Schmidt, sei dokumentierbar und werde von ihm belegt werden (table.media; taz).

Besonders brisant sind die Vorwürfe der Vetternwirtschaft. Mehrere Mitglieder des Landesvorstands sollen Ehepartner, Kinder oder Geschwister über Abgeordnetenstellen beschäftigt haben – teils in erheblichem Umfang. In einem Fall, so Schmidt, werde ein direktes Familienmitglied mit fast 8.000 Euro brutto monatlich aus öffentlichen Mitteln vergütet. Hinzu kommen Andeutungen über unzulässige wirtschaftliche Verflechtungen, mögliche falsche Privatinsolvenzen, Falschangaben bei Kommunalwahlen und parteiinterne Einflussnahmen auf wirtschaftliche Beteiligungen (table.media).

Doch auch Schmidt selbst steht unter erheblichem Druck. Wie die taz ausführlich darstellt, sieht er sich seit Monaten mit Vorwürfen konfrontiert – unter anderem wegen mutmaßlich fingierter Minijobs in seinem Bundestagsbüro, seiner unternehmerischen Tätigkeiten und Kontakten zu dem inzwischen verurteilten chinesischen Spion Jian G. Auch Berichte über eine E-Zigarettenfirma, in der offenbar Mitarbeiter ohne Gegenleistung über sein Bundestagsbüro bezahlt worden sein sollen, belasten ihn. Schmidt weist all dies als gezielte Kampagne einer parteiinternen „Klüngelgruppe“ zurück (taz).

Die institutionelle Dimension ist längst erreicht. Die Landtagsverwaltung prüft bereits Fahrtkostenabrechnungen von AfD-Abgeordneten; weitergehende Vorwürfe seien nun neu bekannt geworden. Schmidt wurde zur Konkretisierung seiner Anschuldigungen aufgefordert. Der Landesvorstand wiederum hält sich bedeckt und verweist – gegenüber table.media wie auch der taz – darauf, sich zu laufenden internen Vorgängen öffentlich nicht zu äußern. Parallel steht ein Parteiausschlussverfahren gegen Schmidt im Raum (table.media; taz).

So zeigt sich ein Bild tiefer Zerrüttung: Eine Partei, die nach außen Geschlossenheit demonstrieren will, ringt im Innern mit Misstrauen, Machtkämpfen und dem Vorwurf doppelter Moral. Ob die angekündigte „interne Aufarbeitung“ gelingt oder ob der Konflikt vollends öffentlich eskaliert, bleibt offen. Sicher ist nur: Der Riss geht tief – und er kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die AfD in Sachsen-Anhalt eigentlich geschlossen in den Wahlkampf ziehen wollte.

Quellen: table.media, 17.12.2025; taz, Gareth Joswig / David Muschenich

Quellen:

https://table.media/berlin/analyse/ex-generalsekretaer-erhebt-schwere-vorwuerfe-gegen-afd-landesvorstand-sachsen-anhalt

https://taz.de/Streit-in-AfD-Sachsen-Anhalt-eskaliert/!6139626/

One comment on “AfD Sachsen-Anhalt im offenen Bruch: Ex-Generalsekretär erhebt schwere Vorwürfe gegen Parteiführung”

  1. Kleine Männchen, die sich gegenseitig das vorwerfen, was sie selber tun. Erinnert stark an die DVU-Truppe vor 25 Jahren. Sachsen-Anhalt und Deine Nazis…

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