Die Jahresausstellung der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle erhält in diesem Sommer einmal mehr einen besonders feinen, ernsten Ton: Vom 12. Juli bis zum 3. August 2025 sind unter dem Titel „Take Off 2025“ die Abschlussarbeiten der diesjährigen Meisterschüler*innen in der Burg Galerie im Volkspark zu sehen. Es ist ein Innehalten und zugleich ein Aufbruch – der Moment, in dem junge Künstlerinnen und Künstler sich mit einem letzten Werk aus dem akademischen Kosmos lösen und in die freie Welt entlassen werden.
In der nunmehr vierten Auflage dieser Reihe vereinen sich die Werke von sieben Absolvent*innen zu einer vielstimmigen, zugleich tiefsinnigen Ausstellung. Was sie eint, ist das Aufbäumen gegen die Zumutungen einer krisenhaften Gegenwart. Raumgreifend, installativ, aufrüttelnd sind viele der Positionen – und doch bleibt der persönliche Blick stets präsent.
Zwischen Strohballen und Totentanz
So stapelt Sophia Roggenkamp Stroh- und Heuballen, lässt Geruch und Klang der dörflichen Herkunft sprechen, tastet nach Identität zwischen Land und Stadt. Gesa Wagner fügt aus alten Fischernetzen und Fundstücken leise Erzählungen über Vergänglichkeit und Erinnerung zusammen. In dunklem Graphit kehrt Paul-Jakob Meussling das alte Motiv des Totentanzes hervor – skurril, schmerzhaft, ironisch.
Daniela Trabold wirft ein ästhetisch verfremdetes Licht auf die Geschichte der Radioaktivität, begibt sich nach Jáchymov und erschafft mit Schwarzlicht, Uranglas und Fotografie eine beklemmend-schöne Raumatmosphäre. Jan Marco Herzog formt keramische Objekte, die wie geologische Körper wirken: Ablagerung, Hitze, Druck werden künstlerisch lesbar. Seine „Genesis“-Formen erinnern daran, dass auch das Alte stets neu entstehen kann.
Zwischen Spiegeln und Emailleschichten
Anne Pruy zeigt subtile Emaille-Collagen, zwischen Malerei und Plastik, zwischen Sichtbarem und Verdecktem. Ihre flüchtigen Alltagsbeobachtungen entfalten sich zu komplexen Raum-Bild-Gefügen. Julius Anger wiederum durchmisst mit Malerei, Siebdruck, Skulptur und Film die seelischen Spuren digitaler Zerstreuung. In Spiegelschrift und Tiermetaphern thematisiert er medienbedingte Aufmerksamkeitserosion – kryptisch, doch unüberhörbar.
Tradition in Bewegung
Die Ausstellung wird am 11. Juli um 18 Uhr feierlich eröffnet – traditionell im Foyer des Volksparks Halle, begleitet von Rektorin Prof. Bettina Erzgräber, Prorektor Prof. Tilo Baumgärtel, Dekanin Prof. Dr. Sara Burkhardt und Kuratorin Dr. Jule Reuter. Auch das Begleitprogramm zeugt von Ernst und Engagement: Künstlergespräche und öffentliche Führungen machen die Ausstellung zu einem lebendigen Ort des Austauschs.
„Take Off“ ist mehr als ein Name – es ist eine Geste: Der Blick hebt sich vom Nahen, um das Ganze zu sehen. Die Ausstellung lädt ein, in der Kunst das Unbequeme zu suchen – und dort vielleicht Hoffnung zu finden.
ABild: nne Pruy. links eine mögliche Antwort. Rechts: Richtungswechsel. Foto: Martin Nielebock
Ausstellungsort:
Burg Galerie im Volkspark, Schleifweg 8a, 06114 Halle (Saale)
Zeitraum: 12. Juli – 3. August 2025
Öffnungszeiten: täglich 14–19 Uhr, am Eröffnungswochenende 10–19 Uhr
Eintritt: frei
Web: www.burg-halle.de/galerie
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