Zeitz. Am 18. August 1976 setzte der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz vor der Michaeliskirche in Zeitz mit seiner Selbstverbrennung ein erschütterndes Zeichen gegen die SED-Diktatur. Mit diesem drastischen Schritt protestierte er gegen die systematische Benachteiligung christlicher Kinder und Jugendlicher in den Schulen der DDR. Vier Tage später erlag er seinen schweren Verletzungen.
Der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Johannes Beleites, würdigte das Vermächtnis von Brüsewitz. „Die Tat von Oskar Brüsewitz war ein Fanal, das die Aufmerksamkeit weit über die DDR hinaus auf das Unrecht lenkte, das Menschen aufgrund ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen erleiden mussten“, erklärte Beleites. „Sein Protest zeigte, wie groß Verzweiflung und Mut in einer Diktatur sein konnten – und wie notwendig Erinnerung bis heute ist.“
Brüsewitz hatte zuvor durch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktionen versucht, auf die Situation von Christen in der DDR aufmerksam zu machen. Als Pfarrer wollte er die christliche Botschaft in die Gesellschaft tragen und geriet damit unweigerlich in Konflikt mit der atheistisch geprägten Staatsideologie. Schwerer wog für ihn jedoch die Erfahrung, dass er auch in seiner Kirche nur wenig Rückhalt fand.
Die Reaktion der SED auf seine Tat war geprägt von Vertuschung, Diffamierung und Einschüchterung. Dennoch rief sein Tod Solidarität in oppositionellen Kreisen hervor und führte zu internationaler Aufmerksamkeit für das politische Unrecht in der DDR. Die Beisetzung am 26. August 1976 entwickelte sich, trotz massiver Gegenmaßnahmen von Staatssicherheit und Volkspolizei, zu einer Protestkundgebung mit mehr als 400 Teilnehmenden.
Auch 49 Jahre später bleibt die Erinnerung an Oskar Brüsewitz ein mahnendes Zeichen. Sie erinnert daran, wie Einzelne den Mut fanden, Unrecht zu benennen – und daran, dass die Freiheit von Religion, Meinung und Gewissen stets geschützt werden muss.