15 Mio Euro: Pläne für Neubau am Riebeckplatz nehmen Gestalt an

17. Oktober 2013 | Wirtschaft | 2 Kommentare

In zwei Jahren könnte der Riebeckplatz in Halle (Saale) völlig anders aussehen. Die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) will das Areal komplett neu bebauen. Für 15 Millionen Euro soll anstelle des jetzigen DDR-Plattenbaus und Supermarkts ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit 100 Wohnungen entstehen. Der Abriss der alten Gebäude ist für Anfang 2015 vorgesehen, Baubeginn soll dann zum Jahresende sein. Als Partner ist die Supermarkt-Kette Edeka mit im Boot, die auch künftig hier einen Laden betreiben will.

Am Mittwochabend hat eine Jury die Sieger eines Architektenwettbewerbs benannt. Insgesamt fünf Büros hatte die HWG aufgefordert, sich zu beteiligen. Geforderte Punkte waren die Stadtreparatur, eine Erlangung von Baurecht nach Paragraph 34 (hierfür ist kein Bebauungsplan nötig), eine Wirtschaftlichkeit durch eine Refinanzierbarkeit mit marktgerechten Mieten, eine energetische Nachhaltigkeit, termingerechte Umsetzbarkeit sowie die Schaffung einer nachhaltigen Architektur. Wie Planer Harry Jost, Vorsitzender der Jury, sagte, ging es unter anderem dazu Ideen aufzuzeigen, wie eine Pforte zur Altstadt aussehen könnte. Die Blockränder zum Dorint-Hotel und der Gründerzeitbebauung sollten geschlossen und die alte Martinstraße wird angebunden werden.

Platz 1 ging an das Weimarer Büro „Junk und Reich“. 34 Meter hoch soll der Bau werden. Die Jury lobte eine „gelungene Verbindung von zeitgenössischer Architektur und innovativer Funktionalität.“ Durch die ansprechende Gestaltung des Sockelgeschosses werde eine „erlebbare Eingangssituation zur Altstadt geschaffen.“ Der Höhenunterschied zwischen Dorotheenstraße und Riebeckplatz soll neben einer Treppe über einen Außenaufzug erfolgen. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt durch eine Art „Loggia“. Nicht ganz zufrieden mit der Lösung ist Edeka, unter anderem auch weil das Treppenhaus im Markt ist und der Bäcker abgekoppelt werden soll. Eine Tiefgarage ist hier nicht vorgesehen.

Platz 2 ging an das hallesche Büro „dietzsch und weber architekten“. Dort war die Expertenrunde mit der Fassadengestaltung des 8-Geschossers nicht ganz zufrieden. Der Übergang zur Gründerzeitbebauung sei zur hart, das Gebäude erhalte eine zu große Dominante. Dagegen fand Edeka den Entwurf gut. Die Erschließung der Wohnungen erfolgt zum Teil über offene Laubengänge. An die kleine Küche schließt sich eine Loggia an. Die Erweiterung der jetzigen Sackgasse Martinstraße soll platzartig werden. Auch eine Tiefgarage ist vorgesehen, die durch ihre Lage neben der Tiefgarage des Hotels aufwendige Gründungsarbeiten unnötig macht. Auf dem Dachgeschoss ist eine Art „Balkon mit Blick über Halle“ vorgesehen, der für verschiedene Veranstaltungen zur Verfügung stehen könnte. Der Höhenunterschied zur Dorotheenstraße soll neben einer Treppe durch eine Art Serpentine aufgefangen werden, wodurch auch Radler und Rollstuhlfahrer den Bereich problemlos nutzen können.

Mit den Architekten der beiden Siegerentwürfe soll nun weiter geredet werden. Beide Preisträger hätten prägnante Eigenschaften, so Harry Jost. Nun solle ganz stark auf die Wirtschaftlichkeit geschaut werden. „Bei beiden Entwürfen gibt es noch Fragen.“

Dieser Entwurf mit einer Gebäudehöhe von 34,5 Meter, also genauso hoch wie das Lehrerinstitut und das Dorint-Hotel, ist in der Jury durchgefallen. Unter anderem wurde das zur Verfügung stehende Baufeld überschritten. Sprich: Flächen wurden eingeplant, die sich nicht im HWG-Besitz befinden. Auch die Dominanz wurde kritisiert, daneben werde der Zugang zur Dorotheenstraße geschlossen. Edeka fand die Variante dagegen gut, auch weil das Unternehmen hier die größte Marktfläche hätte.

Auch dieser Entwurf hier erhielt keine Stimmen. Edeka fand den Markt zu klein, der Bäcker wäre durch eine Gasse abgeschnitten. Die Dorotheenstraße soll als Terrasse in Richtung Riebeckplatz fortgeführt werden. Auch eine Tiefgarage wäre vorgesehen, wahrscheinlich aber nicht wirtschaftlich zu betreiben. Mit 34 Metern Höhe reizt der Entwurf die maximal zulässige Höhe aus. Die Martinstraße würde durch eine kleine Gasse wieder an den Riebeckplatz angebunden.

Dieser Entwurf hat sich mit der Martinstraße gar nicht auseinander gesetzt, was bei der Jury nicht gut ankam. Mit 26 Metern würde das Gebäude die geringste Höhe der Entwürfe haben, was die Jury zumindest städtebaulich gut fand. Vorgesehen ist eine Tiefgarage, die durch einen Autoaufzug erreichbar wäre. Das oberste Geschoss soll ein Staffelgeschoss mit Traufkante werden.

Sämtliche Entwürfe werden ab Montag im HWG-Haus am Hansering für zwei Wochen ausgestellt. Anschließend sind sie im Foyer des technischen Rathauses zu sehen.

Die etwa 100 Wohnungen sollen direkt über die HWG vermietet werden. Alternativ wird betreutes Wohnen angeboten, als Partner tritt wahrscheinlich die Paul-Riebeck-Stiftung auf. Im kommenden Jahr soll es zudem einen Wettbewerb für den Standort des abgerissenen nördlichen Riebeck-Hochhauses geben. Laut HWG-Chef Heinrich Wahlen gebe es derzeit dazu Gespräche mit der Stadt.

Print Friendly
2 Kommentare
  1. Profilbild von guckstdunur

Kommentar schreiben