Respekt³: Woche für mehr Toleranz in Halle

13. März 2014 | Vermischtes | 1 Kommentar

Unter dem Titel “Respekt³” findet vom 17. bis 22. März 2014 in Halle (Saale) die mittlerweile dritte Woche für mehr Vielfalt und Toleranz statt.

respektGeben wird es im Respekt-Laden in der ehemaligen Sparkasse Martinstraße unter anderem Ausstellungen, Lesungen, Seminare, Workshops und Vorträge. Damit sollen alle Interessierten aufgeklärt und politisch sensibilisiert werden. Das Informationsangebot umfasst ein breites Spektrum: von Widerstand und Verfolgung während der NS-Zeit, den Protokollen der NSU-Prozesse, der Situation von Flüchtlingen in Sachsen-Anhalt und deren Erfahrungen in Asylverfahren bis hin zur Geschichte von Anne Frank und Sophie Scholl.

Eröffnet wird die Woche am 17. März um 17 Uhr durch Bürgermeister Egbert Geier. Eines der Highlights ist das Benefizradeln am 21. März von 10 bis 18 Uhr. Sponsoren spenden Geld für jeden erradelten Kilometer. Mindstens zwei Hometrainer werden für sportliche Unterstützer bereitstehen. Geld gesammelt werden soll für den Hallianz Jugendfond, über den 10 Projekte unterstützt werden sollen. Im vergangenen Jahr kamen 3000 Euro durch die erradelten 580 Kilometer zusammen.

In Zusammenarbeit mit dem Zeit-Geschichte(n) e.V. werden zudem Spenden für weitere Stolpersteine in Halle gesammelt. Zum Abschluss gibt es am 22. März um 20 Uhr bei Postkult in Glaucha ein Konzert mit Lick Quarters, Eine Million Projekt, DJ Miles Melodie und DJ Mata Granata. Die Tomaten-Piraten sorgen für vergane Verpflegung. Hier können Sie das komplette Programm herunterladen.

Die Aktionswoche ist ein lokaler Beitrag zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus, die vom 10. bis zum 23. März bundesweit stattfinden und den UNO-Gedenktag gegen Rassismus am 21. März würdigen. Damit soll auf die Gefahren des “wachsenden extremistischen Gedankenguts” aufmerksam gemacht werden.

– Ausstellungen –
„Flüchtlinge und Fremdenfeindlichkeit”
UNO-Flüchtlingshilfe

Die Ausstellung zeigt Karikaturen von Thomas Plaßmann, die uns auf humorvolle Art mit der schwierigen Situation von Flüchtlingen in Deutschland konfrontiert. Seine Zeichnungen zeigen mit einem Augenzwinkern, wo unser Menschenbild von Würde, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit mit der Alltagswirklichkeit kollidiert. Die Ausstellung kann ab Montag den 24. März 2014 im Ratshof der Stadt Halle, Marktplatz 1, 4. Etage besichtigt werden.

„Naumburg 1933 – 1945”
VdN-BdA Sachsen-Anhalt e.V. (Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten) in Kooperation mit der IG Metall Halle-Dessau.

Die Ausstellung, 2006 erstmals im Naumburger Jugendzentrum „Otto“ gezeigt, erarbeitet von einem Initiativkreis Naumburger Bürger unter Federführung von Tamara Misch, Mitglied des Landesvorstandes des VdN – BdA Sachsen – Anhalt e. V., steht exemplarisch für viele deutsche Städte in der Zeit der Nazibarbarei.
Insbesondere aus der Betroffenheitsperspektive von Zeitzeugen und dokumentarisch belegten Zeitzeugnissen lässt sich erkennen, wie schnell sich das gesamte Stadtleben nach der Machtübertragung und schließlich der totalen Machtergreifung durch die deutschen Faschisten grundlegend änderte, in Radikalität und Terror umschlug, erzeugend damit eine angstbesetzte, denunziatorische Atmosphäre. Es wird gezeigt, wie das faschistische totalitäre System durch Täter und Mitläufer entstand, stabilisiert wurde und funktionierte.
Viele Tafeln sind den verschiedenen Opfergruppen, vor allem der jüdischen Naumburger Bevölkerung, aber auch Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und Euthanasieopfern gewidmet. An Einzelschicksalen wird aufgezeigt, wie Menschen trotz alledem Widerstand leisteten und auch in Ächtung und Verfolgung humanistische, demokratische und sozialistische Werte bewahrten. So ist diese Ausstellung ein lebendiges Lehrstück deutscher Geschichte. Sie ist zugleich Mahnung und Aufforderung für uns Heutige, Rassismus und Faschismus für immer den Boden zu entziehen.

„GEDULDET – Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt”
Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Mit der Ausstellung wird auf die schwierigen Lebensbedingungen von Flüchtlingen und MigrantInnen in Sachsen-Anhalt aufmerksam gemacht. Die Fotografin Kathrin Königl und der Fotograf Rolf Brändle haben über mehrere Wochen verschiedene Flüchtlingsunterkünfte in Sachsen-Anhalt besucht. Aus den zahlreichen Begegnungen und Gesprächen sind fotografische Dokumente entstanden, die den Fokus auf den Lebensalltag von AsylbewerberInnen richten und deren Alltag in der organisierten Desintegration eindrucksvoll dokumentieren.
Seit 20 Jahren führt Sachsen-Anhalts Flüchtlingspolitik in eine Sackgasse. Von einer Willkommenskultur sind wir noch weit entfernt. Deshalb brauchen wir hier endlich ein Umdenken. Der Schutz und die Integration von Flüchtlingen müssen als Ziel ganz nach vorn rücken. Auch, weil wir auf Einwanderung angewiesen sind.
Die Ausstellung kann ab Montag den 24. März 2014 im Ratshof der Stadt Halle, Marktplatz 1, 4. Etage besichtigt werden.

„HÖRSTOLPERSTEINE, STOLPERN MIT KOPF, HERZ UND GEHÖR – GEGEN DAS VERGESSEN”
www.zeit-geschichten.de, www.hoerstolpersteine.net, www.radiocorax.de

Stolpersteine sind mit Namen, Geburts- und Sterbedaten versehene Messingtafeln, die vor dem letzten selbstgewählten Wohnort von Opfern des Nationalsozialismus verlegt werden. In 10 Ländern Europas finden sich diese Gedenksteine, um die Erinnerung an Menschen, die dort wohnten wach und lebendig zu halten. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist (Talmud).“
„Hörstolpersteine” fügen diesem „größten dezentralen Denkmal der Welt“ (arte) eine akustische Dimension hinzu: Sechs Freie Radios in Deutschland und Österreich produzierten 60 Kurzsendungen, die das Leben der Menschen, die zu Opfern wurden, für das Radio aufbereiten. Ähnlich den Stolpersteinen auf der Straße tauchen Kurzbiographien unverhofft in den Radioprogrammen auf und sollen irritieren, aufmerksam machen und die Geschichten der Opfer bewahren. Die Hörstolpersteine für Halle wurden von Radio Corax produziert.
Ausstellung im Ratshof der Stadt Halle, Marktplatz 1, 4. Etage.

“Ordnung und Vernichtung – Die Polizei im NS-Staat”
Deutsche Hochschule der Polizei und Deutsches Historisches Museum
Die Polizei war ein zentrales Herrschaftsinstrument des NS-Regimes. Von seinen Anfängen bis zu seinem Untergang konnte es sich auf die Polizei stützen. Nicht nur die Gestapo, sondern alle Sparten der deutschen Polizei waren am Terror gegen die politischen und weltanschaulichen Gegner des NS-Staats beteiligt, zunächst im Innern des Deutschen Reiches und seit Kriegsbeginn 1939 schließlich in allen von der Wehrmacht eroberten Gebieten. Besonders in Osteuropa beging die deutsche Polizei massenhaft Verbrechen an der Zivilbevölkerung. Die Polizei war maßgeblich am Mord an den europäischen Juden beteiligt, aber auch an der Verfolgung von Widerstandsgruppen gegen das nationalsozialistische Besatzungsregime und der Verschleppung von Zivilisten zur Zwangsarbeit für die deutsche Kriegswirtschaft. Die Verbrechen verübten Polizisten, die mehrheitlich in der Weimarer Republik, einem demokratischen Rechtsstaat, sozialisiert und ausgebildet wurden. Nur wenige von ihnen mussten sich für die verübten Verbrechen nach 1945 vor Gericht verantworten. Viele konnten in der Bundesrepublik ihre Karrieren im Polizeidienst fortsetzen.
Wer waren die Männer und wenigen Frauen in der deutschen Polizei, die politische und weltanschauliche Gegner des Nationalsozialismus verfolgten und schließlich ermordeten? Welche mentalen Voraussetzungen und strukturellen Bedingungen prägten das Verhalten der Polizeiangehörigen, dass sie das NS-Regime hinnahmen, sich daran beteiligten und schließlich vielfach sogar zu Mördern wurden? Wer verweigerte sich den verbrecherischen Befehlen? Welche Motive waren dafür ausschlaggebend? Auf diese grundlegenden Fragen versucht das Ausstellungsprojekt Antworten zu geben. Getragen wird es von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum in Berlin.
Die Ausstellung kann von Montag den 10. März 2014 bis Freitag den 11. April im Ratshof der Stadt Halle, Marktplatz 1, 4. Etage besichtigt werden.

Visitenkarte der AG Aktion Ladenschluss
Wie in den vergangenen Jahren konnten wir wieder verschiedene Museen der Stadt für eine Beteiligung am Bildungsprogramm der Woche gewinnen. So ermöglichen die Visitenkarten der AG Aktion Ladenschluss im Beatles Museum einen um 2€ ermäßigten Eintritt. Die Gedenkstätte Roter Ochse, das Stadtmuseum Halle und das Landesmuseum für Vorgeschichte bieten kostenfreie Sonderführungen durch die Ausstellungen nach vorheriger Anmeldung an.

Gedenkstätte Roter Ochse
Von der Königlich-Preußischen Straf-, Lern- und Besserungsanstalt des 19 Jh. zu Zuchthaus und Hinrichtungsstätte im 20 Jh. Die Gedenkstätte Roter Ochse bietet während der Bildungswoche eine Sonderführungen durch die Dauerausstellungen zur Politischen Justiz in den Jahren 1933 bis 1945 und 1945 bis 1989 an. Der Besuch der Gedenkstätte ist kostenfrei.
Während der Bildungswoche werden kostenfreie Führung nach vorheriger Anmeldung angeboten.
Anmeldung zur Führung: Michael Viebig, info-roterochse@stgs.sachsen-anhalt.de, 0345/ 220 13 37

Stadtmuseum Halle
Das Stadtmuseum Halle hat seinen Stammsitz im Christian-Wolff-Haus, das neben einer Dauerausstellung zum 18. Jahrhundert, „Christian Wolff und das Jahrhundert der Aufklärung” auch die neue stadtgeschichtliche Ausstellung „Entdecke Halle!“ beherbergt. Im Rahmen der Bildungswoche werden zwei Führungen angeboten, die über die Standard Museumsführung hinausgehen und den Blick auf Tolleranz stärken sollen.
Eine Führung wird von Migranten geleitet, die bereits seit einigen Jahren in Halle leben. Sie vermitteln zum einen Infos über sich, ihre Herkunft u.ä., gleichzeitig stellen sie ihren Blick auf Halle als ihre neue Heimatstadt sowie deren Geschichte dar. Was macht Halle für mich besonders. Dieser Blick ist ein ganz anderer, als der eines „Alt” Hallensers.
Eine zweite Führung vermittelt nicht nur die übliche Stadtgeschichte, sondern legt den Schwerpunkt auf Halle und die Welt. Hier stehen Objekte im Vordergrund, die über „Ausländer ” in der hallischen Geschichte berichten, wie dem ersten afrikanische Studenten, aber auch über die Sicht von Halle auf die Welt durch Reisedarstellungen von Hallensern.
Während der Bildungswoche werden kostenfreie Führungen nach vorheriger Anmeldung angeboten.
Anmeldung zur Führung: Gero Sievers, gero.sievers@halle.de, 0345/ 221 33 48

Landesmuseum für Vorgeschichte
Das Landesmuseum Sachsen-Anhalt in Halle ist mittlerweile als Heimstatt der Himmelsscheibe von Nebra weltbekannt, doch auch ohne diesen spektakulären Fund ist das Museum bemerkenswert. Als Teil der archäologischen Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt beherbergt es eine der ältesten, umfangreichsten und bedeutendsten archäologischen Sammlungen in Deutschland.
Im Rahmen der Bildungswoche werden vom 24. bis 27. März 2014 kostenfreie Führungen nach vorheriger Anmeldung angeboten.
Anmeldung zur Führung: Sven Koch, besucherbetreuung@lda.mk.sachsen-anhalt.de , 0345/ 5247 465

Beatles Museum
Die Dokumentation umfasst Raritäten, Kuriositäten und Bekanntes aus den Beatles-Jahren (bis 1970) und aus der Zeit der Solo-Karrieren (ab 1970 bis heute), vieles von den Beatles und Personen aus deren Umfeld signiert – manches speziell für das Beatles Museum. Der kompetent zusammengestellte musikalische Werdegang in Wort, Bild und Ton weckt Erinnerungen; und junge Leute bekommen einen umfassenden Einblick in die 60er Jahre und über die Folgezeit, in der die Musiker einzeln Karriere machten. Im Rahmen der Bildungswoche wird mit der Visitenkarten der AG Aktion Ladenschluss ein um 2€ ermäßigter Eintritt angeboten (eine Visitenkarte pro Person).
Kontakt: BeatlesMuseum@t-online.de, 0345/ 290 39 00

Musikbibliothek der Stadt Halle (Saale)
Die Musikbibliothek beteiligt sich mit einer Bestandspräsentation „Medien zum Thema Rassismus und gegen Rechts” in den Räumen der Musikbibliothek in der Kleinen Marktstraße 5 und und wird sich ebenfalls im Respekt AufLaden präsentieren.

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