Merkel eröffnet Leopoldina-Tagung, Proteste am Moritzburgring

18. September 2015 | Vermischtes | 3 Kommentare

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Freitag die Jahresversammlung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina unter dem Motto „Symmetrie und Asymmetrie in Wissenschaft und Kunst“ eröffnet.
jahresversammlung leopoldina 2015 05„In diesem Jahr beschäftigen wir uns mit einem Thema, das alle Bereiche der Wirklichkeit betrifft und damit nicht nur die Wissenschaften untereinander verbindet, sondern sie auch eng mit den Künsten verknüpft“, sagte Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina, in seiner Rede zur Eröffnung der Jahresversammlung. „Ich bin mir sicher: Wer den Vorträgen auf unserer Jahresversammlung folgt, wird überraschende Einsichten gewinnen“, sagte Hacker weiter.

jahresversammlung leopoldina 2015 07Anlässlich der Jahrestagung hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff das Wirken der Leopoldina gewürdigt. In seinem Grußwort sagte er: „Die durch die Nationale Akademie geleistete Beratung von Politik und Gesellschaft auf der Grundlage aktueller Forschungsstände ist für Sachsen-Anhalt und für ganz Deutschland von sehr hoher Relevanz.“ Mit ihrem Sachverstand sorge die Leopoldina mit dafür, dass Verantwortungsträger auf allen Ebenen in die Lage versetzt würden, Entscheidungen zu treffen, die auch über Generationen hinweg Bestand haben, sagte Haseloff und stellte fest: „Sie trägt außerdem entscheidend dazu bei, die Sensibilität für Zukunftsthemen in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Dadurch werden notwendige Debatten versachlicht. Wir können in Sachsen-Anhalt stolz sein, dass die Leopoldina ihren Sitz in unserem Land hat.“

jahresversammlung leopoldina 2015 08Insgesamt 14 Fachvorträge nähern sich aus unterschiedlicher Perspektive dem Thema der Jahresversammlung. Im Festvortrag erkundet der Philosoph Prof. Dr. Dieter Birnbacher (Universität Düsseldorf) „Symmetriebrüche in der Moral“. Weitere Themen der Vorträge sind die Einflüsse von Symmetrien bei der Suche nach dem Higgs-Teilchen (Prof. Dr. Peter Jenni, Genf), bei der Erforschung neuronaler Steuerung der Fortbewegung von Tieren (Prof. Dr. Ansgar Büschges, Köln), bei der Entstehung von Krebs als überschießende Wundheilung und viele mehr. Prof. Dr. Martin Quack (Zürich), der das Thema der Jahresversammlung vorgeschlagen und mit einem Team aus allen Fachsektionen der Leopoldina das Vortrags-Programm konzipiert hat, spricht am Freitag über die Spiegelsymmetrie des Raumes und ihre Bedeutung in der Forschung in Physik, Chemie und Molekularbiologie.

jahresversammlung leopoldina 2015 09Ein Höhepunkt der Jahresversammlung ist der Vortrag des Astrophysikers Prof. Dr. Günther Hasinger (USA) am Freitagabend. In seinem Vortrag „Ist der Himmel symmetrisch“ fragt der Wissenschaftler nach Symmetrien im Kosmos. Dabei geht er auf die Entstehung und Entwicklung von Galaxien, Sternen und Planeten ebenso ein wie auf die Entwicklung Schwarzer Löcher und deren Einfluss auf die Galaxien. Unter den Referenten der Jahresversammlung ist auch der Physiker Prof. Dr. Daniel Shechtman, der 2011 den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung der Quasikristalle erhielt.

Zu Beginn der Jahresversammlung heute Morgen wurden herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet. Die Cothenius-Medaillen, die Carus-Medaillen, die Schleiden-Medaille, die Mendel-Medaille, die Leopoldina-Preise für Junge Wissenschaftler, der Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte und der Thieme-Preis der Leopoldina für Medizin werden traditionell alle zwei Jahre bei der Jahresversammlung verliehen.

jahresversammlung leopoldina 2015 06Gäste der Jahresversammlung sind auf Einladung der Leopoldina und der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) rund 40 begabte Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland. Sie verfolgen die wissenschaftlichen Vorträge der Jahresversammlung und kommen mit hochkarätigen Forschern ins Gespräch, unter anderem mit dem israelischen Immunologen und Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Michael Sela, der mit den Schülern über die zukünftige Gestaltung der deutsch-israelischen Wissenschaftsbeziehungen sprechen wird.

Am Vortag der Eröffnung der Jahresversammlung, am Donnerstag 17. September, wählte der Senat der Leopoldina eine neue Vizepräsidentin und ein neues Präsidiumsmitglied der Akademie. Die Pflanzengenetikerin Prof. Dr. Ulla Bonas, Professorin an der Universität Halle-Wittenberg, ist nun eine der vier Vizepräsidenten der Leopoldina. Sie folgt auf die Mikrobiologin Prof. Dr. Bärbel Friedrich, Wissenschaftliche Direktorin des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs Greifswald. Als neues Präsidiumsmitglied wurde der Informatiker Prof. Dr. Thomas Lengauer, Direktor am Max‐Planck‐Institut für Informatik, Saarbrücken, gewählt. Er ist Nachfolger des Chemikers Prof. Dr. Helmut Schwarz, Professor an der Technischen Universität Berlin und Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung. Drei Präsidiumsmitglieder wurden vom Senat zudem in ihrem Amt bestätigt: Der Physiker Prof. Dr. Gunnar Berg als Vizepräsident der Leopoldina, der Humangenetiker Prof. Dr. Peter Propping als Sekretar der Klasse II und der Psychologe Prof. Dr. Frank Rösler als Sekretar der Klasse IV.

Am Moritzburgring vor der Leopoldina demonstrierten insbesondere Vertreter der „Alternative für Deutschland“ (AfD). „Einwanderung braucht klare Regeln“ oder „Die Euro-Rettung ist gescheitert“. Auch den Rücktritt der Kanzlerin forderten die AfD’ler auf mehreren Plakaten. Bei Ankunft der Kanzlerin war der Ruf „Merkel muss weg!“ bis hoch an die Leopoldina zu hören. Nach der Abreise der Kanzlerin zog ein Teil der Demonstranten Parolen skandierend durch die Innenstadt, so unter anderem die Kneipenmeile Kleine Ulrichstraße sowie Kleinschmieden. Aus einem Lautsprecher tönte „Wollt ihr den totalen Krieg“ aus der Sportpalast-Rede von Joseph Goebbels. Die Teilnehmer gehörten zu „Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas“ (EnDgAmE) beziehungsweise zur „Friedensbewegung Halle“. Laut Polizei nahmen 60 Personen an der Kundgebung vor der Leopoldina teil. Am anschließenden Umzug 40 Personen, darunter laut Polizei Reichsbürger und Mitglieder der Brigade.


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