Mehr Straftaten in Sachsen-Anhalt, Aufklärungsquote gesunken

6. März 2014 | Vermischtes | 1 Kommentar

In Sachsen-Anhalt steigt die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden. Sachsen-Anhalts Minister für Inneres und Sport, Holger Stahlknecht, hat heute die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2013 vorgestellt.

polizeiDanach wurden im vergangenen Jahr 193.885 Straftaten erfasst, dass sind 4.652 Fälle mehr als im Jahr 2012 (189.233 Straftaten). Zwar wurden mit 109.539 (2012: 108.602) auch mehr Taten aufgeklärt, allerdings sank die Aufklärungsquote um 0,9 Prozentpunkte auf 56,5 Prozent.

Merkliche Anstiege sind im Bereich des Diebstahls (Anstieg um 5.182 Fälle auf 80.209) und der Vermögens- und Fälschungsdelikte (um 1.208 Fälle auf aktuell 34.891) festzustellen.
Rückläufig hingegen und auf einem historischen Tief ist die Anzahl der Gewaltdelikte. Sind im Jahr 2012 noch 5.716 solcher Taten registriert worden, waren es im zurückliegenden Jahr 5.120 Delikte, also 596 Delikte weniger.

Minister Stahlknecht: „Einen Grund zur ernsthaften Sorge um die Sicherheit im Land sehe ich in der aktuellen Statistik nicht. Gleichwohl sollte man aber die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr nicht ignorieren und darauf vertrauen, dass sich das erreichte Niveau der öffentlichen Sicherheit von selbst erhält.“

Stahlknecht nahm dabei Bezug auf die aktuelle öffentliche Debatte zur Polizeistrukturreform und unterstrich die Notwendigkeit struktureller Veränderungen. Der Minister: „Der ‚organisatorische Schuh’ ist für die Polizei mittlerweile viel zu groß und es fällt zunehmend schwerer, darin zu laufen.“ Insbesondere bei der Aufklärungsquote ist der Rückgang mit fast einem Prozentpunkt augenfällig. Hier darf aber laut Minister Stahlknecht nicht verkannt werden, dass Sachsen-Anhalt mit der Quote seit Jahren über dem Bundesschnitt liegt. Stahlknecht: „Unsere Polizistinnen und Polizisten haben enormen Einsatz gezeigt und hervorragend gearbeitet. Da gibt es nichts zu kritisieren, sondern einzig und allein meine Hochachtung und meinen Dank auszusprechen.“

„Die jetzt vorgelegte Statistik belegt vor allem, dass ausreichendes, gut ausgebildetes und ausgerüstetes Personal eine der Grundvoraussetzungen für die Kriminalitätsbekämpfung darstellt“, meint die innenpolitische Sprecherin der Fraktion „Die Linke“ Gudrun Tiedge. „Innenminister Stahlknecht allerdings konterkariert das mit seinem Festhalten an seinen Plänen für eine Polizeistrukturreform, die mitnichten eine Personalverstärkung und die Erhöhung der Präsenz in der Fläche nach sich ziehen wird. Das Gegenteil ist nicht nur zu befürchten, die Situation wird sich verschlechtern, wenn diese Pläne umgesetzt werden. Das wird zu Lasten der Polizei insgesamt, aber auch zu Lasten der öffentlichen Sicherheit in Sachsen-Anhalt gehen.“

„Die Polizistinnen und Polizisten in Sachsen-Anhalt leisten nach wie vor eine gute und wichtige Arbeit“, so Rüdiger Erben, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. „Deshalb müssen wir sehr genau hinschauen, ob sich hier eine negative Entwicklung verstetigt und wo die Ursachen liegen. Dazu werden wir in den nächsten Wochen Fragen stellen und nötigenfalls auch politische Rückschlüsse ziehen.“ Der Innenpolitiker verwies darauf, dass die Zahlen in der Statistik nur eine Seite der Medaille seien. „Die Menschen in Sachsen-Anhalt müssen nicht nur objektiv sicher leben können, sondern sie müssen sich auch sicher fühlen“, sagte Erben. „Das ist ein wichtiges Anliegen, wenn man mit den Menschen im Land spricht.“

Tatverdächtige
Insgesamt wurden 70.961 Tatverdächtige ermittelt, das sind 1.040 Tatverdächtige weniger als im Vorjahr. Knapp drei Viertel (73,4 Prozent) aller Tatverdächtigen sind männlich.
Der Anteil Jungtatverdächtiger (unter 21 Jahren) an allen Tatverdächtigen betrug 2013 mit 12.754 Personen 18,0 Prozent. Das sind 1,9 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und der geringste Anteil seit dem Jahr 1994.
Die Zahl junger Intensivtäter (mehr als neun Straftaten im Kalenderjahr begangen) hat sich um 47 verringert. Für das Jahr 2013 wurden 325 Intensivtäter registriert. Obwohl der Anteil an den Jungtatverdächtigen lediglich 2,5 % beträgt, wurde fast ein Viertel aller Straftaten, welche von Personen bis 21 Jahren begangen wurden (20.170 Straftaten), von diesen Intensivtätern begangen (4.764 Straftaten).

Opfer
Im Jahr 2013 wurden insgesamt 28.713 Opfer einer Straftat erfasst. Das ist ein Rückgang um 1.123 Opfer gegenüber dem Vorjahr. 16.720 (58,2 Prozent) der Opfer sind männlich, 11.993 (41,8 Prozent) sind weiblich.
Differenziert nach dem Alter ergibt sich folgendes Bild: Bei 21.815 Opfern (entspricht einem Anteil von 76 Prozent) handelte es sich um Erwachsene, 2.079 Opfer waren Heranwachsende, 2.365 Opfer waren Jugendliche und 2.454 Opfer waren Kinder.

Polizeibeamte als Opfer von Straftaten/Gewalt gegen Polizeibeamte
Im polizeilichen Alltag werden Polizeivollzugsbeamte nicht nur Opfer von Gewalt während ihres Einsatzes im Rahmen von Großveranstaltungen, versammlungsrechtlichen Aktionen oder Fußballspielen, sondern auch im täglichen Streifendienst. Die Gefahr für Polizeivollzugsbeamte, Opfer einer Straftat zu werden, ist von verschiedenen Faktoren (z. B. Tatörtlichkeit, Gruppendynamik, Gewaltbereitschaft oder Alkoholisierungsgrad der Täter) abhängig. Im Jahr 2013 wurden in der PKS 1.169 Fälle registriert, in denen Polizeivollzugsbeamte in Ausübung ihres Dienstes Opfer einer Straftat wurden. Dies ist ein leichter Rückgang um 121 Fälle zum Vorjahr (2012: 1.290 Fälle).
Insgesamt gab es im letzten Jahr 205 verletzte Polizisten bei Straftaten, sechs davon wurden schwer verletzt. Das sind insgesamt 69 verletzte Polizisten mehr als im Vorjahr.

Anteile einzelner Deliktsfelder an der Gesamtkriminalität

• Mit 41,4 Prozent hat der Diebstahl den mit Abstand größten Anteil aller in Sachsen-Anhalt polizeilich erfassten Straftaten in. Mit einem Zuwachs um 5.182 Delikte liegt er um 1,7 Prozentpunkte höher als im Jahr 2012.

• Sonstige Straftaten nach dem Strafgesetzbuch (StGB), zu denen beispielsweise Sachbeschädigungen und Brandstiftungen zählen, wurden mit einem Anteil von 21,6 Prozent an der Gesamtkriminalität in der PKS registriert. Gegenüber dem Jahr 2012 (23,1 Prozent) fiel der Anteil um 1,5 Prozentpunkte.

• Der Anteil der Vermögens- und Fälschungsdelikte stieg mit 34.891 Taten gegenüber dem Jahr 2012 (33.683) von 17,8 auf 18 Prozent. Zu diesem Deliktsbereich gehören verschiedene Formen des Betrugs, der Unterschlagung sowie Urkunden-, Geld- und Wertzeichenfälschungen.

• Die Straftatenhauptgruppe „Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit“ hat einen Anteil von 12,7 Prozent an der Gesamtkriminalität. Gegenüber dem Vorjahr ist hier eine geringe Veränderung mit 0,7 Prozentpunkten festzustellen.

• Die Straftaten im Bereich der strafrechtlichen Nebengesetze, hierzu gehören beispielsweise Umweltstraftaten und Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz) sind mit einem Anteil von 5,6 Prozent an der Gesamtkriminalität um 0,4 Prozentpunkte angestiegen.

• Straftaten gegen das Leben und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, also schwerste Straftaten, haben einen geringen Anteil an der Gesamtkriminalität. Der Anteil der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hat sich mit 1.370 Delikten gegenüber dem Vorjahr (1.408) nur minimal verändert und liegt bei 0,7 Prozent. Ebenfalls nahezu unverändert mit insgesamt 117 Taten ist der Anteil der Straftaten gegen das Leben, der 0,1 Prozent beträgt. Im Jahr 2012 waren 107 Taten aus diesem Deliktsbereich registriert worden.

Gewaltkriminalität
Erfreulich ist, dass sich der seit 2008 andauernde rückläufige Trend bei der Gewaltkriminalität auch im Jahr 2013 fortsetzt. So sind 10,4 Prozent bzw. 596 Fälle weniger als im Vorjahr in der PKS ausgewiesen. Mit insgesamt registrierten 5.120 Fällen liegt dieses Zahl so niedrig wie nie. Die Aufklärungsquote von 80,4 Prozent zeigt, dass die Polizei bei schweren Straftaten eine sehr gute Arbeit leistet. Etwa 70 Prozent der registrierten Gewaltdelikte sind gefährliche und schwere Körperverletzungen.

Straftaten gegen das Leben/Morde
Die Straftaten gegen das Leben sind gegenüber dem Vorjahr um zehn auf 117 Fälle angestiegen (darunter ein strafbarer Fall des Schwangerschaftsabbruchs).
Davon kam es in vier Fällen zum vollendeten Mord (2012: 5 Fälle), in 13 Fällen zum vollendeten Totschlag (2012: zwölf Fälle) und in 37 Fällen zu einer fahrlässigen Tötung (2012: 33 Fälle).
Insgesamt sind 62 Mord- und Totschlagsdelikte nicht vollendet wurden und im Versuchsstadium verblieben (elf Fälle beim Mord, 51 Fälle beim Totschlag).
Von der Polizei konnten 107 Fälle in diesem Deliktsbereich aufgeklärt werden, was eine Aufklärungsquote von 91,5 Prozent bedeutet.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
Im Jahr 2013 wurden 1.370 Fälle von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung registriert, das sind 38 Fälle (2,7 Prozent) weniger als im Vorjahr. 1.195 Fälle wurden aufgeklärt, das entspricht 87,2 Prozent (2012: 83,2 Prozent).
Insgesamt wurden 1.225 Opfer (996 weiblich, 229 männlich) in dieser Straftatenhauptgruppe registriert. Als Tatverdächtige wurden 1.181 Personen (1.102 männlich, 79 weiblich) ermittelt. Demzufolge sind mit 81,2 Prozent, also vier Fünftel, hauptsächlich weibliche Personen Opfer, mit 93,3 Prozent fast ausschließlich männliche Personen Täter.

Raub und räuberische Erpressung
Sind im Jahr 2012 beim Raub und bei der räuberischen Erpressung noch leichte Anstiege registriert worden, so sind nunmehr 206 Fälle weniger in der PKS für das Jahr 2013 ausgewiesen. Insgesamt wurden 1.243 Fälle erfasst. Vergleicht man die Anzahl der erfassten Fälle mit dem Jahr 2000 (2.588 Fälle), so ist festzustellen, dass sich die Fallzahlen bei den Raubstraftaten in den letzten 13 Jahren mehr als halbiert haben.
Von der Polizei konnten 63,0 Prozent der registrierten Fälle aufgeklärt werden. Insgesamt wurden bei den Raubstraftaten 994 Tatverdächtige ermittelt.

Diebstahl
Der Diebstahl ist der Deliktsbereich mit dem größten Anteil an der Gesamtkriminalität. Er bildet mit einem Anteil von 41,4 Prozent nach wie vor den Schwerpunkt der Kriminalität in unserem Land.

Die Fallzahlen sind 2013 entgegen dem Vorjahr um 6,9 Prozent auf 80.209 Fälle gestiegen. Der Diebstahl ohne erschwerende Umstände ist mit einem Anteil von 43,9 Prozent an allen registrierten Diebstahlsdelikten im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent angestiegen.
Die Diebstahlsdelikte unter erschwerenden Umständen bilden mit 56,1 Prozent den größten Anteil und weisen eine Steigerung von 9,5 Prozent gegenüber dem Jahr 2012 auf.

Verstärkt von Diebstählen betroffen waren Fahrräder und unbare Zahlungsmittel. Die Fallzahlen von Diebstählen aus Boden- und Kellerräumen, Dienst-, Büro-, Lagerräumen und Wohnungen sowie aus Kraftfahrzeugen stiegen im vergangenen Jahr ebenso an. Auch beim Taschendiebstahl sind steigende Fallzahlen registriert.

Der Diebstahl aus Kraftfahrzeugen steht oft im Zusammenhang mit sichtbar liegen gelassenen Wertgegenständen.
Für das Jahr 2013 sind rückläufige Zahlen unter anderem beim Ladendiebstahl, Diebstahl von Kraftwagen und Krädern bzw. Mopeds festzustellen.

Vermögens- und Fälschungsdelikte
Die Fallzahlen sind um 3,6 Prozent gestiegen und betragen 34.891 Delikte. Betrugsdelikte dominieren diese Straftatengruppe mit einem Anteil von 81,4 Prozent (28.400 Taten).
Ein wesentlicher Grund dafür sind die steigenden Fallzahlen beim Warenbetrug um 25,4 Prozent und beim Abrechnungsbetrug um 146,9 Prozent.
Die Steigerung der Fallzahl beim Abrechnungsbetrug hängt mit einem größeren Ermittlungsverfahren zusammen, bei dem Kliniken im Bereich Harz und Mansfeld/Südharz ambulante Aufenthalte bei den jeweiligen Krankenkassen in betrügerischer Absicht abgerechnet haben sollen.

Sinkende Fallzahlen sind bei der Beförderungserschleichung (sog. Schwarzfahren) um 10,4 Prozent und beim sonstigen Sozialleistungsbetrug (um 16,4 Prozent auf 688 Fälle) verzeichnet worden.

Die Entwicklung der Fallzahlen bei der Beförderungserschleichung wird ausnahmslos vom Kontroll- und Anzeigeverhalten der Verkehrsbetriebe beeinflusst.

Sachbeschädigung
Nach einem leichten Anstieg im Vorjahr (um 0,8 Prozent) sind die Fallzahlen bei der Sachbeschädigung wieder rückläufig. Im Jahr 2013 sind 21.533 Delikte festgestellt worden, das sind gegenüber dem Jahr 2012 (24.139 Delikte) 2.606 Fälle bzw. 10,8 Prozent weniger.
Ursächlich für den Rückgang sind die sinkenden Fallzahlen bei den Sachbeschädigungen durch illegale Graffiti. Diese sind von 2012 mit 5.203 Delikten auf 4.331 Delikte im Jahr 2013 gesunken.
Etwa jede dritte Sachbeschädigung wird von einem Tatverdächtigen unter 21 Jahren begangen.

Tatmittel Internet
Die Straftaten mit Tatmittel Internet sind mit 8.169 Fällen auf einen neuen Höchststand angewachsen (2012: 7.246 Fälle). Der Trend der Verlagerung der kriminellen Aktivitäten aus der realen in die virtuelle Welt setzt sich unvermindert fort und stellt eine wachsende Bedrohung für die Bevölkerung dar.
Zudem werden vermehrt Straftaten über das Internet vom Ausland aus begangen, die sich dann in Sachsen-Anhalt schädigend auswirken. Allerdings werden solche Taten nicht in der PKS erfasst, weil der Tatort im Ausland liegt.

Um den Herausforderungen gerecht zu werden, ist im Landeskriminalamt die Spezialdienststelle 4C (CyberCrime Competence Center) eingerichtet worden. Hier haben IT-Spezialisten und -Ermittler ihre Kompetenzen gebündelt und führen bzw. unterstützen Ermittlungsverfahren für eine erfolgreiche Bekämpfung der Internetkriminalität.

Rauschgift
Im Bereich der Rauschgiftkriminalität sind im vergangenen Jahr 6.060 Delikte erfasst worden, was gegenüber dem Jahr 2012 mit 5.893 Delikten einen erneuten Anstieg darstellt.
Von der Zunahme sind sowohl die sogenannten Konsumentendelikte als auch die Handelsdelikte betroffen.
Die Aufklärungsquote liegt bei den Rauschgiftdelikten bei 95,0 Prozent und damit 0,3 Prozentpunkte unter dem Niveau des Vorjahres.

Mit Sorge wird in diesem Zusammenhang gesehen, dass der Konsum der Droge Crystal zunimmt. Diese macht schnell abhängig, hat verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit und ist im Vergleich zu anderen illegalen Drogen relativ preiswert.

Konkrete Zahlen können allerdings nicht vorgelegt werden, da bis 2013 Crystal nicht explizit in der Statistik aufgeführt ist. Ab dem Jahr 2014 werden Straftaten im Zusammenhang mit der Droge Crystal mit eigenem Deliktschlüssel registriert. Im Jahr 2013 waren neun Drogentote zu verzeichnen, 2012 waren es fünf.
Seit Beginn der Registrierung (1994) sind in Sachsen-Anhalt 123 Personen an den Folgen des Drogenkonsums verstorben. Im Jahr 2013 wurden Drogen im Wert von 3.092.407 Euro sichergestellt.

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