Land der Ideen: Bundesweite Auszeichnung für „Klasse Allgemeinmedizin“ der Uni Halle

24. Juli 2014 | Vermischtes | Keine Kommentare

Die „Klasse Allgemeinmedizin“ der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erhält von der bundesweiten Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ eine Auszeichnung.

Als einziges Projekt aus Sachsen-Anhalt darf sich die „Klasse Allgemeinmedizin“ in diesem Jahr als „Ort im Land der Ideen“ bezeichnen. Das Projekt der Medizinischen Fakultät gehört damit zu den 100 Initiativen aus dem gesamten Bundesgebiet, welche die Zukunftsperspektiven ländlicher Regionen stärken sollen. Ingesamt sind etwa 1000 Bewerbungen eingereicht worden. „Wir sind stolz darauf, dass unsere Klasse Allgemeinmedizin bundesweit Anerkennung findet“, sagt der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Michael Gekle. Die Auszeichnung unterstreiche, dass die Fakultät mit diesem Konzept auf dem richtigen Weg ist, um einen Beitrag zur künftigen hausärztlichen Versorgung in Sachsen-Anhalt zu leisten. Die Klasse Allgemeinmedizin könne Vorbildcharakter für andere Regionen in Deutschland haben, erklärt der Dekan. Erfahrungen aus den USA zeigten, dass langfristig ein Drittel aller Landärzte aus solchen Programmen hervorgehen könnten. „Die Klasse Allgemeinmedizin ist demografieorientierte Zukunftssicherung!“

Das Projekt existiert seit 2011 und startet im Herbst 2014 mit einer neuen Klasse in das vierte Jahr. Insgesamt nehmen derzeit 43 Studierende in drei Jahrgängen teil. 31 Allgemeinmediziner auf dem Land unterstützen die Klasse Allgemeinmedizin, im Herbst werden 19 weitere Mentoren hinzukommen. „Für uns alle, die Studierenden, Dozenten, Landärzte und Organisatoren, ist die Auszeichnung ein großes Lob und die Bestärkung, das Projekt mit aller Kraft fortzuführen“, findet Honorarprofessor Dr. Andreas Klement, der die Sektion Allgemeinmedizin der Medizinischen Fakultät leitet. Mit viel Engagement sei die ursprüngliche Idee umgesetzt und seit dem mit Leben erfüllt worden. Die Klasse Allgemeinmedizin treffe das diesjährige Thema von „Land der Ideen“ wie den „Nagel auf den Kopf“. „Wo es keine Ärzte mehr gibt, wird künftig niemand leben wollen“, ist er überzeugt.

Die Ausbildung von Medizinstudenten im Fach Allgemeinmedizin steht vor zwei großen Herausforderungen: die Attraktivität des Faches zu erhöhen und den Nachwuchs für eine flächendeckende hausärztliche Versorgung in ländlichen Räumen zu gewinnen. Prof. Gekle: „Mit dem Lehrkonzept der „Klasse Allgemeinmedizin“ als Wahlpflichtfach während des Medizinstudiums stellen wir ein Konzept zur Stärkung des hausärztlichen Nachwuchses besonders in ländlichen Regionen und unter den Aspekten des demographischen Wandels vor: Wir wollen junge Ärzte für das Arbeiten auf dem Land begeistern.“ Die Fakultät könne die Klasse Allgemeinmedizin ohne Bedenken zur Nachahmung empfehlen. Der Dekan dankte in diesem Zusammenhang den vielen Unterstützern: Kassenärztliche Vereinigung, Hausärzteverband, Ärzte- und Apothekerverband und die Deutsche Ärztefinanz AG. Er nannte besonders die Stipendienprogramme der Kassenärztlichen Vereinigung.

Die „Klasse Allgemeinmedizin“ bietet seit Oktober 2011 für etwa 10 Prozent der Humanmedizin studierenden Erstsemester an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg einen Erfahrungsraum, um Eindrücke in der hausärztlichen Tätigkeit zu sammeln. Das Besondere daran: Die Studierenden in der „Klasse Allgemeinmedizin“ bekommen schon zu Beginn einen hausärztlichen Mentor (Landarzt aus Sachsen-Anhalt) an ihre Seite gestellt. Eine feste Gruppe – ähnlich einer Schulklasse – bleibt über das gesamte Studium hinweg bestehen. Die „Klasse Allgemeinmedizin“ wird durch erfahrene Hausärzte und Sozialwissenschaftler betreut. Jeder Studierende verbringt zwei Tage pro Semester in seiner „persönlichen“ Landarztpraxis. Auf den Umgang mit „echten Patienten“ werden die Studenten Schritt für Schritt mit Seminaren für hausärztliche Fertigkeiten und Gesprächstechniken vorbereitet. Regelmäßige Kontakte (über Seminare und das Internet) zu den „Klassenlehrern“ stellen die inhaltliche Qualität und Prägekraft des Programms sicher. Prof. Klement, selbst niedergelassener Allgemeinmediziner, sagt: „Durch gut vorbereiteten frühen Patientenkontakt und Landärzte als überzeugende ärztliche Vorbilder wird ein besonderer Lernanreiz und Erfahrungsschatz erzeugt. Zusammen mit dem Gruppenzusammenhalt innerhalb der Klasse wird so nachhaltig die Entwicklung einer professionellen Identität mit regionaler Bindung gefördert.“

Im Rahmen der Einführungsveranstaltung der „Klasse Allgemeinmedizin 2014“ findet am 26. November 2014 die offizielle Preisverleihung für das Projekt „Klasse Allgemeinmedizin-Mentoren für angehende Landärzte“ in den Räumen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg statt.

Hintergrund: Seit 2006 prämieren „Deutschland – Land der Ideen“ und die Deutsche Bank jährlich innovative Projekte in Deutschland. Dieses Jahr wurden Ideen zur Stärkung ländlicher Regionen ausgezeichnet – „Innovationen querfeldein – Ländliche Räume neu gedacht. Die ausgezeichneten Ideen sollen nationalen und internationalen Vorbildcharakter haben und als Inspiration für andere dienen.

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