Kriminalität in Sachsen-Anhalt: 194.000 Straftaten, Aufklärungsquote bei 57,1%

17. März 2015 | Vermischtes | Keine Kommentare

Sachsen-Anhalts Minister für Inneres und Sport, Holger Stahlknecht, hat heute die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2014 vorgestellt. Danach sind im vergangenen Jahr insgesamt 194.486 Straftaten registriert worden. Gegenüber dem Jahr 2013 bedeutet das einen leichten Anstieg um 601 Straftaten. Die Aufklärungsquote betrug 57,1 Prozent und konnte gegenüber 2013 um 0,6 Prozentpunkte gesteigert werden.

Holger Stahlknecht: „Das Sicherheitsniveau im Land ist solide, was auf die gute Arbeit unserer Polizei zurückzuführen ist. Ich sage aber auch, dass diese Leistung unter zum Teil hohen Belastungen erbracht worden ist. Unser eingeschlagener Weg hin zu strukturellen Veränderungen und der Bündelung von Ressourcen ist deshalb richtig und notwendig.“

Den nach wie vor größten Anteil am Gesamtstraftatenaufkommen bilden die Diebstahlsdelikte mit 81.069 Fällen. Gegenüber dem Jahr 2013 hat sich hier das Fallaufkommen um 860 Taten gesteigert.
Den geringsten Anteil am Gesamtaufkommen haben Straftaten gegen das Leben (unter 0,1 Prozent) und gegen die sexuelle Selbstbestimmung (0,8 Prozent).

Nennenswerte Rückgänge waren im Bereich der Sachbeschädigungen zu registrieren. Mit insgesamt 20.220 Fällen sind gegenüber dem Vorjahr 1.313 Fälle weniger zu verzeichnen. Ursächlich dafür sind vor allem die sinkenden Fallzahlen bei den Sachbeschädigungen durch Graffiti, die bei 3.591 Delikten liegen. Hier beträgt der Rückgang zum Vorjahr 740 Delikte (17,1 Prozent).
Angestiegen ist hingegen die Zahl der Rauschgiftdelikte. Insgesamt wurden 7.057 Fälle in diesem Kriminalitätsbereich erfasst, was eine Deliktszunahme um 997 Taten (entspricht 16,5 Prozent) bedeutet.

Stahlknecht machte dabei deutlich, dass diese Entwicklung auf die Erhöhung des polizeilichen Kontrolldrucks zurückzuführen ist. „Durch intensive Ermittlungen werden nicht nur mehr Taten bekannt, sondern es gelingt auch, größere Mengen an Rauschgift aus dem Verkehr zu ziehen“, so der Minister. Laut Statistik wurden im Jahr 2014 Drogen im Wert von über 4,5 Mio. Euro sichergestellt, was einer Steigerung von knapp 1,5 Mio. Euro entspricht. Die größten Sicherstellungsmengen mit knapp 135 kg waren Cannabis und Cannabiszubereitungen. Darüber hinaus wurden rund 10.900 Cannabispflanzen sichergestellt.

Mit Sorge betrachtet Stahlknecht den Konsum der Droge Crystal, die im Gegensatz zu anderen Drogen relativ preiswert ist, aber verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit hat und enorm schnell in die Abhängigkeit führt.

Da erst ab dem Jahr 2014 Straftaten im Zusammenhang mit Crystal mit eigenem Deliktschlüssel registriert werden, liegen keine validen Vergleichszahlen zum Vorjahr vor. Jedoch rangieren die erstmals im Jahr 2014 registrierten Deliktszahlen mit insgesamt 2.085 Fällen bereits an alarmierender zweiter Stelle hinter den Taten im Zusammenhang mit Cannabis und Cannabiszubereitungen (3.049 Taten).

Stahlknecht sieht hier akuten Handlungsbedarf und kündigte an, finanzielle Mittel für gezielte Präventionsmaßnahmen gegen diese zerstörende Droge einzusetzen. Der Minister: „Wir haben hier keine Zeit zu verlieren und müssen über die enorme Gefährlichkeit umfassend aufklären.“ So soll geprüft werden, ob mit anderen Bundesländern gegebenenfalls gemeinsam Maßnahmen erarbeitet werden können. Denkbar ist für den Minister auch eine sog. Handy-App, über die viele wichtige aufklärende Informationen sowie Auskünfte zu Hilfsangeboten abrufbar sind.

Im Jahr 2014 sind sechs Drogentote zu beklagen gewesen, 2013 waren es neun. Seit Beginn der Registrierung im Jahr 1994 sind in Sachsen-Anhalt 129 Personen an den Folgen des Drogenkonsums verstorben.

Weitere Angaben aus der PKS 2014:

Tatverdächtige
Insgesamt wurden 70.626 Tatverdächtige ermittelt, das sind 335 Tatverdächtige weniger als im Vorjahr. 51.262 Tatverdächtige sind männlich, 19.364 weiblich.
Der Anteil der Jungtatverdächtigen, dazu zählen Kinder, Jugendliche und Heranwachsende bis zum vollendeten 21. Lebensjahr, weist mit 17,2 Prozent an allen Tatverdächtigen den niedrigsten Wert seit dem Jahr 1994 auf. Die Zahl junger Intensivtäter, das sind Jungtatverdächtige mit mehr als neun im Kalenderjahr begangenen Straftaten, hat sich im Jahr 2014 um 30 auf 295 Personen verringert.

Opfer
Insgesamt wurden für das Jahr 2014 28.903 Opfer einer Straftat erfasst. Dies ist ein Anstieg um 190 Opfer gegenüber dem Vorjahr. Über die Hälfte der Opfer ist männlich, ein Viertel der Opfer ist unter 21 Jahre alt.

Polizeibeamte als Opfer von Straftaten/Gewalt gegen Polizeibeamte
Im vergangenen Jahr wurden 1.266 Fälle registriert, in denen Polizeibeamte Opfer einer Straftat waren. Das sind 97 Fälle mehr, als im Jahr 2013. Ebenfalls angestiegen ist die Zahl der verletzten Polizeibeamten. Waren im Jahr 2013 noch 205 verletzte Beamte zu beklagen (davon sechs schwerverletzt), stieg diese Zahl im Jahr 2014 auf 245 an (davon sieben Beamte schwerverletzt). Bei 179 Beamten rührte die Verletzung aus Widerstandshandlungen, bei 66 Beamten waren die Verletzungen Folgen von Angriffshandlungen gegen die Polizisten.

Anteile einzelner Deliktsfelder an der Gesamtkriminalität
• 41,7 Prozent: Diebstahlsdelikte
• 17,9 Prozent: Vermögens- und Fälschungsdelikte
• 12,7 Prozent: Rohheitsdelikte/Straftaten gegen die persönliche Freiheit
• 0,8 Prozent: Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
• 0,1> Prozent Straftaten gegen das Leben
• 20,6 Prozent: Sonstige Verstöße gegen das Strafgesetzbuch
• 6,4 Prozent: Verstöße gegen strafrechtlichen Nebengesetze

Diebstahl
Innerhalb dieser Deliktsgruppe sind 34.581 Fälle (42,7 Prozent) dem Diebstahl ohne erschwerende Umstände zuzuordnen, 46.488 Fälle sind als Diebstahlshandlungen unter erschwerenden Umständen registriert worden.
Die Anzahl der Wohnungseinbrüche liegt bei 2.598 Fällen und ist damit gegenüber dem Vorjahr nahezu gleichbleibend (2.588 Fälle).
Erhöhte Deliktszahlen waren beim Fahrraddiebstahl und Diebstahl unbarer Zahlungsmittel erkennbar. Die Fallzahlen von Diebstählen aus Boden- und Kellerräumen sowie aus Kraftfahrzeugen stiegen im vergangenen Jahr ebenso an. Auch beim Taschendiebstahl sind leicht steigende Fallzahlen registriert.
Bei der Betrachtung der ermittelten Tatverdächtigen ist für das Jahr 2014 festzustellen, dass sich der Anteil der Tatverdächtigen, die als Konsumenten harter Drogen bekannt sind, weiter erhöht hat.
Lag der Anteil der ermittelten Tatverdächtigen im Jahr 2013 bei 27,1 Prozent, so ist 2014 der Anteil auf 33,8 Prozent gestiegen.
Daraus lässt sich erkennen, dass den Diebstahlsdelikten zur Finanzierung des Drogenkonsums eine wachsende Bedeutung zukommt.

Vermögens- und Fälschungsdelikte
Knapp vier von fünf Vermögens- und Fälschungsdelikten sind Betrugshandlungen (27.611 Delikte, entspricht 79,5 Prozent).
Gegenüber dem Vorjahr waren insbesondere steigende Fallzahlen beim Warenbetrug mit 3.086 Fällen auf 9,8 Prozent und beim sonstigen Warenkreditbetrug mit 7.501 Fällen auf 5,3 Prozent festzustellen.
Sinkende Fallzahlen sind wie im Vorjahr bei der Beförderungserschleichung, dem sogenannten Schwarzfahren, von 7.065 auf 5.795 Delikte (entspricht einem Rückgang von 18,0 Prozent) und beim Abrechnungsbetrug von 842 auf 131 Delikten (entspricht einem Rückgang 84,4 Prozent) zu verzeichnen. Für den Rückgang beim Abrechnungsbetrug ist ein im Jahr 2013 abgeschlossenes Großverfahren im Gesundheitswesen verantwortlich.

Rohheitsdelikte/Straftaten gegen die persönliche Freiheit
Diese Straftatenhauptgruppe, wozu beispielsweise sämtliche Körperverletzungsdelikte, verschiedene Raubstraftaten, Nötigung und Bedrohung zählen, hat mit 24.628 Taten einen Anteil von 12,7 Prozent. Dabei handelt es sich um den exakt gleichen Wert wie im Jahr 2013.
Mit 15.558 Taten ist das Gros der Delikte dem Bereich den Körperverletzungen zuzuordnen.

Separiert nach Gewaltdelikten (hierzu werden beispielsweise nicht die einfachen, wohl aber die gefährlichen und schweren Körperverletzungsdelikte und Raubstraftaten gezählt), werden für diesen Phänomenbereich 5.274 Delikte ausgewiesen. Das wiederum sind 154 Fälle mehr als im Jahr 2013, dennoch handelt es sich hierbei um den zweitniedrigsten Wert der letzten zehn Jahre. Von allen Gewaltstraftaten konnten 80 Prozent aufgeklärt werden, mehr als ein Viertel der ermittelten Tatverdächtigen stand bei der Tatausübung unter Alkoholeinfluss.

Mit 3.607 erfassten Taten (2013: 3.591) dominieren diesen Bereich weiterhin die gefährlichen und schweren Körperverletzungen. Bei den Raubstraftaten ist eine Zunahme von 151 Fällen gegenüber dem Vorjahr auf 1.394 Fälle zu verzeichnen.
64 Prozent der registrierten Fälle und 1.101 Tatverdächtige konnten im Bereich der Raubstraftaten ermittelt werden. Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren lag bei 35,9 Prozent. Der Anteil der Tatverdächtigen, die als Konsumenten harter Drogen registriert sind, hat sich weiter erhöht. So ist deren Anteil bei den aufgeklärten Straftaten im Jahr 2013 von 43,7 Prozent auf 47,4 Prozent im Jahr 2014 gestiegen. Dies bedeutet, dass auch dem Deliktsfeld der Raubstraftaten im Rahmen der indirekten Beschaffungskriminalität eine verstärkte Rolle zukommt.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
Im Jahr 2014 wurden 1.525 Fälle von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung registriert. Das sind 155 Fälle mehr als im Vorjahr. Gestiegen ist der sexuelle Missbrauch von Kindern von 450 dieser Taten im Jahr 2013 auf 533 Fälle im Jahr 2014.
Insgesamt konnten 1.314 Fälle aufgeklärt werden, was einer Aufklärungsquote von 86,2 Prozent entspricht. Insgesamt wurden 1.313 Opfer, davon 1.128 weiblich und 285 männlich, in dieser Straftatenhauptgruppe registriert. Als Tatverdächtige wurden 1.222 Personen, darunter 1.142 Männer und 80 Frauen, ermittelt.

Straftaten gegen das Leben
Straftaten gegen das Leben, also schwerste Straftaten, haben einen sehr geringen Anteil an der Gesamtkriminalität. Im Jahr 2014 wurden insgesamt sieben vollendete Morde und elf versuchte Morde erfasst. 2013 waren es vier vollende Taten und ebenfalls elf Versuche.
Im Bereich des Totschlages sind insgesamt 49 Taten registriert, wovon 14 Delikte vollendet und 35 versucht worden sind. Darüber hinaus kam es in 26 Fällen zu einer fahrlässigen Tötung.

Sonstige Straftatbestände des StGB
Zu den sonstigen Straftatbeständen gehören beispielsweise Sachbeschädigungen, Beleidigungen, Hausfriedensbrüche oder Widerstandsdelikte. Diese machen mit insgesamt 39.990 Taten rund ein Fünftel (20,6 Prozent) des Gesamtstraftatenaufkommens aus.

Verstöße gegen strafrechtliche Nebengesetze

In den Bereich der strafrechtlichen Nebengesetzte gehören beispielsweise Straftaten nach umweltrechtlichen Bestimmungen oder auch nach dem Betäubungsmittelgesetz. Diesem Bereich sind 6,4 Prozent des Gesamtaufkommens zuordnen, im Vorjahr betrug der Anteil 5,6 Prozent. Die Steigerung ist insbesondere auf den Anstieg der Rauschgiftdelikte zurückzuführen.

Print Friendly

Kommentar schreiben