In Halle ist kein Platz für Demagogen

27. Januar 2013 | Vermischtes | 2 Kommentare

Juden, Christen, Behinderte, Künstler, Sinti, Roma… wer nicht mitlief oder anders war, der musste unter den Nationalsozialisten um sein Leben fürchten. Am Sonntagvormittag wurde in der Gedenkstätte Roter Ochse in Halle (Saale) an die Opfer der Nationalsozialistischen Herrschaft erinnert. Anlass war der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee.

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand erinnerte in seiner Rede auch an die sechs ermordeten Stadtverordneten aus Halle. Am 30. Januar 1933 hatte es im halleschen Stadtparlament heftige Wortgefechte zwischen NSDAP und anderen politischen Gruppierungen gegeben. Sie endeten in Auseinandersetzungen auf dem Hallmarkt, bei dem auch mehrere Personen verletzt wurden. Am Tag darauf fand dann die Machtübertragung statt. „Es war keine Machtübernahme. Es war eine Übertragung. Fast alle haben dazu beigetragen“, so Wiegand. Und alle die, die es gewagt hatten mit Gegendemonstrationen den Beginn der Nationalsozialistischen Herrschaft zu verhindern, waren Verfolgungen ausgesetzt. Einer von ihnen war der Stadtverordnete Franz-Otto Peters, der bereits 1933 an den Folgen der Folter im Gefängnis verstarb.

Es gehe aber an diesem Tag nicht nur um Erinnerung, so Wiegand. Vielmehr gelte es auch vorauszuschauen, um derartige Vorkommnisse zu verhindern. Wahlen allein würden dazu nicht ausreichen. „Wir müssen selber aktiv werden.“ Man dürfe keinen Frust aufkommen lassen und Lösungen für die Politikverdrossenheit finden. „In Halle ist kein Platz für Demagogen.“

An der Gedenkveranstaltung nahmen verschiedene Vertreter der politischen Parteien teil, darunter Bodo Meerheim (Linke), Bernhard Bönisch (CDU) und Sebastian Kranich (Grüne). Auch die Halloren, Bauunternehmerin Angela Papenburg, Stadtwerke-Chef Matthias Krause, der Bund der Antifaschisten und die Halloren waren dabei. Außerdem waren gut 30 Vertreter der Sängerschaft Fridericiana Halle anwesend. Vor Jahren standen sie in der Kritik, weil rechtsextreme Vorträge anderer Burschenschaften in ihrem Haus am Jägerplatz stattgefunden haben sollen. In ihrer Rede am Gedenktag positionierten sie sich gegen solche Bestrebungen und gedachten der „Opfer des Terrorregimes der Nationalsozialisten.“

Allein im Roten Ochsen fanden 549 Hinrichtungen im Dritten Reich statt. Am 23. November 1942 um 18:30 Uhr ließ die nationalsozialistische Justiz zum ersten Mal im “Roten Ochsen” ein Todesurteil vollstrecken. Gefangene des Zuchthauses hatten die Richtstätte bauen müssen; Inhaftierte der Strafanstalt Tegel stellten die Guillotine her. Die Mehrzahl der in Halle Getöteten verurteilte das NS-Regime aus politischen Gründen. Viele fanden jedoch deswegen unter dem Fallbeil den Tod, weil sie flüchtigen Kriegsgefangenen geholfen oder ein paar Lebensmittel gestohlen hatten. Wenige Tage vor Kriegsende, am 10. April 1945, ging der Scharfrichter in Halle zum letzten Mal seiner Tätigkeit nach.

Print Friendly, PDF & Email
2 Kommentare

Kommentar schreiben