Gegen prekäre Arbeitsverhältnisse: Honorar-Lehrer protestieren an der Uni Halle

6. November 2014 | Vermischtes | Keine Kommentare

„Freude schöner Götterfunken“ schallte am Donnerstagvormittag über den halleschen Uniplatz. Doch der Text hatte es in sich. „Sicherheit sucht man vergebens, Lehraufträge sind prekär, doch wir müssen davon leben, also gebt uns endlich mehr“, erklang es zur Beethoven-Melodie. Damit protestierten sie für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung.
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„Lehrbeauftragte arbeiten meist unter prekären Bedingungen und steuern – wenn nichts geschieht – sicher auf die Altersarmut zu. Wir wollen diese Zustände nicht länger hinnehmen!“, erklärt Anne Voß, ver.di-Fachbereichsleiterin. Deshalb wird am Donnerstagvormittag vor dem Löwengebäude am Uniplatz protestiert.
Denn die Honorarkräfte gelten nicht als Beschäftigte, arbeiten freiberuflich und beziehen dabei oft den Hauptteil ihrer Einkünfte aus diesen Lehraufträgen. Die Verträge können jederzeit ohne Einhaltung von Kündigungsfristen einseitig gekündigt werden, die Honorare werden einzelvertraglich ausgehandelt.
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Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall seien für sie ebenso unrealistisch wie bezahlter Urlaub, Mutterschutz oder Absicherung bei Arbeits- und Wegeunfällen, kritisiert ver.di. Auch müssten sie für ihre Renten- und Krankenversicherung selbst sorgen, verdienen trotz vergleichbarer Berufsabschlüsse und vergleichbarer Arbeit nur einen Bruchteil dessen, was ihre fest angestellten Berufskollegen erhalten. Eine gesicherte Lebensplanung sei dadurch oft nicht möglich, es drohe zudem eine Altersarmut.

„Lehrbeauftragte haben Anspruch auf 20 Tage Urlaub im Jahr, wenn sie ihre Einkünfte überwiegend von einem Auftraggeber beziehen. Das trifft heute für die meisten der Lehrbeauftragten zu. Das wird jedoch von den Auftraggebern ignoriert“, so Voß weiter.

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Was früher Arbeit von gut bezahlten Professoren war, werde heute in weiten Teilen von Lehrbeauftragten erledigt, die in den allermeisten Fällen kein zweites berufliches Standbein hätten. Universitäten würden massenhaft Lehrbeauftragte einsetzen, um ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. In Sprachschulen, Volkshochschulen und bei anderen Auftraggebern sei dies laut ver.di ohnehin der Fall. Oft halte man sich aber nicht an die Gesetze, die wenigstens eine minimale soziale Absicherung von Lehrbeauftragten im Hauptberuf vorsehen. Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und gleiche Ausbildung müsse gelten.

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