Abderhalden: Historiker verteidigt Umbenennungs-Pläne

17. Dezember 2013 | Vermischtes | 1 Kommentar

Der Historiker Frank Hirschinger, der kürzlich wegen der Sparpläne aus der CDU austrat, hat die Pläne zur Umbenennung der Emil-Abderhalden-Straße verteidigt. Hirschinger hatte sich im Rahmen seiner Arbeit umfassend dem ehemaligen Leopoldina-Präsident gewidmet.

„Obwohl während der NS-Herrschaft 1940/41 70000 Anstaltsinsassen vergast und bis 1945 über 300000 Menschen zwangssterilisiert wurden, distanzierte sich Abderhalden nie von eugenischem Gedankengut“, so Hirschinger. „Am 2.3.1942 schrieb Abderhalden dem Kurator der Universität: ‚Es ging mir vor kurzem das beiliegende Rundschreiben des Bundes der Schweizer in Grossdeutschland zu. Es enthaelt einen Aufsatz, der sich mit mir beschäftigt. Ich bitte, diesen meinen Personalakten beizufuegen. Es besteht immerhin die Moeglichkeit, dass eine spaetere Zeit mich gerechter in meinem Wirken in Deutschland beurteilen wird, als das jetzt der Fall ist. Heil Hitler Emil Abderhalden'“, erklärt der Historiker weiter. In dem beigefügten Rundschreiben zitiere der „Bund der Schweizer in Großdeutschland“, eine Vereinigung von kollaborierenden NS-Sympathisanten, unter anderem aus Abderhaldens 1921 erschienener Schrift „Das Recht auf Gesundheit“. Dort schreibe Abderhalden laut Hirschinger: „Solange der Staat ungeheure Summen ausgeben muß, um lebensuntüchtige Individuen mühsam am Leben zu erhalten, solange er Millionen für geistig Minderwertige auswerfen, gewaltige Kranken- und vor allem auch Irrenhäuser unterhalten muß, bleibt für die körperlich und geistig Gesunden immer nur ein Bruchteil jener Summen übrig, die zur Verfügung ständen, müßte nicht eine so gewaltig große Zahl von Opfern mangelhafter Fürsorge für die Gesunderhaltung verpflegt werden. (…) Es ist noch nie mit der Volksgesundheit so gewütet worden wie zur Zeit. Schlagworte bestimmen vielfach die Tagespolitik. Es fehlt an Führern, die über Augenblickserfolge hinaus bereit sind, das gesamte Volk einer glücklicheren Zukunft entgegenzuführen.“

Der“Bund fügte dazu an: „Wenn schweizerische Landsleute sagen, nationalsozialistische Gedanken seien uns Schweizern „fremd“, dann dürfen wir ruhig darauf hinweisen, daß ausgerechnet ein schweizerischer Wissenschaftler vor Jahren und Jahrzehnten Gedanken vertreten hat, die man heute als „nationalsozialistisch“ zu bezeichnen pflegt.“ Für Hirschinger steht deshalb eine Umbenennung außer Frage.

Eine Reihe von Professoren wie der Biochemiker Peter Bohley, der ehemalige Kunsthochschul-Rektor Ludwig Ehrler, der Anatom Bernd Fischer, der Rechtsmediziner Manfred Kleiber, der Geologe Max Schwab, der Physiker Ulrich Messerschmidt sowie zahlreiche Unterstützer des Zeitgeschichte(n)-Vereins wie der Bundestagsabgeordnete Christoph Bergner, die Ärzte Jochen Gießler und Jens Engelhardt sowie Stefan Wagner, Vorsitzender des Kulturbundes Sachsen-Anhalt, hatten sich dagegen in einem Schreiben gegen eine Umbenennung stark gemacht. Das Schreiben können Sie hier

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