Planungsausschuss stimmt Abriss des Künstlerhauses zu

8. Oktober 2013 | Umwelt + Verkehr | 5 Kommentare

Das Künstlerhaus 188 in Halle (Saale) steht im Weg – einem Straßenbauvorhaben der Stadtverwaltung. Im Jahr 2015 soll der Böllberger Weg nämlich ausgebaut werden und einen eigenen Gleiskörper für die Straßenbahn bekommen. Dadurch muss die gesamte Straße verbreitert werden, das Künstlerhaus in der ehemaligen Weingärtenschule soll dafür abgerissen werden

Am Dienstag hat der Planungsausschuss mit großer Mehrheit dem Abriss des Künstlerhauses zugestimmt. Gegen den Abriss stimmten lediglich Manfred Sommer (MitBürger) und Christoph Menn (Grüne), Olaf Sieber (Linke) enthielt sich. Dagegen votierten Hanna Haupt (SPD), Thomas Felke (SPD), Michael Sprung (CDU), Frank Sänger (CDU), Lothar Dieringer (CDU) und Gerry Kley (FDP) für den Abriss.

Jens Otto von der Stadtverwaltung hatte noch einmal für die Vorzugsvariante mit der Beseitigung des Künstlerhauses geworben. Derzeit sei in diesem Bereich der Gleisabstand zu gering, Straßenbahnen dürften sich nicht begegnen. Daneben gebe es keine Radwegeanlagen, Autos behindern die Straßenbahn, auch an Grün mangele es. Im Bereich des jetzigen Künstlerhauses soll die Straßenbahn künftig auf Rasengleis geführt werden. Nur für diese Variante gebe es Fördermittel. Erhalte man das Künstlerhaus, stehe weniger Straßenraum bereit. Dann sei die störungsfreie Fahrt der Straßenbahn nicht mehr gegeben, und es fließen keine Fördermittel, argumentierte Otto.

Olaf Sieber erklärte in der Diskussion, wäre das Gebäude privat, könnte es auch nicht einfach so abgerissen werden. „Wir reißen ja nicht gern Denkmäler ab“, meine Stadtplaner Lars Loebner. Es gehe darum, für Radfahrer, Fußgänger, Autos und ÖPNV eine leistungsfähige Variante zu bieten.

Verwundert zeigte sich Manfred Sommer (MitBürger), vor allem darüber, dass das Künstlerhaus plötzlich im Stadtmuseum Platz finden soll. Lange habe die Verwaltung erklärt, wie dringend erforderlich eine Erweiterungdes Museums sei, „und plötzlich und völlig unerwartet und überraschend passt da das Künstlerhaus mit rein“, sagte er. Die Stadt habe eine Verantwortung und könne nicht leichtfertig mit einem Denkmal wegen der Finanzierung eines Straßenbauvorhabens umgehen. „Denn technisch kann ich mit der Straßenbahn auch im Mischverkehr fahren.“ Es gehe ja außerdem nur um 80 bis 100 Meter, „danach kann in Mittellage gebaut werden.“ Es sei für ihn nicht vertretbar, das Künstlerhaus über die Klinge springen zu lassen. Daneben gebe es ja noch gar keine Genehmigung für den Abriss durch die Denkmalbehörde, und auch eine Finanzierungszusage für den Abriss gebe es noch nicht.

„Bauchschmerzen“ äußerte auch Christoph Menn. Schließlich versuche die Stadt auch, private Denkmalsbesitzer zu einer Sanierung zu bewegen. „Die Stadt hat Vorbildcharakter.“ Olaf Sieber brachte eine Pförtnerampel ins Gespräch, um der Straßenbahn an der Engstelle eine störungsfreie Fahrt zu gewährleisten. Auch das sei nicht möglich, meinte Verkehrsplaner Jens Otto, es gebe keine Finanzierung dafür.

Starten sollen die 4,4 Millionen Euro teuren Arbeiten in zwei Jahren. Für das Künstlerhaus war einst eine Art Arkadenvariante vorgesehen. Das aber erwies sich als nicht realisierbar. Wegen der nötigen Breite von Straße und Gleisen – die Straßenbahn soll ein eigenes Gleisbett bekommen – steht das Gebäude im Weg. Eine weitere Engstelle ist das Obdachlosenheim, hier sind Anpassungen an den Kellerfenstern nötig. Die Haltestelle „Ludwigstraße“ soll als behindertengerechte Mittelinsel konzipiert werden. Hier soll außerdem eine Fußgängerampel aufgestellt werden. Die Kreuzung in Richtung Ludwigstraße und Weingärten erhält den Plänen zufolge gesonderte Linksabbiegespuren. An der Kreuzung zur Torstraße wird es eine Linksabbiegespur aus Richtung Norden kommend geben, eine Ampel soll aufgestellt werden. Durch den umfangreichen Ausbau der Kreuzung muss auch in den Grünbereich vor der Kita Weingärten eingegriffen werden, hier soll eine neue Stützmauer errichtet werden.

Gegner des Abrisses haben eine Petition zum Erhalt des Künstlerhauses gestartet. Hier können Sie mit abstimmen.

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