Wohnungsmarkt: Hallenser haben im Landesvergleich am wenigsten Wohnraum

17. Juli 2017 | Soziales | 3 Kommentare

Für 29 614 Wohnungen in 21 049 neuzubauenden Wohngebäuden wurden seit 2006 Baugenehmigungen in Sachsen-Anhalt erteilt. Der Gesamtumsatz je tätige Person im Bauhauptgewerbe stieg im Landesdurchschnitt um 20 Prozent im selben Zeitraum. Diese und andere Zahlen zum Baugeschehen sowie der Wohnsituation teilten heute der Minister für Landesentwicklung und Verkehr Herr Thomas Webel und der Präsident des Statistischen Landesamtes Herr Michael Reichelt im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit.

Überwiegend Einfamilienhäuser

Von diesen 29 614 Baugenehmigungen wurden 65,6 Prozent (15 404) für Einfamilienhäuser erteilt. Weitere 30 Prozent der Wohnungen wurden in 989 (4,7 %) Mehrfamilienhäusern (3 und mehr Wohnungen) einschl. Wohnheimen genehmigt. Seit 2014 stiegen die Baugenehmigungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern auf zuletzt 1 450 Wohnungen kontinuierlich an. Den größten Zuwachs gab es mit 80 Prozent von 2013 (574) zu 2014 (1 048). Die Wirtschaftskrise der Jahre 2008/09 hatte auf die Baugenehmigungen kaum Einfluss. Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen lag zwischen 2007 (2 074 Wohnungen) und 2010 (2 028 Wohnungen) nur im Jahr 2008 (2 202 Wohnungen) deutlich über 2 000, sie blieben also nahezu konstant.

Nach einem Rückgang seit 2001 (6 131) stieg seit 2010 (1 823) auch die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in neugebauten Wohngebäuden kontinuierlich an (2016: 3 054). Trotz der steigenden Zahl an Baugenehmigungen und -fertigstellungen sank der gesamte Wohnungsbestand von 2006 bis 2016 insgesamt um 28 163 Wohnungen (- 2,14 %), da in diesem Zeitraum den 26 572 fertiggestellten Wohnungen ein Abgang von 46 658 Wohnungen gegenüberstand. Mit 13 399 Wohnungen fand der Rückbau von Wohnungen 2013 seinen Höhepunkt. 2016 wurden 3 054 Wohnungen fertiggestellt, der Abgang betrug 3 406 Wohnungen.

Tendenz: Wohnungen werden größer

Trotz des Rückgangs des Gesamtwohnungsbestandes stehen der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt mehr Wohnungen und eine größere Wohnfläche als vor 20 Jahren zur Verfügung. 1995 gab es 447 Wohnungen je 1 000 Einwohner, 2016 waren es 5731 (+ 28 %). Als Wohnfläche standen jedem Einwohner 1995 im Landesdurchschnitt 32,7 m² pro Person zur Verfügung. Über die meiste Wohnfläche verfügten damals die Einwohner des Altmarkkreises Salzwedel mit durchschnittlich 35,2 m² pro Person und den geringsten Platz hatten die Einwohner des Saalekreises mit 31,5 m² pro Person.

Im Landesdurchschnitt nahm die Wohnfläche bis 2016 um 13,3 m² pro Person auf 46,0 m² pro Person zu. Aktuell haben die Einwohner des Landkreises Jerichower Land mit 49,0 m² pro Person im Durchschnitt die größte und die Einwohner der kreisfreien Stadt Halle (Saale) mit 41,4 m² pro Person die kleinste Wohnfläche. Die Wohnfläche der Wohnungen steht im Zusammenhang zu den Besitzverhältnissen der Wohnungen. Die Zusatzerhebung zur Wohnsituation des Mikrozensuses2 2014 ergab, dass von 190 000 Wohnungen im Jahr 2014 in Sachsen-Anhalt mit einer Wohnfläche von 120 m² und mehr 175 000 Eigentümerwohnungen (92 %) waren. Den höchsten Anteil hatten Mietwohnungen an den Größenklassen 40 – 60 m² (257 000 Mietwohnungen; 94 %) und 60 – 80 m² (212 000; 78 %). Ab der Wohnungsgröße 80 – 100 m² überwogen die Eigentümerwohnungen (93 000; 70 000 Mietwohnungen).

Arbeitsmarkt Baugewerbe

Im Wirtschaftszweig Bau von Gebäuden waren 2016 in 767 Betrieben 7 561 Personen tätig. Das waren 28 Prozent aller Betriebe (2 763) und 26 Prozent aller tätigen Personen (29 167) des Bauhauptgewerbes. 2008 lag der Anteil noch bei 34 Prozent bei den Betrieben und bei 26 Prozent aller tätigen Personen. D. h., die Bedeutung für die Gesamtbranche ging zurück. Das Bauhauptgewerbe insgesamt ist seit seiner Hochphase Mitte der 1990er (Maximum an tätigen Personen 1995 mit 99 680) um 70 513 tätige Personen (- 71 %) und 491 Betriebe (- 15 %) zurückgegangen. Die Betriebe im Bauhauptgewerbe sind in diesem Zeitraum auch deutlich kleiner geworden. 1995 waren 77 834 Personen in 1 263 Betrieben des Bauhauptgewerbes mit 20 oder mehr tätigen Personen beschäftigt (78 % aller tätigen Personen). 2016 waren es 52 % aller Personen im Bauhauptgewerbe (15 190) in den 316 Betrieben mit 20 und mehr tätigen Personen. Unabhängig von der Betriebsgröße konnten die Betriebe in allen Landkreisen und kreisfreien Städten den Gesamtumsatz je tätige Person seit 2006 im Landesdurchschnitt um 20 % (+ 18 832 € auf 112 330 €) steigern. 2016 betrug der Gesamtumsatz des Bauhauptgewerbes 3 276 333 Tsd. €. Mit 281 waren die meisten Betriebe im Landkreis Harz beheimatet, die meisten tätigen Personen hatten mit 2 969 allerdings die 259 Betriebe im Saalekreis. Den höchsten Umsatz je tätige Person erzielten die Betriebe in der kreisfreien Stadt Halle (Saale) mit 147 054 €. Am anderen Ende der Skala befanden sich 2016 die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau, mit 101 sowohl das Minimum bei den Betrieben als auch mit 1 095 Personen bei den tätigen Personen, und der Landkreis Mansfeld-Südharz mit einem Gesamtumsatz von 72 384 € je tätige Person.

Die Entwicklung des Ausbaugewerbes verlief seit Mitte der 1990er ähnlich der des Bauhauptgewerbe. Die Anzahl der Betriebe3 ging seit 1997 (663) um 61 Prozent auf den Tiefststand 2007 (201) zurück, um sich seit 2011 bei über 250 Betrieben zu stabilisieren. Die Anzahl der tätigen Personen ging von 25 877 im Jahr 1997 über 8 147 im Jahr 2007(- 69 %) auf 10 721 Personen 2016 (Veränderung zu 1997: – 59 %, zu 2007: + 32 %) zurück. Das Ausbaugewerbe konnte seinen Gesamtumsatz in den letzten 10 Jahren um 2/3 (490 506 Tsd. €) auf 1 237 782 Tsd. € steigern. Mit 168 615 € Gesamtumsatz je tätige Person lagen die Betriebe des Landkreises Wittenberg im Kreisvergleich sogar über dem höchsten Umsatz je tätige Person des Bauhauptgewerbes.

Der Anteil des Baugewerbes an der Bruttowertschöpfung des Landes Sachsen-Anhalts lag 2016 bei 6,9 Prozent und war gegenüber 2015 um 4,6 Prozent gestiegen.

(Quelle: StaLA LSA)

1Berechnet mit dem Bevölkerungsstand vom 31.12.2015
2Hochgerechnete 1 %ige Stichprobenerhebung bei der Bevölkerung
3Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen

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