Telefonseelsorge Halle braucht Mitstreiter

29. Oktober 2012 | Soziales | Keine Kommentare

Sie geben Menschen in seelischer Not Hilfestellung am Telefon, die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Telefonseelsorge. Allein im letzten Jahr klingelte es bei der rund um die Uhr besetzten Einrichtung 20.000 Mal. „Leider sind auch einige Scherzanrufe darunter“, beklagt Pfarrerin Dorothee Herfurth-Rogge. Oft trauen sich Anrufer dann plötzlich auch doch nicht mehr, mit jemandem über ihre Probleme zu reden. Doch 9.800 lange Gespräche haben sich im letzten Jahr trotz alledem entwickelt, 9.800 Mal Trost und Hilfe.

In diesem Jahr nun feiert die hallesche Telefonseelsorge ihren 20. Geburtstag. Zeit für den Verein, einmal zurückzublicken auf die Arbeit der vergangenen Jahre. 250.000 Mal suchten Menschen in dieser Zeit Hilfe. Besonders freut die leitende Pfarrerin Dorothee Herfurth-Rogge, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter lange die Treue halten. „Wir haben 6 Mitarbeiter, die von Anfang an dabei sind“, so Dorothee Herfurth-Rogge. Die fünf Frauen und ein Mann seien zwischen 60 und 80 Jahren alt. Überhaupt sind es vor allem Frauen, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Zwei Drittel der ehrenamtlichen Helfer seien weiblich. Jedes Jahr bildet die Telefonseelsorge neue Helfer aus. „Es gibt dafür ein sorgfältiges Auswahlverfahren“, so Dorothee Herfurth-Rogge.

Elf Männer und Frauen befinden sich derzeit in einem neuen Ausbildungskurs. Ein Jahr lang werden sie geschult. Doch es werden dringend weitere Freiwillige gesucht. Möglicherweise ist dann im kommenden Jahr auch Noch-Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados mit dabei. Das scheidende Stadtoberhaupt ist selbst Mitglied im Telefonseelsorge-Verein und will sich – wie zu erfahren war – im Ruhestand ebenfalls mit als Helferin am Telefon einbringen.

Thea Ilse, Vorstandsvorsitzende des Trägervereins, hat einmal die ehrenamtlich geleisteten Stunden zusammengerechnet. 175.320 Stunden sind es. In all den Jahren wurde dabei das Angebot immer mehr ausgeweitet. Los ging es 1992 von Freitagnachmittag bis Montag früh, damals mit 25 Helfern. 1996 erfolgte schließlich die Ausdehnung auf Anrufmöglichkeiten rund um die Uhr. 80 ehrenamtliche Menschen sowie zwei hauptberuflich Beschäftigte sitzen inzwischen abwechselnd am Beratungstelefon. Die Helfer am Telefon sind dabei nicht etwa bei sich zu Hause, sondern sitzen tatsächlich in Vier-Stunden-Schichten in einem Büro der Telefonseelsorge. „Denn wir sind ein anonymes und geschütztes Angebot“, so Dorothee Herfurth-Rogge. Außerdem sei man so besser bei der Sache. Die größten Sorgen der Anrufer, die neben Halle auch aus dem Burgenlandkreis, Mansfeld-Südharz und dem Saalekreis kommen, sind die Suche nach Sinn und Orientierung im Leben sowie psychische Erkrankungen. Vor allem zwischen 16 und 8 Uhr, dann wenn die Arztpraxen geschlossen sind, klingelt es häufig. „Die Anrufer haben häufig keine Familie, die Tagesstruktur ist vorbei und die Nächte sind lang.“ Die meisten Anrufer hätten dabei das Bedürfnis, mit jemandem zu sprechen. Es gehe nicht vorrangig um die Vermittlung von Hilfsangeboten. Zunehmend werde auch Einsamkeit, sogar in Beziehungen, zum Problem.

Finanziert wird die Telefonseelsorge zusammen von Stadt, Land, katholischer und evangelischer Kirche. Ein Viertel der Gelder kommt jedoch durch Spenden und Kollekten in Kirchen zusammen. Hilfreich ist zudem die Aktion „Schenken Sie uns eine Stunde Zeit“, die allein im letzten Jahr 6.000 Euro gebracht hat. Mitglied einer Kirche muss man aber nicht sein, um am Telefon helfen zu können. 40 Prozent aller Ehrenamtlichen sind konfessionslos. „Wir erwarten aber, dass die Helfer religiösen Themen gegenüber aufgeschlossen sind“, so Dorothee Herfurth-Rogge. Denn möglicherweise gehört ja einer der Anrufer einer Kirche an.

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