Freistil-Jugendwettbewerb: Auszeichnung für Projekte aus Halle

9. Mai 2014 | Soziales | Keine Kommentare

Jugendliche hängen nur vorm Computer und tun nichts? Ein Klischee, das nicht stimmt. Das junge Menschen was drauf haben und etwas bewegen können, das beweist der freistil-Jugendengagementwettbewerb.
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Am Freitagabend wurde der Preis im Puschkinhaus in Halle (Saale) zum mittlerweile 11. Mal verliehen. In fünf verschiedenen Kategorien wurden insgesamt neun Projekte junger Menschen aus dem gesamten Bundesland ausgezeichnet. Die jungen Projektemacherinnen und Projektemacher konnten sich über Preisgelder im Gesamtwert von 5.300 Euro freuen. Und die Jury hatte einiges zu tun. Immerhin gingen 47 Bewerbungen in den Bereichen Kultur, Soziales, Umwelt, Sport, Schulprojekte sowie Gesellschaft und politisches Leben ein. Mitgemacht haben 41 Gruppen und 6 Einzelpersonen aus Sachsen-Anhalt, die sich für andere engagieren und im Alter von 14 bis 27 Jahren sind. Insgesamt beteiligten sich damit fast 700 Jugendliche.

Unter den Preisträgern sind mit dem “Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten / Wir sind Zukunft”, den Queerulanten und dem Projekt “Seelenstein” gleich drei Initiativen von Jugendlichen aus Halle. Den Preis an das Uni-Aktionsbündnis überreichte Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand.
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Im Rahmen der Preisverleihung brachte auch der Schirmherr des Wettbewerbs, Minister Norbert Bischoff, seinen Dank und Anerkennung für das Engagement der Jugendlichen zum Ausdruck: „Der heutige Abend zeigt, wie vielfältig jugendliches Engagement in unserem Land ist. Dabei wird deutlich, dass sich junge Menschen aktiv für ihr Umfeld einsetzen – ob als ehrenamtlicher Musiklehrer, im Umweltbereich oder auch in der Organisation von Kinderklinikkonzerten. Ich freue mich, dass es mit dem freistil-Jugendengagementwettbewerb die Möglichkeit gibt jungen Engagierten Anerkennung und Dank auszusprechen und die Projekte ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Engagement ist wichtig für unsere Gesellschaft und die ausgezeichneten Projekte sind gute Beispiele und sicherlich auch Vorbilder für andere junge Menschen“. Bischoff sagte: „Ich rechne jungen Menschen hoch an, dass sie neben Schule, Ausbildung und Studium ehrenamtlich tätig sind. Wer selbst für eine Sache brennt, vermag es auch, andere zu begeistern. So übernimmt Jugend Verantwortung. Das ist richtig und wichtig.”

Preise in der Kategorie Gesellschaft und politisches Leben

  • Eines der ausgezeichneten Projekte ist das „Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten / Wir sind Zukunft!“ mit 20 Mitgliedern zwischen 18 und 27 Jahren aus Halle (Saale). Gegen die massiven Kürzungspläne der Landesregierung, insbesondere in Bezug auf den Hochschulsektor, formierte sich im Oktober 2012 ein Aktionsbündnis. Die darin engagierten Studierenden setzen sich für den Erhalt der aktuellen Hochschul- und Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt ein und organisierten aufgrund der besonderen Lage 2013 zahlreiche Großveranstaltungen, die ein enormes Echo in der breiten Öffentlichkeit hervorriefen, wie etwa die größte Demonstration nach der Wende 1989 in Halle. Die Arbeit des studentischen Aktionsbündnisses kann bereits handfeste Ergebnisse für sich verbuchen, denn so konnten die Kürzungen essentiell gemildert werden. Das Engagement einer relativ kleinen Gruppe fand daher direkten Einfluss in die aktuelle Landespolitik. Geplant ist die Fortführung im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen in diesem Jahr. Das „Aktionsbündnis MLU“ wurde für sein Engagement mit dem Preis in der Kategorie „Gesellschaft und politisches Leben“ ausgezeichnet. Der Preis ist mit 700 Euro dotiert und wurde von Dr. Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale), überreicht.
  • Einen Raum der Vielfalt und der freien Entfaltung aber auch der Geborgenheit für Homo-, Bi-, Trans, Hetero-, Intersexuelle und queere Jugendliche bietet die 2012 gegründete Jugendgruppe „Queerulanten“ in Halle. Dabei steht der peer-to-peer Ansatz im Vordergrund, bei dem Jugendliche füreinander da sind und die Gruppe eigenständig entscheidet, welche Aktionen sie gemeinsam planen. Mit ihrem Engagement auf gesellschaftspolitischer und sozialer Ebene wollen sie bestehenden Vorurteilen und Diskriminierung entschieden entgegenwirken. Dazu gehören politische Aktionen wie die Teilnahme am CSD, IDAHOT und Demos genauso wie eigene Film- und Themenabende sowie der Dreh eines Kurzfilms. Für die Zukunft plant die Gruppe einen internationalen Jugendaustausch sowie eine eigene Projekthomepage. Dieses Engagement wurde von der Jury in der Kategorie Gesellschaft und politisches Leben mit 700 Euro ausgezeichnet. Der Preis wurde von Elke Prinz übergeben, Sprecherin des Lesben- und Schwulenpolitischen Runden Tisches Sachsen-Anhalt.
  • Im Bereich Gesellschaft und politisches Leben wurde das Projekt „Afrikanische Metropolen“ aus Magdeburg ausgezeichnet. Der jugendliche Projektemacher aus Mali engagiert sich seit Februar für die Überwindung von Stereotypen und Unwissenheit insbesondere unter Kindern und Jugendlichen in Magdeburg in Bezug auf das moderne Afrika. Dabei lenkt er das Augenmerk weg von den Bildern, die vor allem durch die Medien geprägt werden und die hauptsächlich von Krieg, Hunger, Armut und Gewalt geprägt sind. Die spannenden und unbekannten Seiten pulsierender afrikanischer Metropolen mit ihrer Musik, ihren innovativen Seiten und ihrer vielfältigen Kultur werden in seinen Workshops vermittelt. Dazu nahm er Kontakt zu zwei Jugendclubs in Magdeburg auf und führte dort sowie an einigen Schulen Workshops durch. Er wünscht sich mehr Empathie für Zugewanderte und ihre Lebensumstände, damit diese sich besser integrieren können. Das Engagement des jungen Maliers wurde von der Jury mit 400 Euro ausgezeichnet. Den Preis überreichte Dr. Karamba Diaby, Mitglied des Deutschen Bundestages.
  • Preis in der Kategorie Umwelt

  • Das Projekt „Schaffung eines Standes zur Beobachtung der Honigbiene“ zählte am Freitagabend ebenfalls zu den Gewinner/innen. Die zwei 19- und 20-Jahre alten Projektemacher wurde für ihr Engagement im Bereich Umwelt ausgezeichnet. Der Preis ist mit 700 Euro dotiert und wurde von Johannes Zerger, Geschäftsführer der Stiftung Demokratische Jugend, übergeben. Die zwei engagierten Freiwilligen setzen sich im Rahmen ihres Freiwilligen Ökologischen Jahres in Loburg/Möckern für den Erhalt, die Pflege und die Bewirtschaftung der Honigbiene ein. An den biologischen Rhythmus des nützlichen Insektes angepasst, begannen sie ihr Projekt im Frühjahr und planen, es im Juli zu beenden. Einer der beiden Jugendlichen ist bereits ausgebildeter Imker und verfügt somit über ein vertieftes und umfangreiches Fachwissen zum Thema. Im Rahmen dieses Projektes wurden speziell zwei Bienenvölker angesiedelt, für diese Weidepflanzen eingesät sowie Informationstafeln aufgestellt und Broschüren erarbeitet. Im weiteren Verlauf des Jahres wollen die beiden FÖJler Führungen durchführen, um das ökologische Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen und diese für die Honigbiene und deren wichtige Aufgaben im Ökosystem zu sensibilisieren. Das Projekt wird von der Stiftung Umwelt-, Natur und Klimaschutz Sachsen-Anhalt gefördert. Es ist jedoch geplant, durch die Honiggewinnung und den Verkauf des Honigs das Projekt langfristig zu etablieren.
  • Preise in der Kategorie Soziales

  • „Kinderklinikkonzerte“ bringen Abwechslung in den Alltag von Kindern, die teilweise sehr lange Zeit im Krankenhaus verbringen müssen. Dabei geht es vor allem darum, den Kleinen ein paar Momente der Freude, des Glücks und der Ablenkung zu schenken. So organisierten zwei junge Engagierte in Magdeburg im November letzten Jahres ein Kinderklinikkonzert im Klinikum Olvenstedt. Für die jungen Patientinnen und Patienten, die nicht aufstehen dürfen, singen die Bands sogar exklusiv am Krankenbett. Zudem wurden als Andenken an diesen Tag Geschenktüten an alle Kinder verteilt, die Dank verschiedener Sponsoren mit vielen kleinen Überraschungen gefüllt werden konnten. Das Highlight für die Kinder war das Konzert im Klinikum mit der Band “3Berlin” und vielen fleißigen Unterstützerinnen und Unterstützern. Aktuell organisieren die jungen Preisträgerinnen eine ganze Kinderkliniktour. Sie übernehmen dabei umfassend die Koordination aller anfallenden Aufgaben, die Kommunikation mit Künstlern, Sponsoren, Kliniken, Förderern sowie die Projektabrechnung. Dieses Engagement würdigte die Jury in der Kategorie Soziales mit einem Preis über 700 Euro. Der Preis wurde von Maren Sieb, Geschäftsführerin der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, überreicht.
  • Seit 2008 gibt es in Halle das Projekt „Seelensteine“, in dessen Rahmen Kindern psychisch erkrankter Eltern eine feste Bezugsperson außerhalb der Familie und somit eine persönliche Bindung angeboten wird. Im Jahr 2012/13 war das ausgezeichnete Projekt bereits Preisträger bei „startsocial“. Im Mittelpunkt der Arbeit der „Seelenpaten“ steht das Engagement Ehrenamtlicher, die an Familien vermittelt werden und die Kinder durch wöchentliche Treffen in ihrem Alltag unterstützen. Zudem bringen die Patinnen und Paten Ideen für Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising und die Weiterführung des Projektes ein. Auch die Vermittlung der Patinnen und Paten geschieht ehrenamtlich. Momentan existieren 20 Patenschaften, die für die Kinder einen wichtigen Rückhalt in einer schwierigen Lebenssituation darstellen und somit deren seelische Gesundheit gewährleisten sollen. Die 17 Mitglieder im Alter von 18 bis 27 Jahre erhielten den Preis über 700 Euro in der Kategorie Soziales. Minister Norbert Bischoff, Schirmherr des Jugendengagementwettbewerbes überreichte den Preis an die jungen Seelenpaten.
  • 180 Jugendliche aus der Ganztagssekundarschule „Freiherr Spiegel“ aus Halberstadt haben im Jahr 2010 ein UNESCO-Weihnachtsprojekt ins Leben gerufen, das sie seitdem jährlich durchführen. In dessen Rahmen gehen die Schülerinnen und Schüler unter Mitarbeit öffentlicher und sozialer Einrichtungen in der Vorweihnachtszeit auf sozial benachteiligte Menschen zu, etwa in Seniorenheimen, Krankenhäusern, einer Wärmestube, der zentralen Anlaufstelle für Asylbewerberinnen und -bewerber oder auch in einer Kindertagesstätte. Dort verteilen sie kleine Geschenke oder präsentieren ein Programm mit Liedern und Märchen. Die Jugendlichen möchten so auf soziale Ungleichheiten in unserer Gesellschaft hinweisen und gewinnen dabei einen sehr guten Zugang zu sozialem Engagement. Durch die positive Rückmeldung der Menschen, denen geholfen oder denen Aufmerksamkeit zuteil wurde, verstärkt sich die Bereitschaft, anderen zu helfen. Dieses Engagement zeichnete die Jury in der Kategorie Soziales mit 700 Euro aus. Den Preis überreichte Dr. Angelika Diesener, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der MIBRAG mbH.
  • Preis in der Kategorie Kultur

  • In der Kategorie Kultur zeichnete die Jury ein Projekt aus Salzwedel aus. Ein junger Engagierter gibt dort seit November 2013 ehrenamtlich Schlagzeugunterricht für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Dabei steht für ihn das einzelne Kind im Vordergrund, das er durch die Musik ermutigen möchte, neue Dinge auszuprobieren. Somit soll auch dessen Selbstwertgefühl gestärkt werden. Der Jugendliche möchte weiterhin Integration erlebbar machen und seinen Schülerinnen und Schülern Grundkenntnisse am Schlagzeug vermitteln, die dann bei einem Sommerfest präsentiert werden können. Er selbst spielt seit fünf Jahren Schlagzeug und stellt sein erstes Schlagzeug in der Einrichtung für den Unterricht zur Verfügung. Dieses Engagement zeichnet die Jury mit 400 Euro aus. Den Preis überreichte Marcus Lahn, Projektkoordinator in der Freiwilligenagentur Magdeburg.
  • Publikumspreis

  • Das Kinderklinikkonzert erhielt auch den Publikumspreis, der mit 300 Euro dotiert ist.
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