Frei leben – ohne Gewalt: Aktionstag gegen Gewalt an Frauen

25. November 2014 | Soziales | Keine Kommentare

Mit verschiedenen Aktionen beteiligten sich Organisationen und Parteien aus Halle am bundesweiten Tag gegen Gewalt an Frauen.
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Am Kleinen Berlin hissten Bündnis 90 / Die Grünen, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Organisationen Evangelische Frauen in Mitteldeutschland Flaggen, um auf den Tag aufmerksam zu machen. Pfarrerin Carola Ritter freut sich über die gemeinsame Aktion: „Unsere Solidarität gilt den Frauen auf der Welt, die nicht die gleichen Rechte und Freiheit haben. Aber auch hier vor Ort gilt es immer wieder auf Menschenwürde in unseren Alltag zu achten. Der Schwerpunkt der Fahnenaktion 2014 ist „sexistische Werbung“, die wir ständig vor Augen haben.“ Die Grüne Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Claudia Dalbert stimmt dem zu und betont weiterhin: „Sexismus – auch eine Form von Gewalt gegen Mädchen und Frauen – ist ein gängiges Mittel in der Werbung. So soll meist das Bedienen von platten Klischees über zu wenig vorhandene Kreativität hinwegtäuschen. Das würdigt Frauen herab und muss endlich aufhören!“ Der Landesvorsitzende der GEW, Thomas Lippmann, sagt: „Wir als Bildungsgewerkschaft unterstützen dieses Anliegen. Als Gewerkschaft, die in großer Zahl Lehrerinnen und Erzieherinnen und Frauen in Hochschule und Forschung vertritt, bekämpfen wir Sexismus und wollen ihn auch nicht in den Bildungseinrichtungen dulden.“

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Vorm Stadthaus sprach das Bündnis gegen sexuelle Belästigung und Diskriminierung an der Martin-Luther-Universität. An der Uni gebe es keinen wirksamen Schutz, wurde beklagt. Auch eine effektive und vertrauensvolle Betreuung sei nicht gegeben. „Die vorhandenen Gleichstellungseinrichtungen scheinen lediglich für die Außendarstellung der Universität installiert zu sein.“ Die gesamte Gleichstellungsarbeit weise Defizite auf. Es gebe ein mangelndes Bewusstsei an der Uni bezüglich Vorfällen von sexueller Belästigung. Gefordert wird, dass wegen sexueller Belästigung gekündigte Dozenten nicht einfach an andere Lehrstühle versetzt werden sollen. Nach Angaben des Bündnisses gebe es sieben Beschwerden gegen einen Lehrbeauftragten an der Philosophischen Fakultät I und einen Vorfall an der Naturwissenschaftlichen Fakultät III.

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„Heute wird die Gültigkeit der Menschenrechte auch für Frauen weltweit zumindest offiziell nicht mehr in Frage gestellt. Aber die Realität zeigt noch immer ein anderes Bild: In vielen Ländern werden Mädchen und Frauen im Namen von Kultur, Religion, Moral und Politik verachtet, und es gehört zur gesellschaftlichen Norm, sie ungestraft zu schlagen, zu missbrauchen oder zu ermorden“, erklärt die gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion „Die Linke“ im Landtag, Henriette Quade. „In Deutschland findet Gewalt gegen Frauen vorwiegend im sozialen Nahbereich statt. Auch 11 Jahre nach Einführung des Gewaltschutzgesetzes erleben immer noch ca. 40 % aller Frauen in Deutschland sexuelle und körperliche Gewalt. Gewalt von Männern an Frauen im privaten Kontext ist somit neben der Gewalt von Erwachsenen an Kindern die größte homogene Menge an Gewaltkriminalität.“ Quade sieht die Landesregierung in der Pflicht. Sie sei gefordert, entsprechende professionelle Beratungs- und Hilfsangebote, ambulante Beratungsstellen, Interventionsstellen, Frauenhäuser, Täterberatungsstellen und Öffentlichkeitskampagnen gegen Gewalt mit personellen, sächlichen und finanziellen Ressourcen zu unterstützen und zu fördern. „Nur eine ausreichende Grundfinanzierung der Frauenhäuser wird der gesellschaftlichen Realität gerecht, dass Gewalt gegen Frauen potenziell jede treffen kann – unabhängig von Einkommen, Bildungsstand, Kultur oder Herkunft der Beteiligten“, so Quade. Gewalt gegen Frauen sei kein Phänomen mit Seltenheitswert. „Im Gegenteil: Es ist zu jeder Zeit immer noch allgegenwärtig – in Sachsen-Anhalt, in Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt. Es muss zur zentralen gesellschaftlichen Aufgabe werden, durch helfende, aufklärende und vorbeugende Maßnahmen Gewalt gegen Frauen und Kinder von der Wurzel an zu bekämpfen.“

„Der Internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen am 25. November führt uns alljährlich vor Augen, dass auch heute noch Frauen Opfer systematischer Gewalt werden, nicht zuletzt in Sachsen-Anhalt. Die Frauenhäuser und -beratungsstellen in Sachsen-Anhalt leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern, der ohne das große Engagement der Mitarbeiterinnen und ehrenamtlichen Helferinnen nicht möglich wäre. Diese Arbeit muss auch in Zukunft sichergestellt werden“, sagt Corinna Reinecke, Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen. Damit Frauenhäuser ihre Arbeit entsprechend leisten können, brauchen sie Planungssicherheit und eine verlässliche Finanzierung. Deshalb setze sich die SPD seit Jahren für die gesicherte Finanzierung der Frauenhäuser im Landeshaushalt ein. Langfristig hält die ASF aber eine bundesweit einheitliche Finanzierung für geboten. „Zur Sicherstellung des Schutzes und der Hilfe für alle betroffenen Frauen und deren Kinder wäre aber langfristig eine bundesweit einheitliche, einzelfallunabhängige, kostendeckende und verlässliche Finanzierung der Frauenhäuser notwendig, die auf Einzelfall- und Tagessatzfinanzierung verzichtet.“, so Reinecke. „Nur so kann für die Frauenhäuser Planungssicherheit gewährleistet werden.“

„Häusliche und sexualisierte Gewalt sind Grundrechts- und Menschenrechtsverletzungen und es ist wichtig, dass wir nicht nur am 25. November nachdrücklich dagegen vorgehen,“ sagte Sarah Schulze, stellvertretende Landesvorsitzende der AsF Sachsen-Anhalt. Dabei liege der ASF insbesondere die fachlich qualifizierte Betreuung auch der in den Frauenschutzhäusern untergebrachten Kinder am Herzen. In der Zeit ihres Frauenhausaufenthaltes brauchen auch die Kinder eine eigenständige Unterstützung, die unabhängig von der aktuellen Belegzahl und der schwankenden Aufenthaltsdauer von Kindern im Frauenhaus gewährt werden muss. Diese sollte neben Zeiten der Kinderbetreuung und Freizeitaktivitäten besonders Angebote der Beratung und Aufarbeitung von Gewalterlebnissen beinhalten. „Liegen speziell auf ihre Bedürfnisse angepasste Rahmenbedingungen vor, z.B. qualifizierte Mitarbeiterinnen aus psycho-sozialen Berufen, die die Kinder betreuen und sich ihren Traumata annehmen, haben sie die Chance, ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Manche Mädchen und Jungen können im Frauenhaus erstmals beginnen, Kind zu sein.“

Der Aktionstag geht auf den 25. November 1960 zurück. Damals in der Dominikanischen Republik drei Schwestern, die im Untergrund gegen die damals dort herrschende Trujillo-Diktatur gekämpft hatten, vom militärischen Geheimdienst verschleppt, vergewaltigt und ermordet. Auf einem Treffen von lateinamerikanischen und karibischen Frauen 1981 in Bogotá, Kolumbien, gedachten die Teilnehmerinnen dieser Frauen und riefen den 25. November als internationalen Gedenktag aus, der seit 1999 als Gedenktag von den Vereinten Nationen anerkannt wurde. Er soll alljährlich an die immer noch weltweite Gewalt gegen Frauen und Mädchen, an deren Missbrauch, Missachtungen, Verfolgungen, Verstümmelungen oder gar Tötungen erinnern. Und er gilt als das Symbol des Kampfes gegen die Verletzung von Menschenrechten generell. Doch es bleibt noch viel zu tun. Weltweit gibt es gerade einmal 17 Länder, in denen Vergewaltigungen in der Ehe strafbar sind. In 12 Ländern Lateinamerikas wirde der Mann in Prozessen freigesprochen, wenn er anbietet sein Vergewaltigungsopfer zu heiraten.

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