„Schauplätze der Reformation“

29. Oktober 2016 | Rezensionen | Keine Kommentare

Mitteldeschauplaetze-der-reformationutschland ist das Land der Reformation, daher werden 2017, dem 500jährigen Jubiläumsjahr der Reformation, die Wirkungsstätten des Reformators Martin Luther zu einem Anziehungspunkt für Christen und Touristen werden. Es gibt zwar schon zahlreiche Publikationen, in denen die Lutherstätten vorgestellt werden, aber die vorliegende Neuerscheinung „Gespaltene Welt“ aus dem Mitteldeutschen Verlag ist in erster Linie kein touristischer Führer sondern ein Geschichtsbuch, das sich an den Schauplätzen der Reformation orientiert.

Der Kunsthistoriker und Journalist Günter Kowa hat sich auf den 240 Seiten mit dem Fotografen Henning Kreitel auf eine Spurensuche begeben. Im Vorfeld des großen Jubiläums 2017 besuchten die beiden verschiedene Orte, die im Zusammenhang mit der Reformation stehen. Dabei beschränkte man sich aus Platzgründen auf das Kernland (Mitteldeutschland) der Reformation.

Die Spurensuche beginnt natürlich in Wittenberg, wo 1517 die Reformation ihren Beginn nahm. Kowa hinterfragt dabei auch die historische Wahrheit der Hammerschläge an der Thesentür der Wittenberger Schlosskirche. Danach werden die Lutherstätten chronologisch zu Luthers Biografie aufgesucht: von seinem Geburtshaus in Eisleben, über seine Kindheit in Mansfeld, sein Studium in Erfurt, sein Wirken in Wittenberg bis hin zu seinem Sterbehaus in Eisleben. Dazwischen weitere Wirkungs- und Reisestationen, die das Leben und Wirken des umtriebigen Reformators bestimmt haben, z.B. als „Junker Jörg“ auf der Wartburg. Darüber hinaus erfährt man viel über seine Mitstreiter und Widersacher – von Melanchthon bis Kardinal Albrecht. So findet der Leser auch Stationen, die Luther zwar nie besucht hat, die aber durch das Wirken seiner Anhänger oder Gegner eine besondere Bedeutung erfahren haben (z.B. Thomas Müntzer).

In den Texten werden die symbolträchtigen Erinnerungsplätze vom Schleier der Mythen und Legenden befreit. Dabei geht es Kowa nicht nur um den historischen Hintergrund der Wirkungsstätten sondern auch um eine realistische Darstellung der damaligen Glaubensauseinandersetzungen, ausgerichtet am aktuellen Stand der Forschung. Der Fotograf Henning Keitel hat mit seinen zahlreichen Farbfotos ebenfalls die Aura des Geschichtlichen eingefangen. So ist ein lebendiges Geschichtsbuch entstanden, das den Leser mit wertvollen Hintergrundinformationen versorgt – auch für den nächsten Besuch der einen oder anderen Reformationsstätte. Das Buch wird ab dem 1. November im Buchhandel erhältlich sein.

Günter Kowa / Henning Kreitel: „Gespaltene Welt – Schauplätze der Reformation“, Mitteldeutscher Verlag Halle 2016, 24,95 €, 240 S. ISBN 978-3-95462-718-9

 manfred18

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