Meisterin des „Happy-End“

20. März 2017 | Rezensionen | 1 Kommentar

Der Hasenverlag hat seine erfolgreiche Reihe der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“ fortgesetzt. Die Neuerscheinung (Heft 33) ist der Meisterin des Happy-End“ – Hedwig Courths-Mahler – gewidmet, die am 18. Februar vor 150 Jahren in Nebra an der Unstrut als ein „Kind der Schande“ geboren wurde und sich damit von der untersten sozialen Sprosse zur erfolgreichsten deutschen Schriftstellerin emporarbeitete. Aufgewachsen bei verschiedenen Pflegeeltern, schrieb sie bereits mit 17 Jahren erste Geschichten. 1904 erschien dann ihr erster Roman „Licht und Schatten“ im „Chemnitzer Tageblatt“, den sie heimlich am Küchentisch geschrieben hatte. Um auch in der damaligen Reichshauptstadt schriftstellerisch Fuß zu fassen, unterschrieb sie bei einem Berliner Verleger, der ihre Notlage ausnutzte, einen Knebelvertrag: zehn Jahre lang musste sie jährlich mindestens drei Romane für je hundert Mark Honorar abliefern. Hedwig, inzwischen 38 Jahre, schrieb mit dem Mute der Verzweiflung und kam erst durch den Tod des Verlegers aus dem Vertrag.

Unaufhörlich stieg die Zahl ihrer Romane, doch in der Inflation verlor sie ihr erschriebenes Vermögen und sie musste ihre schriftstellerische Existenz von neuem aufbauen. Unermüdlich saß sie am Schreibtisch. Während des Nazi-Regimes suchte sie zunächst den Kontakt zu den neuen Machthabern, aber man war an ihrer „Unterhaltungsliteratur“ nicht interessiert. Nach dem Krieg begann die fast Achtzigjährige wieder mit dem Schreiben, doch die wiederauflebende Nachfrage nach ihren Romanen erlebte sie nicht mehr. Hedwig Courths-Mahler starb am 26. November 1950.

Zeitlebens ritt die Kritik gegen Hedwig Courths-Mahler boshafte Attacken, sprach von „Schundliteratur“ und „Geschmacksterror“. Das tangierte sie aber kaum und antwortete gelassen: „Ich habe nichts anderes getan als später der Film. (…) Ich habe Märchen für große Kinder erdacht.“ Und eine Gesamtauflage (bis heute) von rund 80 Millionen Büchern sollte ihr Recht geben – obwohl ihre Romane weiterhin als „Kulturkitsch“ verdammt werden.

Die hallesche Autorin Simone Trieder beleuchtet detailliert die einzelnen und bewegten Lebensabschnitte von Hedwig Courths-Mahler – illustriert mit zahlreichen historischen Fotos und Dokumenten. Ergänzt wird die Reminiszenz durch einen Beitrag von der in London lebenden Anglistin Julia Semmer, der einen Überblick über die Chick Lit – vom 18. Jahrhundert über Jane Austen bis zur Gegenwart – gibt.

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