Meisterbräu, Bockbier und Club-Cola – Die Freyberg-Brauerei in Halle

26. Dezember 2015 | Rezensionen | 23 Kommentare

Der hallesche Hasenverlag begeht ein kleines Jubiläum: zum Jahreswechsel ist Heft 30 der erfolgreichen Reihe „Mitteldeutsche Kulturhistorische Hefte“ erschienen und das mit einem Thema, das bei vielen Hallensern auf Interesse stoßen wird – die Geschichte der Freyberg-Brauerei. Viele verfolgen das Schicksal des Industriedenkmals, das in den letzten Jahren von Brandanschlägen und Investorenplänen geprägt wurde. In keinem halleschen Bildband oder Kalender fehlt die Jugendstil-Fassade am Saaleufer, die zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt gehört.
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Annette Funke und Sebastian Ristow haben die wechselvolle Geschichte der halleschen Brauerei zusammengetragen und reich illustriert auf 110 Seiten dargestellt. Dabei ist der Band in zwei Teile gegliedert: der erste Teil gibt Einblicke in die lange und bewegte Geschichte des Brauwesens in Halle, wobei die Freyberg-Brauerei im Mittelpunkt steht. Zunächst gehen die Autoren der Frage nach „Wie das Bierbrauen nach Halle kam?“. Im 19. und noch im 20. Jahrhundert gab es zahlreiche Brauereien in der Saalestadt – z.B. das Brauhaus „Zum Pelikan“, die „Schwemme-Brauerei“, die „Wilhelm-Rauchfuß-Brauerei“ oder die „Saalschloß-Brauerei“.

Die Geschichte der Freyberg-Brauerei begann 1880, als Hermann Freyberg auf dem ererbten Gelände von „Freybergs Garten“ über viele Jahre und Etappen hinweg ein erfolgreiches Brauerei-Unternehmen errichtete. Bis zur Zwangsenteignung im Jahre 1947 blieb die Brauerei in Familienbesitz. Der zweite Teil der Publikation beleuchtet dann die Geschicke der Brauerei bis zur Wende und darüber hinaus bis zum Ende im Jahre 1995. Zunächst über 40 Jahre als „VEB Brauhaus Halle“ und danach als „Meisterbräu GmbH“. Seit zwanzig Jahren ist der Gebäudekomplex sich selbst überlassen – Vandalismus hat dem Industriedenkmal mächtig zugesetzt, sodass Investoren, die Loft-Wohnungen am Saaleufer geplant hatten, immer wieder abgesprungen sind.

Neben der historischen und baulichen Entwicklung der Freyberg-Brauerei beschreibt das Autoren-Team auch den Arbeitsalltag der Brauerei-Mitarbeiter. So findet der Leser am Ende sieben Interviews, in denen z.B. zwei ehemalige Braumeister von ihrer Arbeit berichten. Aber auch zwei ehemalige Partyveranstalter des Klubs „Kantine“ kommen zu Wort. Was den Band aber besonders reizvoll macht, sind die zahlreichen historischen Fotos, die das Brauereiwesen der Saalestadt dokumentieren – von Gebäudeaufnahmen, über Fotos aus dem Arbeitsalltag bis zu alten Emaille-Werbeschildern, Bieretiketten und Flaschenverschlüssen.

Fazit: Heft 30 der „Mitteldeutschen Kulturhistorischen Hefte“ ist wieder eine informationsreiche Publikation zur halleschen Industriegeschichte geworden. Dank an den Hasenverlag!

Manfred Orlick

Annette Funke / Sebastian Ristow: „Literweise – Die Freyberg-Brauerei in Halle“, Hasenverlag Halle/Saale 2015, Heft 30 der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“, 13,80 €, 108 S., ISBN 978-3-945377-17-8

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  • #195973

    Der hallesche Hasenverlag begeht ein kleines Jubiläum: zum Jahreswechsel ist Heft 30 der erfolgreichen Reihe „Mitteldeutsche Kulturhistorische Hefte“
    [Der komplette Artikel: Meisterbräu, Bockbier und Club-Cola – Die Freyberg-Brauerei in Halle]

    #195974

    Die Geschichte der Freyberg-Brauerei begann 1880, als Hermann Freyberg auf dem ererbten Gelände von „Freybergs Garten“ über viele Jahre und Etappen hinweg ein erfolgreiches Brauerei-Unternehmen errichtete.

    Im Jahre 1816 gründete Christian Gottfried Rauchfuß sein Brauereiunternehmen, zunächst mit Sitz am Großen Berlin. Nach der Weitergabe an seinen Sohn übernahm 1879 sein Neffe Hermann Freyberg die Brauerei, die ab 1886 ihre Produktion in das Gebäude an der Saale verlagerte. Bereits seit 20 Jahren nutzte man an dieser Stelle schon Kellerräumlichkeiten.

    #195975

    @nachtschwärmer Das nenne ich mal ne Recherche!

    #195976

    Im letzten Krieg wurden die Bierfässer noch mit dem Pferdefuhrwerk ausgefahren, erinnerte sich meine Oma.

    #195977
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    @ redhall: Noch Anfang der sechziger Jahre fuhren diese Bierwagen durch die Torstraße,ich habe ein Foto davon.
    Mein Vater, Tierfreund wie ich, versuchte einmal als kleiner Junge, den schweren Pferden bei großer Hitze die Fliegen zu vertreiben. Da stampfte der Gaul auf( wohl auch aus diesem Grund) und der Huf landete dann auf seinem barfüßigen BFuß. Die großen Ferien waren damit gelaufen, dick verbunden usw. war Liegen angesagt.
    Meine Erinnerungen reichen bis zur Mitte der vierziger Jahre. Novemberwetter, abends, sehr windig, im Kriege alles stockdunkel, Straßenbeleuchtungen wegen Fliegergefahr waren ja alles ausgeschaltet, wir liefen zur Haltestelle ausgangs der Glauchaer/ Ecke Torstraße und waren auf Höhe der Brauerei mitten auf der Straße. Da wehte es meiner Mutter den Hut vom Kopf. Sie ging nie „ohne“, ach herrjeh. Irgendwie konnte ich ihn auf dem Boden greifen, was meine Mutter sehr gefreut hat.

    #195978
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    „Meisterbräu“ wurde in braunen und grünen Flaschen abgefüllt bis vor der Wende. Die braunen wurden von den Käufern bevorzugt. Warum?? Mir fällt auf, dass es keine grünen Bierflaschen mehr gibt. Warum?? Auch wurden die Bierflaschen vor dem Kauf umgedreht in die Höhe gehalten und geprüft, ob das Bier klar war. Gab es da kein sogen. Reinheitsgebot?? Ihr wisst es vielleicht, erfahrene hallische Lattcher und Altlätze?

    #195979
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    @elfriede
    „„Meisterbräu“ wurde in braunen und grünen Flaschen abgefüllt bis vor der Wende. Die braunen wurden von den Käufern bevorzugt. Warum?? “

    Weil das Bier aus braunen Flaschen besser schmecken soll. Braune Flaschen sind nur durchlässig für energiearmes rotes und nah-infrarotes Licht. Die Grünen Flaschen lassen dagegen bevorzugt energiereiches blaues und noch ein wenig UV-Licht (UV-A) durch. Daher auch die unterschiedlichen Glasfarben.

    Was das Blaue/UVA-Licht bei der Lagerung genau mit dem Bier macht, das kann dir vielleicht ein Lebensmittelchemiker sagen

    #195980

    Quatsch!
    Die Flaschen wurden umgedreht und gegen das Licht gehalten, um zu prüfen, ob das Bier noch gut war, oder ob Flocken darin schwebten, weil es verdorben war. Darum wurden grüne Flaschen bevorzugt, da man durch diese besser durchsehen konnte.
    Zu DDR-Zeiten war Bier nicht so lange haltbar wie heute, vor allem im Sommer bei Hitze nicht.

    #195981

    Mit Geschmack hat die Farbe der Flasche gar nichts zu tun, das ist allenfalls eingebildet… 😀

    #195982
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    zu DDR-Zeiten habe ich es mal ausprobiert, als das gleiche Bier sowohl in Grünen als auch Braunen Flaschen angeboten wurde (was ja regelmäßig der Fall war). Der Unterschied war deutlich herauszuschmecken.

    Heute ist nur noch das tschechische Bier in grünen Flaschen vorhanden. Und ja, es schmeckt dadurch nicht so gut, wie es würde schmecken können.

    Die Physik dahinter habe ich erklärt, für die Chemie dahinter fehlt mir das nötige wissen, welche chemischen Bindungen bei Blau-UV-Licht im Bier sich wie verändern können.

    #195983
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    Ts,ts,ts- ich bleibe dabei, die braunen wurden bevorzugt-
    ach man muss ja heute so vorsichtig mit seinen Äußerungen sein, verflixt nochmal, Elle, ecke nich schon wieder an, vrbrenne dr nich schon widder ’s Maul. 🙂
    Ich fange noch einmal an:
    Ich bleibe dabei, dass das Bier zu DDR-Zeiten bevorzugt gekauft wurde, das in braunen Flaschen in den sozialistischen und privaten Einzelhandel kam. Jedenfalls hier im Süden der Chemiemetropole war das der Fall.
    Nun ist es so formuliert, dass es nicht klingt, als würde ich Nazis bevorzugen. 🙂
    Und Dank für die Aufklärung der physikalischen Unterschiede von grünem und braunem GLAS in Bezug auf die Lichtdurchlässigkeit der verschiedenen UV- Strahlungen.

    #195985

    Bier muss vor Sonneneinstrahlung geschützt werden und da bietet die braune Flasche einen noch besseren Schutz als die grüne. Wer seine Flaschen im dunklen Keller oder Kühlschrank lagert, dem kann es egal sein.

    Braune Flaschen waren in der DDR tatsächlich bevorzugt- nicht die grünen. Dass Bier in braunen Flaschen prinzipiell besser schmeckt, ist Unsinn siehe z. B. Pilsner Urquell. Das meiste Bier was heute verkauft wird, ist pastorisiert und nicht ganz so empfindlich- vor UV-Strahlung sollte man es trotzdem schützen.

    #195986

    Kaum geht es um Bier, schon glühen die Tasten.

    #195987
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    ok, jetzt habe ich doch noch google benutzt, warum Bier aus braunen besser als aus grünen Flaschen schmeckt:
    zum einen gab es einen Treffer bei Wikipedia (welch Überraschung)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Bierflasche

    und nochmal etwas anderes:
    http://www.bier-deluxe.de/bier-wissen/bier-grundwissen/bier-in-gruenen-flaschen-nein

    #196006

    Ergänzung: Die braune Bierflasche wurde von einem Herrn Braun erfunden.

    #196009
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    @wolli

    das wäre mir neu, Quellen?

    Grüne/braune Gläser sind Eisenhaltig. Glas wird bei viel Sauerstoff in der Herstellung grün. Färben tut das dabei entstehen FeII, Schwefel im Glas ist nur als Sulfation vorhanden.

    Braun wird Glas bei Sauertoffmangel, weil dann wird der Schwefel zu Sulfid und es bildet sich im Glas Eisensulfid, welches das Glas braun färbt. (wie auch viele der mir bekannten Sulfide im Glas).

    Aber zur Geschmacksgebung fand ich noch das aus der Zeit:
    „Besonders gefürchtet ist der sogenannte Lichtgeschmack. Der entsteht, wenn sich aus dem Hopfen stammende Bitterstoffe in MBT (3-Methyl-2-buten-1-thiol) verwandeln. Das Zeug schmeckt so intensiv, dass man es herausschmecken kann, wenn zwei Tropfen davon in ein Schwimmbad geträufelt werden. Es ist verwandt mit dem Analsekret von Stinktieren – und riecht auch so ähnlich.“
    aus: http://www.zeit.de/2013/18/stimmts-bier

    Es gab wohl auch mal eine Quarks sendung dazu. Hier das Manuskript:
    http://www.wdr.de/tv/applications/fernsehen/wissen/quarks/pdf/bier.pdf

    #196011

    Braun wird Glas bei Sauertoffmangel,

    Umgekehrt ist es. Braun ist Eisen (III), es entsteht, wenn die Schmelze oxidierend behandelt wird. Grünes Glas kommt von Eisen (II). Da Eisen (III) weniger Färbekraft hat als Eisen (II), sind höhere Eisengehalte in braunen Flaschen eher tolerierbar als in Grünglas. Braunes Glas ist folglich billiger. Nur deshalb wird Grünglas (weniger Gesamt-Fe) separat von Braunglas recycelt.

    Dass es keine grünen Bierflaschen mehr gäbe, halte ich für ein Gerücht. Gerade die etwas hochpreisigeren Biere (Jever, Becks) haben welche Flaschenfarbe?

    #196012

    Ich ziehe eindeutig grünen Flaschen den braunen vor.

    #196019

    Danke, Elfriede!
    So war es wohl, das Foto ist echt Zeitgeschichte!
    Und wenn ich bedenke, welche Unsummen heutzutage für flockiges Bier bezahlt werden, war die DDR ihrer Zeit einfach weit voraus!!! 😉

    #196021

    Die Ansiedlung organisierte meines Wissens der Regierungsbeauftragte für den Bezirk Halle, Genosse Wolfgang Süß.
    Der Durst der Buna und Leunapelzer wurde mit AFG (alkoholfreien Getränken) aus Halle- Neustadt gelöscht.

    nein, nicht der aus dem blöden Wiki https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_S%C3%BC%C3%9F.

    Meisterbräu wurde für einen Euro verscherbelt und dicht gemacht.
    Treuhand, wie üblich.

    #196054
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    @hei-wu
    …Braun ist Eisen (III),…

    Wenn ich Glas mit Fe(III) braun färben wollte, bräuchte ich darin soviel Eisen, dass ich danach gar kein Glas mehr hätte bzw. das Glas würde bei der geringsten mechanischen Belastung zerbröseln. Die Fe(III)-Übergänge sind Spin-verboten, und damit so schwach (ein hunderstel bis ein zehntel derjenige Intensität des grünen Fe(II)), das sich diese nicht zur Glasfärbung eignen.

    Es ist wirklich das Eisensulfid, welches im Glas die Braunfärbung verursacht, wie du auch aus der einschlägigen (und schon betagten) Fachliteratur entnehmen kannst. Da die Braunfärbung m.W. einen erlaubter Übergang darstellt, ist hier auch gegenüber dem paritätsverbotenen Fe(II)-Übergang beim grünen Glas eine deutlich intensivere Färbung möglich. Ich brauche also weniger Eisen zur Braunfärbung als zur Grünfärbung.

    Beim Glasschmelzprozess ist zudem immer der Oxidationszusand der Glasschmelze der sensibelste Parameter (nicht nur wegen der Farben, auch der ungewollen Blasenbildung im Glas wegen). Und beim heutzutage üblichen Scherbeneinsatz von über 80% der Rohstoffe in der Glasschmelze sollte auch dies ein Grund für die getrennte Erfassung von grünen und braunen Scherben sein. Hier könnte ich mich bei Bedarf im neuen Jahr aber nochmal bei Bedarf kundig machen.

    #196055

    Wegen mir aber nicht, fractus, ich hatte ich Chemie eine Drei und dabei wollen wir es auch belassen. Ich hole mir jetzt eine kleine Flasche 0,33 cl Krombacher Pils „Für bewussten Genuss“, Öko-Test sehr gut usw.usf. und natürlich in einer braunen Flasche mit Bügelverschluss.
    Zum Wohl in die ganze Runde!

    #196056
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    Anonym

    @wolli
    du trinkst also kein totes, pasteurisiertes Bier aus einer grünen Flasche.

    #196057

    Hallo @fratus: über braune Gläser sollten wir uns mal, wie über einige andere Dinge, lieber persönlich unterhalten. Du hast recht, was die Schwefelfärbung in modernen Braungläsern betrifft. In den historischen Gläsern ist es anders, aber darüber unterhalten wir uns beim Bier aus bunten Flaschen.

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