Ein phantastischer Herrenausflug

14. November 2016 | Kultur, Rezensionen | Keine Kommentare
Andreas Hagemanns Xerubian 1

Andreas Hagemanns Xerubian 1

Unser zweiter Fischzug in die Selfpublisherszene, die Bücher abseits der Bestseller, Longseller und Fastseller des Büchermahlstromes herausbringen, geht wieder in die Welt der Genreliteratur (s. abseits des Büchermahlstroms 1.) Wir gelangen in vielfältige Welt der Fantasy bzw. der phantastischen Literatur. Die Eigenschaft sich Phantasiewelten zu erschaffen, scheint zum Wesen des Menschen zu gehören, ja, für unsere geistige Gesundheit eine heilsame Wirkung zu haben.

Nachdem wir uns mit der ersten Besprechung einer Dame und ihrem aktuellen Werk gewidmet haben, ist nun ein Herr dran: Er heißt Andreas Hagemann, stammt aus Berlin, ist mit 1982 noch ein verhältnismäßig junger Jahrgang. Er wohnt seit 2002 in Düsseldorf. Verheiratet ist er auch, denn Fantasy-Autoren neigen naturgemäß eher zum bürgerlichen Ambiente. Gearbeitet wird nach eigenen Angaben im Social Media. Herr Hagemann ist also ein kommunikativer und unterhaltsamer Mensch und das merkt man seinem Werk auch an.

Polizisten und Drachen auf einer phantastischen Reise

Die klassische englische Fantasy war immer auch ein Reiseroman, nur in eine ausgedachte unbekannte Landschaft hinein, ein wenig für Autoren gedacht, die sich wirkliche oder gefährliche Reisen nicht zutrauten oder leisten konnten. Im Fall von Andreas Hagemann ist es eine gemischte Herrengruppe aus Drachen und Polizeibeamten, die sich auf eine Reise durch die Welt von Xerubian machen. In der schwarzen Romantik war es oft üblich, eine Rahmenhandlung zu benutzen, in der der Teufel oder ein anderes dunkles Wesen Dinge unternimmt, die die phantastische Welt maßgeblich formen. Andreas Hagemann greift dieses Konzept wieder auf. Aber hier ist es Gott, der in der Rahmenhandlung agiert. Der Leser trifft Gott in seinem „Herrenzimmer“ beim Billardspiel an. Bei einem entscheidenden Stoß gleiten seine Gedanken ab und der Stoß misslingt. Aber ein misslungener Stoß mit den göttlichen Billardkugeln zeitigt immer Folgen: Plötzlich hat der Planet Xerubian zwei Sonnen und auch sonst ist etwas anders. Mist, denkt Gott.

Nun sind wir bereits mitten im Geschehen und unsere Männermannschaft muss sich nur noch auf den Weg begeben. Wir befinden uns in der kleinen Stadt Punkt auf dem Planete Xerubian. In der Kathedrale wird ein heiliger Stein gestohlen. Der Polizeibeamte Dalon und sein Drache Nerol (Ja, so ein Drache mit Feuerspucken und Fliegen und so!) bemühen sich, den Stein wiederzubekommen und den Dieb zu stellen. Sie kommen nur langsam voran, der Dieb scheint längst geflohen, aber statt den Fall wie üblich zu den Akten zu legen, trifft Dalon die Entscheidung Frau und Zuhause hinter sich zu lassen und sich an die Verfolgung des geheimnisvollen Gesetzesbrechers zu machen. Der Polizeibote Martandi, dessen Drache Dragon und der Mini-Dracke Muliks schließen sich dem Fahndungskommando an. Eine gemütliche Herberge, gastfreundliche Minidrachen und ein verrückter Wissenschaftler helfen dem „Team“ bei der Verfolgungsjagd. Dramatisch wird es erst, als die Verfolgergruppe in die Fänge eines despotischen Gebirgsherrschers geriet. Als ihnen die Flucht gelingt, trifft Dalon mit dem Dieb Olaf zusammen, der nicht nur von der gemischten Männer-Drachen-Mannschaft gejagt wird, sondern auch von einem großen Trupp Soldaten, geschickt von Olafs Gegenspieler. Jetzt steht Dalon vor der Entscheidung, auf welche Seite er sich und seine Begleiter schlagen soll. Mehr wird nicht verraten. Sie wollen sicher selbst noch nach Xerubian reisen.

Ich bin dann mal auf Xerubian!

Der Leser erkundet Xerubian an der Seite von Dalon und seinen Begleitern. Ohne auf große Schenkelklopfer zu setzen, ist es ein humorvoller Roman, in der parodistisch andere Fantasy-Romane und sogar Comics „verwurstet“ werden. Das größte Vergnügen macht nicht die Handlung, sondern die Charaktere der „Reisegruppe“: Der dicke und alte Dalon, die beiden unsinntreibenden Drachen, der tapfere kleine Drache, der treue Polizeibote und der Held Olaf, der sein Volk retten möchte. Daraus ergeben sich herrliche Dialoge, nicht immer gelungen, aber oft sehr köstlich. Wer aber in diesem Buch Frauen sucht, wird enttäuscht sein: Weibliche Charaktere tauchen nur zweimal bemerkbar im Buch auf: Als zänkische Ehefrau von Dalon und als ätherische Ehefrau von Olaf. Willkommen zum Männertag!

Abgesehen vom Fehlen des weiblichen Geschlechts ist der Xerubian-Reiseroman spannend und unterhaltsam. Ich stufe es als leichte Kost für verregnete Tage ein, da man sich hier in die Wärme von zwei Sonnen träumen kann. Geeignet ist es für jung und alt, für alle die Fantasy, die sich nicht bierernst nimmt. lieben. Denn für Freunde epischer Schlachten, allmächtiger Zauberer und Orkgeschnetzeltes zum Abendbrot ist das Buch nichts. Magie kommt nur als Randerscheinung vor. Selbst Drachen sind nicht die ganz große Hilfe, auch wenn sie Feuer speien können. Dalon ist irgendwie der Hape Kerkeling der Fantasy. Er ist „dann mal weg“. Als Held ungeeignet, aber man muss ihn irgendwie mögen. Ich bin jedenfalls schon dabei, einen Plan für den Xerubian-Pilgerweg auszuarbeiten. Am Schnellsten kommt man übrigens in die Welt mit den zwei Sonnen auf den Seiten des Autors. Auf Teil 2 und 3 bin ich schon ganz gespannt, ob Gott wohl wieder Billard spielt? Oder stolpert er über seine Schachfiguren?

Paula Poppinga

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