„Das mittelalterliche Halle“

19. September 2016 | Rezensionen | Keine Kommentare

Hallschultze-gallera_siegmar-baron-von_das-mittelalterliche-halle-erster-band-bis-1266e kann auf eine über 1200jährige Geschichte zurückblicken, wobei Historiker darüber streiten, welche Urkunde oder welche Ersterwähnung aus grauer Vorzeit zu Rate gezogen werden soll. Dem bekannten halleschen Stadtchronisten Siegmar Baron von Schultze-Galléra ging es in seiner zweibändigen Publikation „Das mittelalterliche Halle“ nicht um diesen Streit sondern um die Darstellung „der inneren und äußeren Geschichte“ der Stadt in den ersten Jahrhunderten. 1925 erschienen, liegen die beiden umfangreichen Bände nun als Reprint-Ausgabe im Thüringer Rockstuhl Verlag vor.

Der „Erste Band bis 1266“ umspannt den Zeitraum „von der Gründung der Stadt bis zur Entwicklung des städtischen Rates“. Hier beleuchtet Schultze-Galléra aber zunächst ausführlich die „Thüringer Zeit“ (bis 531) sowie die Sachsen-, Sorben- und Frankenzeit (531 bis 981) der Saale-Region. Im 10. und 11. Jahrhundert entwickelte sich Halle dann als Marktort mit all seinen Privilegien. Das führte in der Folge auch zu zahlreichen Stadterweiterungen. Die Stadtentwicklung in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde vor allem durch die Magdeburger Erzbischöfe geprägt, besonders durch Erzbischof Wichmann, der u.a. das Moritzkloster errichtete. Schultze-Galléra zeichnet hier anschauliche Lebensbilder der Kirchenfürsten. In den folgenden Jahrzehnten konnte die Stadt Halle ihre Freiheit und Unabhängigkeit gegen die kirchlichen Landesherren erringen bis hin zur „Entwicklung des städtischen Rates“, dem schrittweise die finanziellen Geschäfte und Verwaltungsaufgaben übertragen wurden.

Der „Zweite Band 1266 bis 1513“ schließt hier nahtlos an bis zum „Untergang der städtischen Freiheit“. So war es in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu einem Stillstand der freiheitlichen Entwicklung gekommen, ehe dann in den folgenden Jahrzehnten – hervorgerufen durch die Schwäche der Erzbischöfe – weitere Forderungen durchgesetzt werden konnten. Die selbstbewusste Bürgerschaft konnte sogar ein stattliches und gutgerüstetes Heer rekrutieren. Doch mit innerstädtischen Auseinandersetzungen, die der junge und machtbesessene Erzbischof Ernst auszunutzen wusste, wurde die städtetische Freiheit schließlich immer weiter zurückgedrängt.

Die beiden Bände sind in verschiedene historische Kapitel unterteilt, die im zweiten Band mit einer Charakteristik des jeweiligen Zeitraums eröffnet werden. Daneben sind die rund 1000 Seiten mit zahlreichen historischen Abbildungen, Plänen und Skizzen illustriert. Jeder Band wird außerdem mit einer Zeittafel sowie einem Orts- und Personenregister komplettiert.

Wenn die beiden Bände auch schon vor neunzig Jahren erschienen sind und sich in der Zwischenzeit neue historische Quellen eröffnet haben, so ist die umfangreiche Darstellung des „mittelalterlichen Halle“ eine ergiebige Fundgrube für jeden an Stadtgeschichte Interessierten – vor allem, da Schultze-Galléra neben den historischen Fakten auch anschaulich und bildhaft das Leben und den Alltag im mittelalterlichen Halle beschreibt.

Siegschultze-gallera_siegmar-baron-von_das-mittelalterliche-halle-zweiter-band-1266-bis-1513mar Baron von Schultze-Galléra: „Das mittelalterliche Halle – 2 Bände“, Verlag Rockstuhl Bad Langensalza 2016, Reprint-Ausgaben, Erster Band bis 1266: 28,95 €, 432 S., ISBN 978-3-95966-122-5, Zweiter Band 1266 bis 1513: 29,95 €, 562 S. ISBN 978-3-95666-123-2

 

 

 

 

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