Update 3: Leiter des Landesschulamtes Klieme Tag vor Ablauf der Probezeit abgesetzt

29. November 2016 | Nachrichten | 63 Kommentare

Am letzten Freitag, den 25. November 2016, erhielt der amtierende Leiter des Schulamtes, Torsten Klieme, vom Bildungsministerium die Anweisung, dass er ab Montag, den 28.November 2016, seines Amtes enthoben worden sei und sein Büro im Landesschulamt zu räumen habe. Mit Ablauf dieses Tages lief seine Probezeit ab.

Update 3: Wie steht die SPD-Landtagsfraktion dazu?

Auf Anfrage an die SPD-Landtagsfraktion teilt diese Hallespektrum mit, dass sie über den Vorfall erst informiert wurde, als das Bildungsministerium die Entscheidung schon getroffen hatte. Auch über Pläne für eine Neubesetzung der Direktorenstelle ist der Fraktion nichts bekannt. Diese Entscheidung treffe die Landesregierung ohne Beteiligung der Fraktionen.

Update 2: Inzwischen liegt uns auch eine Stellungnahme der ersten Koalitionspartei vor. Die SPD teilt uns folgendes mit:

Zur Versetzung des bisherigen Direktors des Landesschulamtes, Torsten Klieme, durch das Bildungsministerium erklärt der SPD-Landesvorsitzende Burkhard Lischka:

„Über die Entscheidung des Bildungsministers, einen profilierten Fachmann wie Torsten Klieme zu versetzen, bin ich einigermaßen verwundert. Es drängt sich der Eindruck auf, dass bei dieser Entscheidung nicht Kliemes Kompetenz, sondern sein Parteibuch die entscheidende Rolle spielte. Das ist ein Umgang, wie er unter Koalitionspartner nicht gepflegt werden sollte und von SPD-Ministern in der Landesregierung auch nicht gepflegt wird. Bildungsminister Tullner hat derzeit auf vielen Baustellen zu tun, er sollte sich nicht noch eine weitere mit einer problematischen Personalentscheidung schaffen und so die Strukturen in der Bildungspolitik im Land weiter schwächen.“

Die Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Katja Pähle, erklärt:

„Alle Fachleute im Bildungsbereich sagen uns: Torsten Klieme war Teil der Lösung und nicht Teil des Problems. Seine Absetzung wird nicht dazu beitragen, dass das Bildungsministerium bis zum Jahresende seine Hausaufgaben bei der Verlängerung der Beschäftigung von Sprachlehrerinnen und Sprachlehrern und bei der Neueinstellung pädagogischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter termingerecht erledigen kann. Die Entwicklung bei der Unterrichtsversorgung an unseren Schulen gibt schon jetzt Anlass zur Sorge und muss beherzt angegangen werden.“

Update: Bildungsminister Tullner hat soeben bei Twitter dementiert, dass die Entlassung Kliemes etwas mit der Sache der Sprachelehrer zu tun hätte. Wortlaut: “ Spekulationen sind bei Personalentscheidungen immer sehr beliebt. Ich vertraue lieber Fakten.“ Wie diese Fakten aussehen, hat er bislang noch nicht erklärt. Das stehe allein den Betroffenen zu.

„Durch die Präsentation eines angeblichen Sündenbocks wird keines der gravierenden Probleme in den Schulen gelöst – im Gegenteil. Egal, wer Klieme nun als CDU – Parteikader folgen soll: ohne mehr Personal und ohne ausreichende Kenntnisse über das Schulsystem wird die Abwärtsspirale für die Lernbedingungen in den Schulen nur weiter beschleunigt“, erklären die bildungspolitischen Sprecher*innen der Landtagsfraktion der Linken Birke Bull-Bischoff und Thomas Lippmann.

Mit Torsten Klieme geht ein Pädagoge, der das Amt 3 Jahre mit Sachverstand geleitet hat und das bei der Knappheit der ihm zur Verfügung gestellten Mittel nicht ohne Erfolg.

Im letzten Schuljahr, als der Bedarf an Sprachlehrkräften durch die Ankunft von Flüchtlingskindern dramatisch erhöht worden war, hat Klieme über Nacht mehr als 200 Lehrkräfte in den Schuldienst eingestellt. In kürzester Zeit hat er sogar Quereinsteiger*innen für die Aufgabe, Deutsch als Zielsprache zu unterrichten, qualifizieren lassen.

Diese Leistung wird nunmehr nach Ansicht der Linken Landtagsfraktion „von der Landesregierung und namentlich vom Bildungsministerium mit Füßen getreten“.

„Mit Schulamtsdirektor Klieme“, sagen die Linken „geht der letzte Sachverstand im Bereich Schule verloren, jetzt haben Bildungsminister Tullner und seine CDU freie Bahn für den geplanten Rückbau des Schulsystems“.

Es sind nicht einmal 2 Wochen vergangen,  als der Bildungsminister Marco Tullner durch die lokale Presse verkündete, dass keine personellen Veränderungen an der Spitze des Schulamtes zur Debatte ständen. Überraschenderweise hat der Minister nun seine Meinung geändert. Über die Beweggründe wird derzeit spekuliert. „Woher er die Gewissheit nimmt, dass ein Newcomer in der Lage ist, mittlerweile akute Probleme wie Gewährleistung des regulären Unterrichts, Verwirklichung der Inklusion bei Einsatz von Förderschullehrer*innen und Sprachlehrkräften als Ersatzgrundschullehrer*innen zu lösen, bedarf dringend einer Erklärung“, verlautet es aus dem Umfeld des Schulamtsleiters.

Torsten Klieme war von der Entscheidung des Bildungsministers selbst überrascht. Weitere Fragen von  HalleSpektrum möchte Klieme derzeit nicht beantworten.

 

 

 

 

Print Friendly

Startseite Foren Leiter des Landesschulamtes Klieme Tag vor Ablauf der Probezeit abgesetzt

Dieses Thema enthält 63 Antworten und 19 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Profilbild von keule keule vor 2 Monate, 3 Wochen.

Ansicht von 25 Beiträgen - 1 bis 25 (von insgesamt 64)
  • Autor
    Beiträge
  • #275865

    Am letzten Freitag, den 25. November 2016, erhielt der amtierende Leiter des Schulamtes, Torsten Klieme, vom Bildungsministerium die Anweisung, dass e
    [Der komplette Artikel: Leiter des Landesschulamtes Klieme Tag vor Ablauf der Probezeit abgesetzt]

    #275866

    Da muss man nicht ernstaft weinen. Klieme schert sich einen Teufel um die Interessen der Eltern.

    #275867
    Profilbild von Lou
    Lou

    Woher weißt du das? Und womit belegt du das?

    #275868

    Aus dienstlicher Erfahrung.

    #275869

    @SfK: Sollte es nicht eher um das Wohl der Kinder gehen?

    Oder um die Zukunft der schulischen Bildung?

    Glaube nicht, dass sich die kleine Groko LSA in diesem Punkt mit Ruhm bekleckert hat – s. Besetzung des Ministeriums mit Tullner und der Herumeierei bei der Besetzung der Sprachlehrerstellen. Klieme wurd als Bauernopfer herausgekegelt. Er hat keinen Hehl daraus gemacht, dass Tullner zu spät oder nicht an die Verlängerung der Lehrerstellen gedacht hat, dafür muß er jetzt büßen. Der größte Lump sitzt oben auf, wie es bei Willhelm Busch heißt.

    #275870

    Alles korrekt, Hei-Wu. Aber trotzdem: In seiner Funktion als Schulaufsicht nimmt Klieme die Eltern mit ihren Beschwerden nicht immer ernst und natürlich geht es dabei dnn um die Kinder.

    #275871

    Er soll sich ja auch um ein Gesamtwohl der Bildung einer Gesamtjugend kümmern und nicht um Interessen von Eltern.

    #275872

    Er hat in seiner Eigenschaft als Schulaufsicht auf mal seinen Mitarbeitern auf die Füße zu treten, wenn die Mist bauen. Und das passiert häufiger, als man denkt. In der Praxis versteht sich das Landesschulamt zu oft als Lehrergewerkschaft.

    #275886

    Deshab wurde er aber nicht rausgeschmissen, oder?

    #275888

    Das weiß nur Herr Tullner. Ich vermute mal, es hat andere Gründe.

    #275889

    3 Jahre Probezeit??

    #275891

    Genau, das habe ich mich auch gefragt, Elfriede.

    salzig ist das Meer, salzig ist der Fluss, salzig sind die Tränen, Salz ist in der Luft

    #275892

    @SfK
    woher nimmst deine Weisheiten?
    Herr Klieme war an den Schulen und nimmt die Probleme wahr, stellt ein was ihm möglich ist.
    Tullner nimmt das Problem doch nicht wirklich ernst. Tullner hat keinen Plan, das ist sein Problem, er kennt sich nicht aus!
    Klieme kann ja nicht personal einstelllen, deren Gehalt vom Land nicht existiert.

    #275893

    Welche „Sünden“ hat er denn begangen, wenn er jetzt der „Sündenbock“ ist? Dem Chef widersprechen? Oder weiß jemand noch von anderen Verfehlungen? Oder ist es eine reinpolitische Entscheidung?
    Die Vorgehensweise ist allerdings befremdlich, sowas hört man ja sonst nur von Erdogan.

    #275895

    Ich frage mich auch, wie der Nachfolger aussehen soll und was dieser denn so viel besser machen kann?
    Ich befürchte, dass Schulschließer Herr R., welche Ambitionen zu höheren Weihen sucht, siehe Beigeordnetenwahl, wohl nah am Thema dran ist.

    #275896

    Die Frage lautet doch: Ist die Kündigung gerechtfertigt bzw. wie wird diese begründet? Von Links und weiter Links lese ich nur inhaltsfreies Geningel. Gab es nicht erst neulich einen breit geführten Aufstand innerhalb des Amt´s gegen Herrn Klieme – Stichwort: personengefährdende Situationen. Dazu könnte die Redaktion mal bei Amt und Personalvertretung nachfragen 😉

    #275899

    Keine Kündigung übrigens!

    #275910

    Nochmal: Es geht mir nicht um fehlendes Geld, mit dem Klieme kein Personal anstellen konnte – so etwas geht freilich nicht und hat letztlich Minister bzw. Regierung verzapft. Es geht um Alltagsprobleme in den Schulen, bei denen Eltern auf Unterstützung durch die Schulaufsicht gehofft haben, aber nicht selten nur ein müdes Lächeln bekommen. Das betrifft Klieme nicht immer unmittelbar, aber eben mittelbar, weil er seine Dezernenten mit Ansichten von vorgestern nicht auf Linie bekommt.

    #275916

    Das wird jetzt mit Kliemes Nachfolger sicher besser, oder?

    #275917

    Du erwartest hoffentlich keine Antwort auf eine rhetorische Frage. Aber trotzdem: Ich erwarte von einem modernen Staat, dass er seine Bürger ernst nimmt.

    #275918

    Seltsam, beim Thema Sprachlehrer war Tullner so sprachlos, er musste zum Jagen getragen werden. Vielleicht brauchte er ja dringend ein Bauernopfer oder für einen Parteigenossen einen Arbeitsplatz?

    #275919

    Welche Linie hätte SfK den gern?

    #275928

    Übrigens beträgt die Probezeit für Beamte auf Lebenszeit in Sachsen-Anhalt 2 Jahre. Weiß einer warum es bei ihm nun 3 Jahre waren? Vielleicht war er auch nur nicht sonderlich talentiert?

    #275929
    Profilbild von
    Anonym

    Übrigens beträgt die Probezeit für Beamte auf Lebenszeit in Sachsen-Anhalt 2 Jahre.

    Übrigens ist das nicht richtig. Sie kann kürzer sein oder bis zu 5 Jahre dauern.

    #275933

    Es hat, bei allem Für und Wider Thiemes, doch ein Gschmäckle für die Landesregierung. Und ja, sich bei seinem Chef unbeliebt zu machen, kann schon eine Versetzung begründen.
    Allerdings lebt er jetzt, wenn auch nur mit A13 statt B3, ruhiger. Und das verfahren vor dem verwaltungsgericht steht ja noch aus. Es könnte so enden wie beim Herrn Stahlknecht…

Ansicht von 25 Beiträgen - 1 bis 25 (von insgesamt 64)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.