Halle ist 2 Milliarden Euro wert

7. Mai 2013 | Politik | 1 Kommentar

Erstmals liegt nun auf dem Tisch, wie viel eigentlich Halle wert ist. Die Saalestadt hat am Dienstag ihre Eröffnungsbilanz mit einem Umfang von 2 Milliarden Euro vorgestellt. Diese war eine Grundvoraussetzung für die Umstellung der Kameralistik auf die doppische Buchführung. Ein nüchternes Zahlenthema, bei den Medien der Stadt stößt das offenbar auf wenig Interesse. Stadtsprecher Drago Bock zeigte sich erstaunt darüber, dass nur drei Journalisten gekommen waren.

Dabei kann die Stadt nun erstmals ihr Reinvermögen und ihre Schulden transparent darstellen. Bislang sei die Debatte immer auf die Verschuldung fokussiert gewesen, die Vermögenswerte habe man aber nicht gegenüber stellen können. Geier gestand ein, dass die Aufstellung der Eröffnungsbilanz durchaus hätte schneller geschehen können. Doch habe ein großes Mengengerüst abgearbeitet werden müssten. 52,5 Millionen Quadratmeter Fläche mussten bewertet werden, 9.800 Flurstücke, 1.600 Straßen, 130 Brücken, 900 Gebäude und 250.000 bewegliche Anlagegüter wie Kunstgegenstände und Möbel. „Das braucht eine gewisse Zeit“, so Geier. Schließlich sei man bei der Bewertung an gesetzliche Vorgaben des Landes gebunden. Dank der Eröffnungsbilanz werde nun künftig sichtbar, ob es zu einer Vermögensvermehrung oder einem Vermögensverlust kommt.

Die zwei Milliarden Euro teilen sich auf immaterielles Vermögen (765.000), Finanzanlagevermögen (672 Mio), Vorräte (37.000), öffentlich-rechtliche Forderungen (20,5 Mio), privatrechtliche Forderungen (7 Mio) und liquide Mittel (72 Mio) auf. Den größten Anteil der Bilanz macht jedoch das Sachanlagevermögen mit 1,2 Milliarden Euro aus, darunter 106 Millionen Euro unbebaute Grundstücke, 461 Millionen Euro bebaute Grundstücke und 550 Millionen Euro die Infrastruktur. So ist laut Bilanz der Marktplatz 1,478 Millionen Euro wert. Diese richte sich, so Sparberater Jens Rauchenbach, nach dem Bodenrichtwert von 1.650 Euro pro Quadratmeter. Für kommunale Grundstücke dürften dafür 30 Prozent herangezogen werden. Der 1928 errichtete Ratshof wird mit 17,1 Millionen Euro bewertet. Die Amtskette des Oberbürgermeisters mit einem Euro.

Mit knapp 900 Millionen Euro, also 45,6 Prozent der Gesamtbilanz, bescheinigt Sparberater Jens Rauschenbach der Stadt eine „sehr gute Eigenkapitalbasis.“ Magdeburg beispielsweise komme auf 758 Millionen Euro, das entspricht 38,1 Prozent. Nimmt man für Halle das sogenannte „wirtschaftliche Eigenkapital“ mit in Sonderposten enthaltenen Zuschüssen, so kommt die Stadt auf eine Quote von 63,1 Prozent, das entspricht 1,243 Millionen Euro. Die Rückstellungen der Stadt liegen bei 179 Millionen Euro, die Verbindlichkeiten bei 524 Millionen Euro – darunter 259 Mio Euro Investitions- und 239 Mio Euro Kassenkredite.

Nun ließe sich natürlich der Schuldenstand durch den Vermögensverkauf natürlich mit einem Schlag abbauen. Sprich: die Stadt trennt sich von ihrem Tafelsilber. Davon hält Sparberater Jens Rauschenbach nichts, dies mache wirtschaftlich keinen Sinn. Viel mehr gelte es, einen Substanzverlust durch Eigenkapitalverbrauch zu verhindern. Künftig wird nun jedes Jahr eine solche Bilanz aufgestellt. Und Anhand der Eigenkapitalquote kann ein etwaiger Werteverlust aufgezeigt werden. Denn nun werden auch Abschreibungen mit aufgeführt. Oberbürgermeister Bernd Wiegands großes Ziel ist auch weiterhin die schwarze Null. Es sei „ganz wichtig, die Vermögenswerte zu erhalten“, meinte Finanzdezernent Egbert Geier. Der Werteverzehr in Form von Abschreibungen könne nun dargestellt werden. Damit habe man ein besseres Steuerungsinstrument, um den Instandhaltungsrückstau auflösen.

Bis Juli sollen sich die Stadträte nun mit der Eröffnungsbilanz beschäftigen. Im September will die Stadt dann Nachtragshaushalt und den Etat 2014 einbringen. Auch das neue Konsolidierungskonzept soll dann kommen.

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