Der Spiegel: wie Halle rechtsradikal gemacht wird

3. April 2013 | Politik | 3 Kommentare

Die Debatte um einen Artikel im aktuellen Spiegel nimmt kein Ende. Nachdem nun auch Fernseh- und Radiosender aufgesprungen sind und Kritik an dem Beitrag üben, in dem Halle (Saale) als rechtsextreme Hochburg bezeichnet wird, sieht sich das Nachrichtenmagazin nun zur Reaktion gezwungen. Und haut einen drauf.

Denn als Argumentation muss der NPD-Wähleranteil von 9,8 Prozent im Industriegebiet Halle-Nord herhalten. Tatsächlich erzielte die rechtsextreme Partei dort diesen Prozentsatz. Das aber entspricht sagenhaften 9 Wählern! Vielleicht macht der Spiegelautor demnächst auch eine Umfrage bei einer NPD-Demo nach den Parteipräferenzen, um noch eins draufzusetzen und zu für die Zeitung noch „markanteren“ Stimmanteilen für eine 230.000 Einwohner-Stadt zu kommen – von denen 3.157 bei der letzten Landtagswahl ihre Stimme der NPD gegeben haben.

Weiter schreibt Autor Gordon Repinski in seinem neuerlichen Artikel zur Kandidatur von Karamba Diaby: „Pikant wird die Personalie dadurch, dass er in Halle, Sachsen-Anhalt, seinen Wahlkreis hat – und dadurch im nahenden Wahlkampf auch mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert werden könnte.“ Er könnte also mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert werden. Doch sicher nicht nur in Halle, sondern auch im in Hamburg, auf Westerland oder am Bodensee.

Weiter argumentiert Repinski, dass Diaby ja „erst vor zwei Jahren als Reaktion auf ein Statement in einer Zeitung Schmähbriefe erhalten hat und als „Bimbo“ und „Nigger“ diffamiert wurde.“ Die Zeitung war die rechte „Junge Freiheit“, was Repinski gar nicht erwähnt. Und die Beschimpfungen sind Diaby tatsächlich in Halle widerfahren – aber virtuell an seinem Computer. Die Hassmails kamen aus dem gesamten Bundesgebiet

Und Repinski wettert weiter. „In Halle existieren zwei „die Szene prägende“ Gruppen mit einer zweistelligen Anzahl aktiver Personen und höherem „Mobilisierungspotential bei szenetypischen Veranstaltungen“.“, zitiert er aus dem Landesverfassungsschutzbericht. Eine zweistellige aktive Zahl. Bei wie gesagt 230.000 Einwohnern. „Im März 2011 organisierte eine der Gruppen ein „Nationales Fußballturnier“ in der Gemeinde Kabelsketal (die zum Wahlkreis Karamba Diabys gehört). Das Ziel derartiger Veranstaltungen sei die „Schaffung eines neuen Deutschlands“. Die andere Gruppierung verteilte unter anderem fremdenfeindliche Flugblätter und richtet Kameradschaftsabende aus“, führt Repinski weiter aus.

Und dann müssen die Nazi-Demos herhalten. „Am 1. Mai marschierten zudem, unterstützt durch die lokalen Rechtsextremen, mehrere hundert Rechte durch Halle.“ Die, lieber Herr Repinski, kamen zu großen Teilen mit Zügen aus ganz Deutschland angekarrt. Was, wenn die Neonazis nun bei Ihnen vorm Haus eine Demo organisieren? Ist dann Ihre Straße rechtsradikal, Herr Repinski? Nach ihrer bisher an den Tag gelegten Logik auf jeden Fall…

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