Winterzeit – Saunazeit

10. Februar 2017 | Natur & Gesundheit | Keine Kommentare

Sauna 1aDas Saunabaden erfreut sich vor allem in den Wintermonaten großer Beliebtheit – Schätzungen zufolge sind weit mehr als ein Drittel der Deutschen regelmäßige Saunagänger. Dabei werden die positiven Wirkungen der Sauna noch immer weit unterschätzt, wie Saunaexperte PD Dr. Rainer Brenke aus Berlin in einer einschlägigen Fachzeitschrift betonte. So hat eine neuere Studie ergeben, dass das Herzinfarkt-Risiko bei Männern, die regelmäßig saunieren, deutlich geringer ist, und zwar umso geringer, je öfter und länger das Saunabad stattfand (Finnland 2015). Auch die Infektanfälligkeit verringert sich: nach einem wöchentlichen Saunabesuch über 3 Monate ist die Anzahl an grippalen Infekten um die Hälfte verringert, die dennoch auftretenden Infekte verlaufen milder und kürzer als bei Kontrollpersonen. Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Schuppenflechte und Rheuma profitieren ebenfalls von regelmäßigen Saunabesuchen.

Was gilt es aber zu beachten, um den vollen Saunaspaß mit allen positiven Effekten zu genießen?

Sauna 2Die klassische Sauna, für die die Mehrzahl positiver Gesundheitswirkungen nachgewiesen wurde, ist die finnische Sauna. Diese ist heiß und trocken, d. h. 80 – 90°C bei < 20% Luftfeuchte. Auf einen Saunagang von 12 bis 15 min folgt die Abkühlung mit anschließender Nachruhe. Beides ist für die Wirkung unabdingbar: Das Saunabaden stellt einen modifizierten Kaltreiz dar. Nicht auf die Erwärmung, sondern auf die richtige Abkühlung kommt es also an, wenn man einen Gesundheitseffekt erzielen will. Während des Schwitzens in der Saunakabine wird die Körpertemperatur konstant gehalten, reguliert durch die Verdunstung in der heißen, aber trockenen Luft. Erst nach der Abkühlung, idealerweise mit dem Gießschlauch, stellt sich die Überwärmung der sonst kühlen Hände und Füße ein, erkennbar an der andauernden Rötung und Durchblutungsförderung (reaktive Hyperämie). Und genau auf diese reaktive Hyperämie reagiert das Immunsystem mit einer Aktivitätssteigerung. Dazu soll man ihm mindestens 20-30 min Zeit lassen (Nachruhe), bevor man einen zweiten und evtl. dritten Saunagang anschließt.

Aber nicht nur das Immunsystem wird beim Saunabaden trainiert. Ein Saunaaufenthalt entspricht etwa einer Belastung von 75 Watt auf dem Fahrradergometer. Entsprechend ist auch für Herzpatienten, die diese 75 Watt schaffen, das Saunabaden erlaubt und erwünscht. Die Regel lautet „Wer die Sauna zu Fuß erreichen kann, darf sie auch benutzen“. Ein eingestellter erhöhter Blutdruck ist dabei kein Hinderungsgrund. Allerdings gilt auch hier: entscheidend ist die Abkühlung. Für Hypertoniker tabu ist das kalte Tauchbecken. Denn beim Eintauchen ins kalte Wasser werden schlagartig alle Hautgefäße verengt und der Blutdruck steigt auch bei Gesunden auf Werte über 200 mm Hg.

Sauna 4Zum Abkühlen soll das Wasser die Hautreaktion nicht stören, sondern Beine und Arme ohne Druck umfließen. Dafür ist die Brause ungeeignet, besser eignet sich der Schlauch. Dazu gibt es Anschlussstücke mit Steckverbindung, die man bequem gegen den Brausekopf tauschen kann. Man beginnt jeweils körperfern mit dem Gießen, also an der Kleinzehe, geht an der Außenseite nach oben und an der Innenseite wieder nach unten bis zur Großzehe. Dann folgt das andere Bein, die Arme, das Gesicht und dann Rücken und Brust. Anschließend nicht rubbeln, sondern trockentupfen und es sich auf der Liege bequem machen. Arme und Beine sollten jetzt schön warm und der ganze Körper entspannt sein. Dann folgt der nächste Saunagang.

Spätestens jetzt geht es an Trinken: am besten Wasser, Fruchtsaft oder kalten Tee. Auch Früchte oder Obstsalat tun jetzt gut. Keinesfalls sollte es Alkohol sein, auch Kaffee oder schwarzer Tee sind ungeeignet. Und die nächste Zigarette, so sie nicht vermieden werden kann, muss auch mindestens 1 Stunde warten.

sauna1Wer die Sauna im Fitnessstudio oder im Schwimmbad nutzt, sollte immer als Abschluss in die Sauna gehen. Kein Schwimmen nach der Sauna. Wer im eigenen Haus ein Plätzchen findet, für den lohnt sich sicher auch die Sauna zu Hause. Für eine kleine Kabine reicht ein Platz von ca. 2m² und eine separat abgesicherte Steckdose, im Bad oder einem geeigneten Kellerraum. Und wie ist es mit der als Alternative angepriesenen Infrarotkabine? Diese ist in ihrer Wirkung keinesfalls mit der klassischen Sauna vergleichbar: es findet eine passive Erwärmung ohne Abkühlung und anschließende Immunreaktion statt. Auch das Kreislauftraining fehlt. Ähnlich verhält es sich mit den niedriger temperierten Saunen. Eine Temperaturanpassung sollte eher durch die Bankhöhe oder die Sitz- / Liegeposition erfolgen.

Auch für Kinder und Schwangere ist das Saunabaden geeignet. Die ersten Untersuchungen hierzu wurden übrigens schon in den 70er und 80er Jahren durchgeführt, in Halleschen Kindergärten, wie Mitglieder des Kneippvereins Halle-Saalekreis e. V. erzählen.

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