Wildkatze mit Frühlingsgefühlen

9. März 2017 | Natur & Gesundheit | Keine Kommentare

Petersberg: Wenn in den letzten Wochen dieses Winters für die europäische Wildkatze in Deutschlands Wäldern die Ranz – also die Paarungszeit – beginnt, begibt sich der Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND) wieder vielerorts auf die Suche nach neuen Nachweisen der seltenen Katze.

Wildkatze. Foto: Thomas Stephan / BUND

„Wir hoffen, dass sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzt und die Wildkatze sich weiter ausbreitet. Dazu untersuchen meine Kollegen in diesem Jahr einerseits bekannte Wildkatzenregionen, um zu sehen, ob sich die Tiere dauerhaft etablieren. Andererseits überprüfen wir bis dato ungeklärte ‚weiße Flecken’“, sagt Nicole Hermes, Wildkatzen-Expertin beim BUND-Regionalverband Halle-Saalekreis, „Für Sachsen-Anhalt konnten wir seit 2012 bereits 118 Wildkatzenindividuen nachweisen, vor allem im Harz als Kernverbreitungsgebiet, aber auch in vielen Naturschutzgebieten im südwestlichen Landesteil und im Burgenlandkreis. Der Stadt Halle am nächsten waren bisher zwei Lebendnachweise der Wildkatze bei Schmon im Saalekreis und nahe des Süßen Sees bei Eisleben im letztjährigen Winter. Unbestätigte Hinweise anhand von Sichtmeldungen gab es bisher für Schkopau, ebenso für Bernburg und Aken. In dieser Saison hoffen meine Kollegen und ich insbesondere auf Nachweise der Wildkatze an der Goitzsche und in der Dübener Heide, um ihre Ausbreitungswege in den Leipziger Auwald nachvollziehen zu können. Für die Dübener Heide konnte vor wenigen Tagen ein Kater bestätigt werden, der eng mit den Wildkatzen aus dem Harzvorland verwandt ist, genauso wie die Wildkatzen des Leipziger Auwalds. Für unsere Projekte in Sachsen-Anhalt warten wir auf Fördermittel, so dass wir unsere Arbeit für den Schutz der Wildkatze weiterhin fortführen können. Dazu suchen wir auch immer engagierte Ehrenamtliche und Freiwillige.“ erläutert Nicole Hermes.

Mit dem „Rettungsnetz Wildkatze“ engagiert sich der BUND seit über zehn Jahren für die Europäischen Wildkatze in Deutschland. Um ihrer Verbreitung auf die Spur zu kommen, nutzen die Experten, darunter viele ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer, die sogenannte Lockstock-Methode. Lockstöcke sind mit einer Baldriantinktur eingesprühte Holzstöcke, deren Geruch die Katzen anlocken. Sie werden in den Untersuchungsgebieten nach einem speziellen Schema gesetzt und regelmäßig überprüft. Denn wenn sich die Tiere am Lockstock reiben, bleiben an der rauen Oberfläche Haare hängen, die gesammelt und im Labor analysiert werden

Die Europäische Wildkatze als eigene Art ist eine einheimische Raubkatze, eine echte Ureinwohnerin Europas. Sie lebt zurückgezogen in den wenigen verbliebenen naturnahen Wäldern und steht damit wie kaum ein anderes Tier für die letzte Wildnis in Deutschland. Zu Beginn der 20. Jahrhunderts fast ausgerottet, gibt es heute schätzungsweise 5.000 – 7.000 Individuen.

„Die größte Bedrohung der Wildkatze ist die Zerschneidung und Verarmung ihres Lebensraums durch strukturarme landwirtschaftliche Monokulturen, Straßen und Siedlungen“, so Ralf Meyer, Landesvorsitzender des BUND Sachsen-Anhalt. „Damit sie und viele andere gefährdete Tiere eine echte Überlebenschance haben, braucht es dringend ein Netzwerk an verbundenen Wäldern. Deshalb fordern wir vom BUND eine ‚grüne Infrastruktur‘ für Deutschland.“

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