Werwölfe in der Altmark gesichtet?

13. April 2017 | Natur & Gesundheit | 2 Kommentare

Ein Wanderwolf auf dem Luther-Wanderweg (© H. Schulze/Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-
Anhalt).

Neues aus dem Wolfsland Sachsen-Anhalt: Die Hysterie ergreift weite Teile der CDU. Nicht Arbeitslosigkeit, Landflucht oder mangelnde wirtschaftliche Entwicklung sind das Problem. Der Wolf hat das Land im Griff! Oder hat man in der CDU ein Angstthema entdeckt, das nichts mit Flüchtlingen zu tun hat und mit dem trefflich Wahlkampf betrieben werden kann? An den Stammtischen werden erste Abschussprämien ausgegeben und die Waffenschränke sind weit geöffnet. Wie kann dies noch gesteigert werden? HalleSpektrum wagt die Prognose, es ist gar nicht so weit hin, da begnügt man sich nicht mehr mit ein paar räudigen Wolfsrudeln: Ein richtiges Biest muß her! Wir werden es erleben, da wird in der Altmark der erste Werwolf gesichtet. Hoffentlich hat er dann das richtige, äh, das falsche Parteibuch, also keins von den richtigen…

Beginnen wir lieber mit den Stellungnahmen, die uns im Wolfsland erreichten. Die FDP möchte dem Wolf den Fangschuss geben, wir hoffen, das gilt nicht für Werwölfe aus der eigenen Partei:

FDP: Aufnahme ins Jagdrecht und Fangschuss für Problemwölfe

 „Die Population des Wolfes entwickelt sich rasant. Um die Art einerseits zu erhalten, andererseits bei Problemen mit Wölfen auch handeln zu können, schlagen wir ein bundesweit einheitliches Monitoringprogramm vor“, erklärt Dr. Lydia Hüskens, stellvertretende Landesvorsitzende der FDP Sachsen-Anhalt.  Zudem solle der Wolf bei ganzjährigem Schutz in das Jagdrecht.

Wird er zum Problemwolf?

In dem am 27. Ordentlichen Parteitag beschlossenen Antrag „Umgang mit Wölfen“, fordern wir Freien Demokraten die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. Dieses Jagdrecht soll besonders sicherstellen, dass verletzten Wölfen der Fangschuss gegeben werden darf, etwa nach Unfällen mit Kraftfahrzeugen. Zugleich ermöglicht dies auch zügiges Handeln, wenn etwa einzelne Wölfe zu Problemen werden.

Zudem muss der derzeitige Schadensausgleich neu geregelt werden. Inhaltlich sollte diese Neuregelung einen Rechtsanspruch für vom Wolf verursachte Schäden für alle Halter von Weidetierarten beinhalten. Über Richtlinien, die mit den Nutztierhalterverbänden abgestimmt werden, sollen entstandene Schäden schnell ausgeglichen werden.  Beide Maßnahmen sind erforderlich, um die Akzeptanz für frei lebende Wölfe zu erhöhen. Aktuell habe die Landesregierung die Sorgen der Menschen zu wenig im Blick.

Soweit die FDP. Was also tun mit den Wölfen im Land? Die Stellungnahme der Fangschuss-Demokratie-Partei konnte von den Leuten, die mit dem Wolf gerne kuscheln, nicht unwidersprochen bleiben. Die Wolfs-Gang der Grünen schickte uns Folgendes zu:

Unaufgeregtes Handeln – statt Panik und unsinniger Forderungen

Wolfgang Aldag in Tarnkleidung auf Wolfsbeobachtung auf der Ziegelwiese

„Nun reiht sich die FDP als die nächste Partei in die Forderung ein, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Das hat die FDP auf ihrem Parteitag am vergangenen Wochenende beschlossen. Wieder einmal beweist das, dass sich die Verantwortlichen nicht ausreichend mit dem Thema beschäftigen und ihre Unkenntnis unter Beweis stellen. Auf Grund des EU-Schutzstatus würde bei der Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht automatisch eine ganzjährige Schonfrist für den Wolf eintreten und somit keinerlei Veränderung zu den jetzigen Regelungen eintreten.“

„Ähnlich wie einige Abgeordnete der CDU, die sich nicht scheuen, sogar den Ministerpräsidenten in Richtung Brüssel zu schicken um den Schutzstatus des Wolfes verändern zu wollen, trägt auch die FDP nichts dazu bei, sich der Herausforderung im Umgang mit dem Wolf wirklich zu stellen um eine unaufgeregte sachliche Debatte zu führen. Auch beim Gang nach Brüssel wird man sich eine blutige Nase holen, hat doch erst kürzlich die Sächsische Landesregierung bei der EU nach einer Lockerung des Schutzstatus angefragt und eine klare und deutliche Absage erhalten. Es wäre mehr als peinlich jetzt den gleichen Weg beschreiten zu wollen.“

Die Herausforderung im Umgang mit dem Wolf taugt nicht zum Wahlkampfthema.

CDU: Die Bäume stören im Wald auch!

„Bei all dem Geschrei um die Aufnahme ins Jagdrecht wird überhaupt nicht die mögliche Konsequenz für die Jägerschaft bedacht. Offen ist zum Beispiel die Frage ob bei der Aufnahme in das Jagdrecht inkl. Hegepflicht die Jägerschaft, wie bei Schäden (z.B. Nutztierrissen) durch Rehe und Wildschweine, haftet. Die Sicherheit für Mensch und Tier ist außerdem nicht abhängig von der Zahl der Wölfe, sondern vom Umgang mit Problemwölfen. Hier gibt es bereits alle notwendigen Möglichkeiten. Bei einer Aufnahme in das Jagdrecht würden auch Tiere aus intakten scheuen Rudeln getötet werden, was zu mehr Unsicherheit führen würde. Auch hier gilt es noch mal ganz genau zu überlegen, was man mit der lauten, aber sachlich falschen Forderung bewirkt.“

„Die Herausforderung im Umgang mit dem Wolf taugt nicht zum Wahlkampfthema. Woche für Woche wird Panik und Angst durch Abgeordnete verbreitet anstatt aufzuklären und der Bevölkerung zu erläutern, wie die Landesregierung handelt. Mit der Leitlinie Wolf und der Einrichtung des Wolfkompetenzzentrums in Iden hat Prof. Dr. Claudia Dalbert, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, nach Jahren des Nichtstun der Vorgängerregierung schnell und umfassend gehandelt. Das Spektrum des Handels geht dabei vom Monitoring bis zum Abschuss von sogenannten Problemwölfen.“

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