Vorfrühling an der Saale

21. Februar 2017 | Natur & Gesundheit | 1 Kommentar
Winterlinge im Park und Brachmann-Stein

Winterlinge im Park und Brachmann-Stein

Während morgens noch der Reif auf Wiese und Zweigen glitzert, lockt mittags die Sonne zu einem Spaziergang an die Saale. Erste Anzeichen für den nahenden Frühling finden sich im Garten: Die Blüten von Krokussen und Schneeglöckchen sind noch geschlossen, aber die Zaubernuss (Hamamelis) steht in voller Blüte. Im Gutspark lockt der erste Frühlingsschmuck: vor dem Gedächtnisstein der romantischen Dichterin Louise Brachmann (1777 bis 1822), die 45jährig aus Liebeskummer in der Saale Suizid beging, blühen gelb die Winterlinge. In wenigen Tagen wird der Boden hier weiß bedeckt von Schneeglöckchen sein, ein paar Wochen später blau von Blausternen (Scilla). Auf der Wiese sucht der Grünspecht nach Ameisennestern.

Grünspecht sucht nach Ameisennestern

Grünspecht sucht nach Ameisennestern

Auf der Saale tummeln sich neben den einheimischen Stockenten noch etliche Wintergäste. Die schwarzen Taucher mit dem weißen Fleck auf der Stirn, die Blässhühner, sind erst vor wenigen Wochen eingetroffen. Zum Jahreswechsel konnte man sie kaum beobachten. Auch einige Eiderenten, eigentlich Küstenbewohner, hat der Winter auf die Saale gelockt.

Eiderente

Eiderente

Viele Wintergäste

Die Möwen (sind es Sturmmöwen oder Dreizehenmöwen?) sieht man dagegen mittlerweile das ganze Jahr über auf der Saale. Zu den Wintergästen gehören auch die Kormorane, die wir in Scharen bis zu 30 Tieren beobachten. Abends sitzen sie im derzeit kahlen Geäst der Uferbäume, um morgens wieder auf Fischzug zu gehen. Im Gegensatz zum schwarz glänzenden Gefieder der erwachsenen Vögel haben die Jungtiere einen weißen Bauch. Darin gleichen sie der Schwanenfamilie, deren Junge noch „hässliche Entlein“ mit schmutzig-braunem Gefieder sind, während die Eltern in strahlendem Weiß auf der Saale schwimmen.

Graureiher an der Steinmühle

Graureiher an der Steinmühle

An der Steinmühle wartet der Graureiher auf Beute, wahrscheinlich landen die Fische hier in einer Falle, so dass der Tisch für ihn reichlich gedeckt ist. Ich sehe ihn hier jeden Morgen, oft zu zweit und in Gesellschaft von 10 bis 15 Kormoranen. An der Elisabethsaale steht dagegen seit ein paar Tagen ein schneeweißer Reiher: ein Silberreiher. Auch ein Wintergast? Und noch eine Überraschung wartet an der Elisabethsaale: zwei Entenküken. Die Entenmutter muss im Januar gebrütet haben. Leider kriege ich die Kleinen nicht vor die Kamera, wie auch den Eisvogel, der an der Peißnitzbrücke wie ein blauer Blitz an mir vorbeischießt.

Silberreihe seit ca. einer Woche an der Saale

Silberreiher seit ca. einer Woche an der Saale

Die Nutrias tummeln sich reichlich an den Plätzen, an denen von Spaziergängern Enten und Schwäne gefüttert werden. Sie sind tagaktiv, im Gegensatz zu Justin, dem Biber, den wir nicht zu Gesicht bekommen. Aber die Spuren seiner Tätigkeit finden wir reichlich: angenagte Bäume am Rand der Jungfernwiese und der Peißnitz-Nordspitze zeugen von seiner Aktivität, ebenso wie bereits gefällte Bäume, von denen er die Rinde abknabbert. Sein Appetit ist gewaltig. Hat er mittlerweile eine ganze Familie zu versorgen?

Zuletzt begegnen wir noch dem Eichhörnchen. Bei den milden Temperaturen unterbricht es seinen Winterschlaf und sucht nach vergrabenen „Schätzen“: Wo sind meine Nüsse, Eicheln und Co.? Die possierlichen Tierchen kommen dafür auch aufs Fensterbrett. Auch sie brauchen unseren Schutz: In England und Schottland wird landesweit zum Schutz des einheimischen roten Eichhörnchens (red squirrel) aufgerufen, weil es sich nicht gegen das eingewanderte graue Eichhörnchen (grey squirrel) durchsetzen kann. Hierzulande haben wir dieses Verdrängungsproblem noch nicht, sollten uns aber trotzdem für den Schutz der einheimischen Fauna einsetzen. Nutrias und Waschbären bereiten derzeit an der Saale schon genug Sorgen.

Justin, der Biber, ist fleissig.

Justin, der Biber, ist fleissig.

Obwohl die Sonne sich nach kurzer Zeit verabschiedet und uns wohl noch einige Frostnächte bevorstehen, lässt sich das nahen des Frühlings nicht übersehen. Auch die Vögel zwitschern anders, fröhlicher als in den Wintertagen. Es kann also nicht mehr lange dauern (hoffen wir).

AK

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