Dringender Handlungsbedarf wegen Nitratbelastung

17. November 2016 | Nachrichten, Natur & Gesundheit, Politik | 2 Kommentare

Auf der heutigen Sitzung des Umweltausschusses wurde auf Antrag der SPD-Landtagsfraktion die Nitratbelastung des Grundwassers in Sachsen-Anhalt thematisiert. Messungen für das Jahr 2015 ergaben, dass von den 471 Messstellen 102 eine Nitratbelastung über dem Grenzwert von 50 mg/l aufweisen.

Dazu erklärt Jürgen Barth, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion:

„Wenn über 20 Prozent der Grundwassermessstellen den Nitratgrenzwert von 50 mg/l überschreiten, so sehen wir das mit großer Besorgnis. In vielen Regionen von Deutschland ist die Nitratbelastung des Grundwassers auf hohe Tierbestände zurück zu führen. In Sachsen-Anhalt kann dies nur lokal begrenzt der Fall sein, da wir einen sehr niedrigen Tierbestand im Land haben. Wichtig ist, dass wir gemeinsam mit den Landwirten die Erfordernisse der guten fachlichen Praxis stringent umsetzen. Außerdem bedarf es einer umfassenden Ursachenanalyse der betroffenen  Grundwasserkörper, um gezielt Maßnahmen zur Reduzierung des Nitratgehalts einzuleiten. Hier ist das Land in der Verantwortung, seine Hausaufgaben zu machen und dem dringenden Handlungsbedarf nachzukommen.“

Dagegen meint die die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH zum Trinkwasser:

Verteilung der in den verschiedenen Wasserwerken der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH aufbereiteten Wässer.

Verteilung der in den verschiedenen Wasserwerken der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH aufbereiteten Wässer.

Trinkwasser enthält nicht zu viel Nitrat

„Trinkwasser darf in Deutschland nur verteilt werden, wenn der Nitratgehalt unterhalb eines Grenzwertes von 50 mg/L liegt, der in der Trinkwasserverordnung festgelegt ist.“, so Dr. Peter Michalik, technischer Geschäftsführer des Unternehmens. „Ist ein Versorgungsgebiet von zu hohen Nitratwerten im Grundwasser betroffen, so wird das gewonnene Grundwasser entweder mit Wasser aus nicht betroffenen Brunnen gemischt, technologisch aufwändig und damit kostenintensiv aufbereitet oder man entscheidet sich für den Bezug von Fernwasser, wie in vielen Gebieten des mitteldeutschen Raumes.“, informiert der Geschäftsführer weiter.

Die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH gewinnt ihr Trinkwasser aus der Rappbode-Talsperre im Harz und der Elbaue bei Torgau und verteilt es im gesamten südlichen Sachsen-Anhalt, Nordsachsen und Teilen Nordthüringens. Trinkwasser, das im Wasserwerk Wienrode im Harz gewonnen wird, hat einen Nitratgehalt von 5,7 mg/L. Trinkwasser aus den Elbaue Wasserwerken Mockritz und Torgau-Ost ist durch Nitratgehalte von 1,9 bzw. 2,1 mg/L gekennzeichnet.

Michalik will den Verbrauchern die Sorge nehmen, Wasser aus der Leitung sei gesundheitlich bedenklich. Tatsächlich ist die Beschaffenheit von Trinkwasser für den menschlichen Gebrauch durch strenge Grenzwerte geregelt, die in der Trinkwasserverordnung festgeschrieben sind. Deren Einhaltung wird von den Gesundheitsämtern in jedem Landkreis überwacht. Allein die Gesundheitsämter können auch Ausnahmegenehmigungen aussprechen, um zum Beispiel technische Lösungen wie den Bau neuer Anlagen zu ermöglichen.

Dass manche Gebiete in Deutschland einen zu hohen Nitratgehalt im Grundwasser verzeichnen, ist dennoch alarmierend. Der Nitratüberschuss ist nicht der natürlichen Beschaffenheit des Bodens zuzuschreiben, wie es zum Beispiel im Fall von Uran oftmals festzustellen ist, sondern Auswirkung menschlichen Handelns. Überdüngung durch Gülle, das Ausbringen von Gärresten der Biogasproduktion sowie zu viel Kunststoffdünger sind die Ursachen dafür.

Daher fordert die Wasserwirtschaft bereits seit langem eine Verschärfung der Düngemittelverordnung und plädiert für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Aber auch jeder Einzelne müsse sich fragen, was er mit seinem Verhalten zur Beeinflussung der Umwelt beiträgt und wie er einen langfristig umweltverträglicheren Lebensstil erreichen könne, so Fernwasser-Geschäftsführer Dr. Peter Michalik, der ehrenamtlich auch im Vorstand Wasser des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW aktiv ist.

Hintergrund:

Die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH ist ein Vorversorger und beliefert örtlich und regional tätige Wasserversorgungsunternehmen, Wasserzweckverbände und Industriekunden mit Trinkwasser aus dem Harz und der Elbaue im Raum Torgau. Das Versorgungsgebiet des Unternehmens reicht von Halberstadt im Harz über Halle und Leipzig bis Torgau an der Elbe und erstreckt sich südlich bis Freyburg und Zeitz.

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