Was bedeutet Weihnachten für Christen, Muslime und Juden?

24. Dezember 2016 | Bildung, Kultur | 4 Kommentare
Weihnachtskrippe

Weihnachtskrippe

Weihnachten ist das beliebteste Fest in Deutschland und wird über alle kulturellen und weltanschaulichen Grenzen hinweg gefeiert. Es hat sich zum wichtigsten Fest der Familien entwickelt und steht als Symbol für Frieden, Liebe und Sehnsucht nach Gemeinschaft. Selbst zu DDR-Zeiten hatte es diese Bedeutung, wovon wunderschöne Lieder ohne den eigentlichen christlichen Hintergrund zeugen. Stellvertretend sei das Lied „Tausend Sterne sind ein Dom“ genannt. Was sind aber die kulturellen Wurzeln des Weihnachtsfestes?

Weihnachten ist nicht das älteste und nicht das wichtigste christliche Fest (das ist Karfreitag und Ostern). Aber es wird am meisten gefeiert. Die Kirchen sind nie so voll wie zu Weihnachten. Die „Weihnachtsgeschichte“ aus dem Lukasevangelium, die auf den 24. Dezember datiert wird, ist allgemein bekannt und soll hier nicht wiederholt werden. Nur ganz kurz: Die hochschwangere Maria ist mit ihrem Verlobten Josef unterwegs in ihre Heimatstadt Bethlehem, um sich registrieren zu lassen (in die Steuerliste des römischen Kaisers Augustus). Sie sind keine Flüchtlinge (das werden sie später), finden aber trotzdem keine Unterkunft in der überfüllten Stadt. So bringt Maria in einem Stall ihr Kind zur Welt, von dem ein Engel verkündet: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr“. Die Engel singen „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ Das ist wohl die wichtigste Weihnachtsbotschaft, wir wünschen sie allen Menschen auf Erden. Und im „Land der Reformation“ gibt es am Abend des 24. Dezember Geschenke für alle.
Weihnachten beginnt also mit dem 24. Dezember, ist damit aber nicht zu Ende. Bis zum 6. Januar geht die eigentliche Festzeit. In den orthodoxen Kirchen und auch in traditionell katholisch geprägten Regionen wie Spanien ist der 6. Januar der wichtigste Festtag (der mit den Geschenken), darüber berichtet HalleSpektrum, wenn es soweit ist.

tres-c-1-4Weihnachten in anderen Religionen?

Was bedeutet unser Weihnachtsfest aber für Menschen anderer Religionen, die bei uns leben? Hallespektrum hat nachgefragt, hier sind zwei Antworten:

Frau A., eine in Halle lebende Muslima, schreibt: „Jesus ist für uns Muslime einer der bedeutendsten Propheten, Friede sei mit ihm! Als Sohn der Jungfrau Maria gilt seine Geburt bereits als großes Wunder, anders als im Christentum wird er aber nicht als Gottessohn betrachtet. Muslime haben an sich nicht die Tradition, Geburtstage zu feiern, so ist auch der Geburtstag des Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm, kein islamischer Feiertag. In einigen Ländern wird aber an diesem Tag eine besondere Speise zubereitet und besonders intensiv an ihn gedacht. Mich persönlich erfreut an Weihnachten, dass es in fast allen Kulturen zu einem Fest der Familie geworden ist. Familien, die sich lange nicht gesehen haben, kommen an diesem Fest zusammen. Eigentlich ist es eine Zeit der Besinnung auf Gott, Glauben und Familie. Die Tradition des Schenkens sehe ich als schöne Tradition (trotz der heutigen Auswüchse, die es teilweise gibt).“

tres-c-1-2Von der Synagogengemeinde in Halle erhielt Hallespektrum einen Gruß, den wir hiermit an alle Leser weitergeben. Menschen jüdischen Glaubens feiern nicht Weihnachten in unserem Sinne. Aber in diesem Jahr fallen Weihnachten und Chanukka, das jüdische Lichterfest, zusammen. Im Newsletter der reformjüdischen Gemeinden steht dazu: „Am 24. Dezember wird die erste von acht Chanukka-Kerzen gezündet. Es ist der Vorabend des 25. Kislev. Der berühmteste 25. Kislev ist allerdings jener des Jahres 3597 (nach jüdischem Kalender – d. Red.). Damals feierte das Volk zum ersten Male Chanukka. Matitjahu und seine fünf Söhne führten die kleine jüdische Armee gegen den hellenistisch- syrischen Herrscher Antiochus. Sie trieben ihn und seine beträchtlichen Armeen aus Jerusalem und Israel hinaus. Die Statussymbole und Zeichen des Götzendienstes wurden entfernt, der ‚Heilige Tempel‘ gereinigt und neugeweiht, dem König aller Könige, dem Heiligen, gelobt sei ER. Als man aber hierzu die Menorah, den siebenarmigen Leuchter des Tempels zünden wollte, fand sich nur ein einziges kleines Gefäß koscheren Öls. Diese hätte gerade für einen Tag geleuchtet. Die Herstellung neuen Öls für den Tempel würde mindestens acht Tage lang dauern. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit wurden die Gewaltherrscher vertrieben – und entgegen aller Wahrscheinlichkeit wurde das Licht entzündet – und es strahlte acht Tage lang. Gerade lange genug um neues koscheres Öl zu schaffen. Chanukka ist auch ein Fest der Freiheit, der Freiheit, unsere Religion und Tradition zu leben, unsere Identität wahren zu können. Die Finsternis der Welt vertreiben wir mit Licht, dem Licht unserer Liebe zum Leben.“

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Die Chanukkia bzw. der Chanukkaleuchter

Hintergrund:

Unter dem Titel „tres culturas“ (drei Kulturen) stellt Hallespektrum in Anlehnung an die „Stadt der drei Kulturen – Toledo“ die kulturellen Wurzeln Europas vor, bestehend aus Judentum, Christentum und Islam.

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