„Von guten Mächten wunderbar geborgen…“

31. Dezember 2016 | Bildung, Kultur, Nachrichten | Keine Kommentare

bonh1Tres culturas: Zum Jahreswechsel 2016/17

„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr. “

Dieses Gedicht, das Dietrich Bonhoeffer zum Jahreswechsel 1944/45 in einem Brief aus dem Gefängnis an seine Familie schrieb, möchte HalleSpektrum zum Reformationsjubiläum allen Lesern mit ins Neue Jahr 2017 geben.

Bonhoeffer (1906 – 1945) war einer der herausragenden Vertreter der „Bekennenden Kirche“, eines Zusammenschlusses evangelischer Geistlicher und Laien, die sich als Gegenbewegung zur „Glaubensbewegung Deutscher Christen“ etablierte. Ziel der „Deutschen Christen“ war eine „deutsche Volkskirche“ , die sich freigemacht hat vom „Alten Testament und seiner jüdischen Lohnmoral“, ein „heldisches Jesusbild“ vermittelt und Nicht-Arier (v. a. konvertierte Juden) aus ihren Reihen ausschließt. Dafür sollte auch die Bibel „entjudet“ werden.

Bonhoeffer leitete ab 1935 auf Bitten der Bekennenden Kirche das Predigerseminar Berlin-Brandenburg, das ab 1937 illegal in Pommern weitergeführt werden musste. Dabei bekannte er sich klar zu einer pazifistischen Grundhaltung und zum „gewaltfreien Widerstand“. 1940 erhielt er Rede- und Schreibverbot, im April 1943 wurde er in Berlin verhaftet. Bis dahin hatte Bonhoeffer in mehreren Reisen nach London, die USA und die Schweiz seine ökumenischen Kontakte für Verhandlungen mit den Westmächten im Auftrag der deutschen Widerstandsbewegung genutzt. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 konnten ihm diese Verbindungen nachgewiesen werden. Er wird zum Tode verurteilt und auf persönliche Anordnung Adolf Hitlers noch am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg (Bayern) hingerichtet. Nach heutiger Lesart hätte Hitler ihn wohl als „Terroristen“ bezeichnet. Der Bundesgerichtshof bestätigte 1956 das Urteil gegen Bonhoeffer wegen „Landesverrats“, erst 1996 hob das Berliner Landgericht das Urteil auf.

bonhWas immer der oder die einzelne mit dem Begriff „Gott“ verbinden mag oder nicht, in dieser Zeit allgemeiner Verunsicherung und drohender Resignation sei hier noch die letzte Strophe des Bonhoeffer-Gedichtes aufgeführt (aus „Wikimedia Commons“):
„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern einen guten Start ins Jahr 2017.

Hintergrund:

Unter dem Titel „tres culturas“ (drei Kulturen) stellt Hallespektrum in Anlehnung an die „Stadt der drei Kulturen – Toledo“ die kulturellen Wurzeln Europas vor, bestehend aus Judentum, Christentum und Islam.

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