Giebichenstein-Designpreis in fünf Kategorien verliehen

14. Oktober 2014 | Kultur | Keine Kommentare

Am Dienstagabend wurde bereits zum dritten Mal der Giebichenstein-Designpreis verliehen. Teilnehmen konnten Studierende der Kunsthochschule Burg Giebichenstein aus dem Fachbereich Design, und zwar mit Projekten und Arbeiten, die sie zur Jahresausstellung im Juli 2014 zeigen konnten. Eine Jura mit der Leipziger Modedesignerin Eva Howitz, Innenarchitekt Karim Sabano aus Erfurt, Kommunikationsdesigner Ruben Cuellas Is aus Berlin, Industriedesigner Bastian Müller aus München und Keramikern Heike Philipp aus Hof bewertete die Arbeiten.
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In der Kategorie Beste Kommunikation siegte Robert Deutsch für seine Masterabschlussarbeit im Kommunikationsdesign mit dem Titel „Alan Turing“, betreut von Prof. Georg Barber. Deutsch verfasste eine Graphic Novel, in der er die Biographie des britischen Mathematikers und Kryptoanalytikers Alan Turing verarbeitete. In der Jurybegründung heißt es, Robert Deutschs Arbeit sei ein Beispiel „für gelungenes Weiterdenken und kluges Interpretieren“. Farbenfroh und mit hoher Könnerschaft vermittle er dem Betrachter die Geschichte einer faszinierenden Persönlichkeit. „Jede einzelne Seite der Graphic Novel birgt eine Überraschung. Alles ist außergewöhnlich bündig und eigensinnig gearbeitet, ein Kunstwerk jagt das nächste.“

In der Kategorie Beste Idee / Bestes Konzept wurde Malte Westphalen mit einem GiebichenStein für seine Arbeit „Die im Design ignorierten Dinge“ ausgezeichnet, eine Masterabschlussarbeit im Industrial Design, betreut von Prof. Gudio Englich und Prof. Dr. Matthias Götz. In seinem Entwurf eines Tisches, der alle Nutzungsmöglichkeiten umfasst, schuf er ein monumentales Designobjekt, welches die Frage nach der Bedeutung des Weglassens und Vergessens als festen Bestandteil im gestalterischen Prozess ins Zentrum rückt. Malte Westphalens Entwurf sei kompromisslos und bringe gleichzeitig konsequent und vielschichtig die Kompromisse des Entwerfens selbst zusammen, so die Jury. Er zeige eine „konzentrierte Auseinandersetzung mit der Thematik, mit den von ihm ausgemachten im Design ignorierten Dingen“. Der Entwurf würde so zu einer Art Manifest, einem Plädoyer über das Entwerfen und gleichzeitig auf eine charmante, überhöhte Art und Weise zum Kern der Arbeit selbst.

Der GiebichenStein der Kategorie Engagiertestes Anliegen ging an Antje Mönnigs Projekt „Unmöglich. Aber machbar. – Inklusion für blinde und sehbehinderte Schüler“, ihre Masterabschlussarbeit im Kommunikationsdesign, betreut von Prof. Anna Berkenbusch. Aufbauend auf persönlichen Interviews zum Thema Inklusion hat Mönnig ein Projekt geschaffen, das nicht-sehbehinderten Lesern nahebringen will, was eine Sehbehinderung in der Schule bedeutet. Die Arbeit, so die Jury, beeindrucke nicht nur durch das formulierte Anliegen, sondern vor allem durch ihre inhaltliche und formale Vielschichtigkeit. “Mit der nötigen Offenheit und ohne moralisch-pädagogischen Zeigefinger schafft Antje Mönnig Verständnis sowohl für die Relevanz, als auch für die Widrigkeiten des pädagogischen Ansatzes der Inklusion.” Gleichzeitig ließe sie dem Betrachter die Wahl, sich inhaltlich tief mit Fragestellungen und Personen zu beschäftigen oder einfach nur (foto)grafisch und haptisch zu stöbern.

Doppelt prämiert wurde das Projekt „Falscher Hase – Bugs’ Bunny“ von Carolin Schulze, aus dem 2. Semester des Studiengangs M.A. Industrial Design, betreut von Gastprofessor Christian Zöllner. Es erhielt sowohl den GiebichenStein für das Interessanteste Experiment als auch den GiebichenStein der Freunde, der vom Freundes- und Förderkreis der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle e.V. verliehen wird.

Carolin Schulzes Arbeit befasst sich mit der Frage nach einer nachhaltigen und ethisch vertretbaren Ernährung und der westeuropäischen Abneigung gegen Insekten als alternatives Nahrungsmittel. Mit einem 3D-Drucker wird eine spezielle Mehlwurm-Rezeptur in die Form von Hasen gebracht und anschließend gekocht und verkostet. In der Jurybegründung der Kategorie Interessantestes Experiment heißt es: „Carolin Schulze gelingt es auf charmante Weise, unsere Essgewohnheiten kritisch zu hinterfragen und an kulinarische Grenzerfahrungen heranzuführen.“ Das Projekt sei mehr als nur ein Experiment, sondern ein Plädoyer für verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt. Die Jury des GiebichenSteins der Freunde attestiert der Arbeit “eine hintergründig notwendige Ernsthaftigkeit, aber eine ebenso ausgleichende, fast parodistische Fröhlichkeit”. Dieser moralisch und ökologisch vertretbare Gegenentwurf sei eine Handreichung zur Überwindung traditioneller Nahrungsgewohnheiten und Ressentiments.

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