Drei Hexen und 56 Löcher

11. Mai 2017 | Kultur | Keine Kommentare

Theater am ungewöhnlichen Orten begeistert. Überhaupt sollte Theater mehr zu den Leuten kommen. Großartige und epische Inszenierungen sind natürlich nur an einem festen Haus möglich. Aber wollen wir das ständig? Perfektion gibt es bereits an vielen Orten, man sehnt sich nach dem einfachen Spiel zurück. Genau das bieten drei  Spielerinnen des Studierendentheater der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die mit ihrem Stück „Hexen Bitte nicht berühren!“ in das Landesmuseum ziehen. Statt zwei Hexenmeistern zaubern nun drei Hexen durch die Hallen am Rosa-Luxemburg-Platz:

Hexen in Trainingsanzügen

Der Inhalt ist rasch erzählt: Drei Archäologinnen haben für eine Grabung einen Vertrag erhalten. Sie gelangen an einen kleinen Ort in Mitteldeutschland, sind dort mit sich und ihrem Arbeitsauftrag allein gelassen. Im Ort gibt es Sagen, dass auf dem Feld (mehrere Hektar) in der Nähe des Dorfes Erinnerungen an die Hexenzeit zu finden sind, eine Grabstätte oder ähnliches. Forschungsgelder gibt es für alle möglichen Dinge und diese sind zweckgebunden. Frevel, die Mittel verfallen zu lassen, das Landesamt schickt drei Frauen aufs Feld. Im Verlauf des Theaterstücks bekommt man den Eindruck, der Projektverantwortliche hat von Anfang an dafür Frauen ausgesucht, seine Männer wollen sich mit dem Thema nicht lächerlich machen. Die Frauen machen sich trotz schwieriger Bedingungen vor Ort an die Arbeit. Sie gewöhnen sich aneinander. Sie tauschen sich aus. Sie streiten miteinander. Sie mögen sich sogar, ein bißchen. Über 9 Wochen lang geht das so. 56 Löcher Sonderierungslöcher später müssen die Frauen aufgeben. Sie haben nicht das gefunden, was sie gesucht haben. Haben Sie sich selbst gefunden? Das muß der Zuschauer selbst für sich entscheiden.

Uraufführung: Hexen Bitte nicht berühren! am 10. Mai 2017 um 20 Uhr im Landesmusem für Vorgeschichte, Richard-Wagner-Straße 9, Halle

Die Geschichte von den drei erfolglosen Ausgräberinnen findet in den Räumen des Landesmuseum einen grandios geeigneten Rahmen. Man schreitet am Rand der aktuellen Sonderausstellung „Alchemie“ vorbei und lernt drei junge Frauen kennen, die nicht gerade den „Stein der Weisen“ finden. Das Museum selbst ist das Bühnenbild. Einen besseren Standort hätte die Inszenierung von Tom Wolter (Dramaturgie: Sandra Bringer) nicht finden können.

Aber erwarten sollte man keinesfalls so etwas wie einen „Sommernachtstraum“. Es ist traumhaft, aber eher durch die Art der Aufführung. Die drei jungen Hexen des Studierendentheater der Uni Halle, Nicole Tröger, Ada Biljan und Lena Muehl arbeiten mit Pantomine, Rezitation von Zitaten (viele sind gut erkennbar) und Dialogen/Monologen den von Ihnen erstellten Text in höchster Lebendigkeit heraus. Fast ist es so, als würde man in einem archäologischen Fundkomplex die Überreste der Geschehnissen wieder zusammensetzen und als Ergebnis kommt das Theaterstück heraus. Es ist nicht tragisch, es ist nicht komisch, sondern tragikomisch. Das Publikum lachte an vielen Stellen der Uraufführung und es gab hinterher einen lange andauernden Beifall.

Weitere Aufführungen:

12.05., 13.05., 14.05. sowie 26.05. und 27.05. jeweils 20.00 Uhr
Kartenpreise: Reservierung/Abendkasse 12 € / erm. 8 €, VVK online www.tivents.de 11 €/ erm. 6 €, an der Museumskasse 10 € / erm. 5 €

Beteiligte:

Text und Spiel: Ada Biljan, Lena Muehl und Nicole Tröger
Inszenierung: Tom Wolter
Dramaturgie: Sandra Bringer
Bühne und Grafik: Renè Braun
Technik: Sebastian Schachtner
Assistenz: Julius Pfeiffer
Maske: Bianca Strauch

 

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