6. Januar: Dreikönigsfest

6. Januar 2017 | Bildung und Wissenschaft, Kultur, Vermischtes | 8 Kommentare
Die drei Könige aus dem Morgenland / Tres Magos

Die drei Könige aus dem Morgenland / Tres Magos

Mit dem Fest „Epiphanie“ („Erscheinung des Herrn“) am 6. Januar (bzw. dem darauffolgenden Sonntag) endet die weihnachtliche Festzeit. Bei uns in Sachsen-Anhalt ist der 6. Januar als „Dreikönigstag“ ein Feiertag. Doch was wird an diesem Tag wo gefeiert?

Die Geschichte zum Dreikönigsfest steht nicht im Lukas-, sondern im Matthäusevangelium: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ Von „Königen“ ist nicht die Rede, es handelte sich entweder um jüdische Gelehrte, die seit der Zeit des Exils in Babylon (ca. 600 J. v. Chr.) noch im Zweistromland lebten oder (weniger wahrscheinlich) um Priester der persischen „Kirche des Zoroaster“ (Zarathustra).

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Marienbild, armenische Kirche in Halle

Seit dem 4. Jahrhundert wird in den ältesten christlichen Kirchen, zu denen die koptische und die armenische Kirche gehören, die Geburt Christi und das Fest „Epiphanie“ zusammen an einem Tag, dem 6. Januar gefeiert. In der römischen Kirche wurde das Fest auf den 25. Dezember verlegt, wobei bis zur Kalenderreform 1582 der 25. Dezember im Westen und der 6. Januar im Osten auf den gleichen Tag fielen. Es gab also nur ein „Weihnachtsfest“, während es heute zwei gibt.

Zweimal Weihnachten

Frau D., eine aus Griechenland stammende Hallenserin, erzählte HalleSpektrum von den Bräuchen ihrer Heimat: „In der griechisch-orthodoxen Kirche wird Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wie in Deutschland. Geschenke gibt es allerdings erst am 1. Januar, dem Fest des Heiligen Basilius, der (ähnlich unserem Nikolaus – d. Red.) die Armen beschenkt hat. Eine Ausnahme bildete meine eigene Familie: Mein Vater, er hieß Christos, hatte am 25. Dezember Namenstag. Und da in Griechenland die Namenstage anstelle der Geburtstage gefeiert wurden, gab es an diesem Tag Geschenke für die ganze Familie. Am 6. Januar feiert man in Griechenland dagegen die Taufe Jesu im Jordan und die erste Erscheinung des Heiligen Geistes auf Erde in Form der Taube, die während der Taufe über dem Jordan flog. Zu Theophania (Erscheinen Gottes) wie die Griechen das Fest am 6. Januar bezeichnen, zieht von der Hauptkirche jedes Ortes eine Prozession zum nächstgelegenen Fluss. Der Fluss wird gesegnet und ein großes Kreuz ins Wasser geworfen. Die Mutigsten unter den jungen Männern stürzen sich in die Fluten, um es herauszuziehen. Städte und Gemeinde ohne Fluss behelfen sich mit Häfen, Seen, zur Not auch mit Zisternen“. Eine Anregung für die Saaleschwimmer für ein „Dreikönigsschwimmen“ im nächsten Jahr?

Die drei Könige in einer anderen Krippendarstellung

Die drei Könige in einer anderen Krippendarstellung

Auch in der russisch-orthodoxen Kirche, in der die Weihnachtszeit die 12 Tage vom 6. bis 19. Januar (Taufe Jesu im Jordan) umfasst, gibt es diesen Brauch der „Wasserweihe“ in Erinnerung an die Taufe Jesu.

Eine andere Leserin berichtete über eine Spanienreise vor einigen Jahren: „Wir verbrachten die Weihnachtsferien in einer Stadt in Galicia (Nordspanien). Dort öffnete der Weihnachtsmarkt als Kunst- und Spezialitätenmarkt am 23. Dezember und ging bis zum 6. Januar. Es herrschte eine entspannte Festatmosphäre ohne die bei uns übliche Hektik. Hier war das Hauptfest tatsächlich das Fest der „tres magos“ (drei Magier) am 6. Januar. In der galizischen Hauptstadt Á Coruna begegneten uns die „Heiligen drei Könige“ (Reyes magos) in prächtigen Kostümen auf zu Kamelen umgestalteten Quads. In einer Weihnachtsumfrage des spanischen Fernsehens zur Bedeutung des Festes kamen auf den wichtigsten Platz die „tres magos“, gefolgt von der spanischen Weihnachtslotterie.“

Der Weihnachtsmarkt in Lugo (Nordwestspanien) öffnet erst am 23. Dez.

Der Weihnachtsmarkt in Lugo (Nordwestspanien) öffnet erst am 23. Dez.

 

Für die Zeit von Weihnachten bis Dreikönig gibt es verschiedene Bezeichnungen: es ist die „Zeit zwischen den Jahren“, auch „Zwölfnächte“ oder „Rauhnächte“ genannt. In früheren Zeiten wurden Arbeitsverhältnisse gelöst und neu begonnen. Davon erzählen auch die Geschichten um „Krabat“, den sorbischen Zauberer, der zum Dreikönigstag seinen Dienst in der magischen Mühle in Schwarzkollm beginnt (wunderbar erzählt von Otfried Preußler). So erklären sich wohl auch solche Traditionen wie „zwischen den Jahren“ keine Wäsche zu waschen. Es war schlicht niemand da, der hätte waschen können.

Die Menschen in Sachsen-Anhalt nutzen die „Zeit zwischen den Jahren“ gern für eine Auszeit, wenn sie es sich denn leisten können. Viele haben Urlaub bis nach dem 6. Januar, auch wenn in diesem Jahr die Schulferien schon am 3. Januar zu Ende gegangen sind. Persönlich bin ich der damaligen Landesregierung sehr dankbar für die Einführung dieses Feiertages.

Herodes Häscher suchen das Kind

Herodes Häscher suchen das Kind

In der Geschichte im Matthäusevangelium werden Maria, Josef und das Kind übrigens tatsächlich noch zu Flüchtlingen: „Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.“

Hintergrund: Tres Culturas

Unter dem Titel „tres culturas“ (drei Kulturen) stellt Hallespektrum in Anlehnung an die „Stadt der drei Kulturen – Toledo“ die kulturellen Wurzeln Europas vor, bestehend aus Judentum, Christentum und Islam.

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