Handyzeitalter: Vier-Augen-Gespräch aus der Mode gekommen?

23. Juni 2013 | Glosse | 3 Kommentare

Liwwe Hallenser, mar willsch nich globen, awwer früher wurden Ansichten und Meinungsverschiedenheiten noch unter vier Augen ausgetauscht. Verträge besiegelte man mit persönlichem Handschlag. Da galt das Ehrenwort noch etwas. Da hielt man noch etwas auf Knigge. Selbst zwischen politischen Erzfeinden gab es für den weltpolitischen Ernstfall einen heißen Draht.

Heute im Handyzeitalter sind das Vier-Augen-Gespräch und der Handschlag total aus der Mode gekommen. Da teilt ein Arbeitgeber seinem Mitarbeiter schon mal per Handy die Kündigung mit. Ein Ministerpräsident bedient sich ebenfalls des Handys, um seine Ministerin so mir nichts, dir nichts zu entlassen. Oder die Büroleiterin des Oberbürgermeisters entzieht auf dieselbe schnöde Weise dem Marketing-Chef kurz vor einer Sitzung das Stimmrecht. Herr Knigge würde sich im Grab herumdrehen.

Awwer liwwe Hallenser, wenn ich janz ehrlich sinn soll, kann mir so etwas Peinliches nicht passieren, denn ich bin seit jeher ein Handy-Muffel. Mein Uralt-Handy liegt ungenutzt und meist mit leerem Akku auf der Flurgarderobe herum. Als ich gestern jedoch einen Arzttermin in der Stadt hatte, steckte es mir meine Frau in die Tasche: „Falls Du länger warten musst.“ Und ich musste … und mitten im Wartezimmer klingelte das verdammte Ding. Meine Frau. Nein, mir wurde nicht die 45jährige Ehe gekündigt und auch nicht die Koffer vor die Tür gestellt! Es war nur die Ermahnung, später beim Bäcker das Brot nicht zu vergessen.

Eene scheene Woche wünscht Euch Euer Hal(l)unke Mawior

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