Es lebe die Umbenennung! – Nein, danke!

18. Januar 2013 | Glosse | 7 Kommentare

Halle … Halle/Saale … Halle (Saale) … Halle an der Saale … Halle. die Stadt … wissen Sie liebe Hallenser eigentlich, wie der richtige offizielle Name Ihrer Stadt ist? Ein Blick auf die Ortseingangsschilder oder die Bahnsteigschilder am Hauptbahnhof verrät nur einen kleinen Teil dieses Wirrwarrs.

Und diese Konfusion wird noch verstärkt durch die ständigen Bestrebungen, Halle einen Beinamen zu geben. Die Liste der Vorschläge war in den letzten Jahren lang: Saalestadt … Salzstadt … Universitätsstadt … Wissenschaftsstadt … Auch Kulturstadt war schon mehrfach im Gespräch, doch dann misslang die Bewerbung für die europäische Kulturhauptstadt 2010. Also musste man sich mit der Kulturhauptstadt Sachsen-Anhalts begnügen.

Nun also die Idee von der „Händelstadt Halle“. Gierig greifen die Medien diese scheinbare Erleuchtung auf, führen permanent Bürger-Umfragen durch und berechnen bereits die Kosten für die Stadtumbenennung.

Keine Frage: Georg Friedrich Händel war ein Musiker von Weltrang und Halles großer Sohn, schließlich wurde er hier am 23. Februar 1685 geboren und erhielt in Halle seine musikalische Ausbildung. Aber bereits als 18jähriger verließ er seine Geburtsstadt und nach den Zwischenstationen Hamburg und Italien wurde London seine wichtigste Lebens- und Schaffensstation, wo er auch in Westminster Abbey beigesetzt wurde. Bis auf wenige kurze Familienbesuche weilte Händel nicht mehr in Halle.

Jetzt schreit aber alles nach der „Händelstadt Halle“. Doch Otto-Normal-Hallenser kennt von dem großen Komponisten vielleicht seine Feuerwerksmusik. Bei der Frage nach seinen Opern und Oratorien gibt es dagegen nur ein unwissendes Achselzucken.

Ich frage mich ernsthaft, was Kommunal- und Stadtpolitiker umhertreibt, historisch gewachsene Städtenamen einer Umbenennungsorgie zu unterwerfen. Machte man sich im 20. Jahrhundert damit bei der politischen Wetterlage (München, Nürnberg, Chemnitz, Guben …) lieb Kind, so geschieht dies heute als Werbekampagne. Dabei ist Halle nur ein Sündenfall von vielen. Rosenstadt Sangerhausen … Bauhausstadt Dessau … Skatstadt Altenburg … Wartburgstadt Eisenach … Glockenstadt Apolda … überall ist man dabei, traditionelle und historische Stadtnamen um des schnöden Mammons willen zu opfern.

Mit Neugier warte ich nur darauf, dass den Stadtoberen von Halle und ihren beauftragten Werbeagenturen weitere Vorschläge einfallen. Wie wäre es mit Franckestadt, Genscherstadt, Lucknerstadt, Zither-Reinhold-Stadt, Sodannstadt … oder vielleicht gar Wiegandstadt.

Halle und Händel – ja !!! Aber nicht „Händelstadt Halle“, denn Halle hat wesentlich mehr zu bieten. Ich bin zwar erst mit vier Jahren Hallenser geworden – also streng genommen ein Halunke -, doch HALLE bleibt für mich HALLE … und darauf eine Feuerwerksmusik.

(Manfred Orlick)

Weiterführende Artikel:
Sonder-Stadtrat: auch die Bürger sind für Halle an der Saale
Sonder-Stadtrat der Promis spricht sich für „Halle an der Saale“ aus

Print Friendly, PDF & Email
7 Kommentare

Kommentar schreiben