Alles so schön bunt hier!

19. Oktober 2016 | Glosse, Politik | 2 Kommentare

Kommentar: „Alles so schön bunt hier!“, hat Nina Hagen über das Fernsehzeitalter gesungen. Inzwischen sind wir in der Smartphone-Age. Die Technik soll es nun auch in der Schule richten. Dafür gibt es Milliarden.

Aber Computer, Smartphones und Tablets sind nicht allein die Lösung. Moderne Technik gewährleistet noch nicht den Lernerfolg. Eine gut ausgestattete Schule kann, muss aber nicht besser sein. Wissenvermittlung läuft bei uns und besonders durch die Pisa-Fehlentwicklung wieder nach dem Trichter-System ab: Es muss möglichst viel in den Schüler hineingeschüttet werden, damit auch etwas ankommt. Also Wissen in den Trichter und hineingeschüttet in die lieben Kleinen. Und nun auch noch mit Milliardenprogramm mit moderner Technik! Die Schule bleibt die Schule. Die berühmte Dampfmaschine aus der „Feuerzangenbowle“ kann jetzt mit der Multimediatafel erklärt werden (wenn dafür Zeit bleibt). Wer den Mechanismus bereits vorher gut begriffen hat, wird ihn noch besser begreifen. Wer nicht, bleibt immer noch auf der Strecke. Am Ende kommt ohnehin die große Prüforgie und die lange Ebene der Klausuren. China treibt es momentan auf die Spitze und betreibt Schule wie Spitzensport. Die Pisa-Enthusiasten würden das gerne auch bei uns einführen. Sie schaffen es noch, die Kindheit wieder abzuschaffen!

Schon jetzt wissen wir, dass wir lebenslang lernen müssen. Wer es nicht tut, dem nützt auch ein Einser-Abi nicht viel. Schule sollte ein Ort sein, in dem unsere Kinder das Lernen lernen. Erst Lernmotivation erhöht auch den Lernerfolg. Der Lehrer als Pauker hat längst ausgedient. Er muss zum Motivator und Lernersthelfer mutieren. Und vielleicht sind das auch die „rückständigen Ansichten“, die Aldag so voreilig geißelt. Denn ohne Änderungen beim System Schule wird die Bildungsfinanzgießkanne in spätestens vier, fünf Jahren keinen Bildungserfolg hervorrufen, sondern wir nennen die Folgen dann einfach „Elektroschrott“. Eine Lehrerin, die das erkannt hat, ist nicht rückständig, sondern hat einfach nur resigniert.

Paula Poppinga

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