Was ist in unserer Bildungslandschaft los?

19. April 2013 | Bildung und Wissenschaft | Keine Kommentare

Diese und weitere Fragen stellten sich der Stadtelternrat Halle (Saale) und der Kreiselternrat des Saalekreises in einer gemeinsamen Sitzung im Beisein von StadtSchülerRat und KreisSchülerRat in dieser Woche.

Als Gäste waren die Landtagsabgeordneten Frau Prof. Dr. Claudia Dalbert (GRÜNE), Frau Dr. Verena Späthe (SPD), Herr Hendrik Lange (Linke), Bernhard Bönisch (CDU) sowie Herr Thomas Lippmann (GEW) und Herr Thomas Gaube (PhVSA) eingeladen.

Frau Dr. Späthe und Herr Bönisch als Vertreter der beiden Regierungsparteien in Landtag sind nicht erschienen, für die CDU sprang kurzfristig Herr Andreas Riethmüller vom LVA ein.

Eine kurze Präsentation zum Thema Gemeinschaftsschule eröffnete die Diskussion. Das Ja zu einem längeren gemeinsamen Lernen wurde von Frau Dalbert und Herrn Lange begrüsst, aber dazu brauche es dieses Schulgesetz nicht, denn es macht die Bildung dieser Schulform schwierig. Herr Riethmüller fand die IGS ist ja schon eine Form der Gemeinschaftsschule.
Acht Schulen in Sachsen-Anhalt wollen Gemeinschaftsschule werden, darunter ist die Sekundarschule Kastanienalle in Halle. Dort werden bereits Konzepte erarbeitet, die Brennpunktschule in Kooperation mit der dortigen Grundschule zu einem längeren gemeinsamen Lernen ohne Laufbahnempfehlung zuzulassen. Das ist aber nicht, was der Gesetzgeber wollte: Ziel war die Zusammenarbeit mit Gymnasien. Und ein weiter Punkt: Für Gemeinschaftschulen gelten keine Einzugsbereiche. Damit wird eine Konkurrenzsituation zwischen den Schulen geschaffen. Der Stadtelternrat sieht das kritisch und hat eine Stellungnahme weil er noch viele offene und ungeklärte Fragen sieht.

Die zentrale Schülerdatenbank ist beschlossen und soll kommen. Jede Schülerlaufbahn soll laut Gesetz lückenlos dokumentiert werden. Näheres soll Verordnungen regeln, die am Landesparlament vorbei erlassen werden können. Frau Dr. Dalbert nannte es „hochgefährlich“ undauch Lange ist der Meinung es gibt bereits genügend Instrumente für eine „Schülerlaufbahnstatistik“ wir brauchen nicht den gläsernen Schüler.
Herr Riethmüller hielt dagegen, dass Grund für diese Initiative die ständigen Fragen der Opposition seien. Diesen wolle man Rechnung tragen. Was alles erhoben werden soll, Konfession, Migrationshintergrund, Leistungsstörungen etc. wollten Elternvertreter per Nachfrage wissen. „Wissen wir nicht“ könnte Frau Dr. Dalbert nur antworten. Auch eine Nachfrage beim Kultusminister hatte es im Vorfeld gegeben. Erfolglos. Es läuft aber bereits eine Ausschreibung für die Software. Im Ergebnis wird sich wohl ein Protest gegen diese Datensammelwut ergeben. Gerade auch die Datensicherheit in den Schulen, wo die Daten erhoben werden sollen, sehen viele als Problem.

Ein weiteres Thema war die Mitbestimmung. Viele Eltern wünschen sich diese. Es sollen dazu die Gesamtkonferenzen gestärkt werden. Drittelparität Eltern- Schüler-Lehrer ist das Ziel. Anträge in diese Richtung von den Grünen im Landtag wurden mehrfach abgelehnt.

Das Thema Grundschulschließungen wurde lautstarkt diskutiert. Gerade dieses Thema brennt den Mitgliedern der Kreiselternschaft auf den Nägeln, wenn in der Fläche Schulen schließen. Druck machen ist da vorgeschlagener Weg. Eltern aus Zerbst haben bereits tausende Unterschriften gesammelt und es wurden Flugblätter verteilt. Hendrik Lange wies in dem Zusammenhang noch auf ein weiteres Problem hin. Zukünftig werden auch Schulen wegen Lehrermangel geschlossen werden müssen, warnte er. Jährlich werden bis 600 Lehrer aus dem Dienst ausscheiden, aber nur 200 eingestellt. Und auch, das nur Schulen mit bestimmten Schülerzahlen saniert werden sollen, war für ihn bedenklich.

Aus Zeitmangel konnte nur eine Verschiebung auf einen späteren Termin erreicht werden. Nicht alle Fragen und Probleme konnten besprochen werden, aber die gemeinsame Sitzung soll wiederholt werden.

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