Uni Halle erhält Millionenförderung für Graduiertenschulen in der Material- und Pflanzenforschung

13. Juli 2017 | Bildung und Wissenschaft | Keine Kommentare
Löwengebäude auf dem Universitätsplatz. Foto: Norbert Kaltwaßer

Löwengebäude auf dem Universitätsplatz. Foto: Norbert Kaltwaßer

Für den wissenschaftlichen Nachwuchs an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) entstehen unter dem Namen „Agripoly“ zwei neue internationale Graduiertenschulen in den Agrar- und den Polymerwissenschaften. Ziel der beiden Programme ist es, die universitäre Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden in anwendungsorientierten Forschungsbereichen zu stärken. Der Universität Halle stehen dafür rund vier Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESF) zur Verfügung.

Mit den ESF-Mitteln werden in den kommenden Jahren über 30 Promotionsstellen finanziert. „Die beiden neuen Graduiertenschulen schließen die Lücke zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung in zwei gesellschaftlich relevanten Bereichen“, sagt Prof. Dr. Michael Bron, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der MLU. Gleichzeitig stärke die internationale Ausrichtung der Programme die Bemühungen der Universität, hervorragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus dem Ausland an den Wissenschaftsstandort Halle zu holen.

Die erste Graduiertenschule ist in den Pflanzen- und Agrarwissenschaften angesiedelt. Die künftigen Promotionsarbeiten drehen sich um die Frage, wie Pflanzen auf unterschiedliche Belastungen – etwa Mikroorganismen und Tiere als Schaderreger, Trockenheit und Hitze – reagieren und wie diese Reaktionen die Leistungsfähigkeit unserer Kulturpflanzen beeinflussen. Erforscht werden die genetischen Grundlagen der Stresstoleranz bei Pflanzen, aber auch die Signalverarbeitung in Zellen, die Aufnahme von Nährstoffen und wie Kulturpflanzen dazu gebracht werden können, die Qualität und Quantität des Ertrags zu steigern. Die Arbeiten können so einen Beitrag zur langfristigen und nachhaltigen Ernährungssicherheit leisten.

Die zweite Graduiertenschule widmet sich einer speziellen Stoffklasse, den Funktionspolymeren. Bei Polymeren handelt es sich um langkettige Moleküle, aus denen zum Beispiel Kunststoffe, aber auch das menschliche Erbgut sowie Pflanzenfasern bestehen. „Mit Funktionspolymeren meinen wir Stoffe, die wir auf chemischem Wege so verändern können, dass sie neue Eigenschaften ausbilden“, sagt einer der Sprecher der Graduiertenschule, Prof. Dr. Wolfgang Paul. Die Anwendungsoptionen für solche Materialien sind vielfältig: Denkbar sind etwa selbstheilende Materialien, neuartige Displays oder Arzneiträgerstoffe. Je nach Struktur, Anordnung und Herstellung der einzelnen Moleküle ändern sich die Eigenschaften der Polymere. Die Promotionsprojekte sollen wichtige Wissenslücken schließen, etwa in Bezug auf die Strukturbildung oder Herstellung und Analyse neuer Polymere.

Beide Graduiertenschulen sind für kooperative Promotionsvorhaben, etwa mit Fachhochschulen, geöffnet. Darüber hinaus ist der fachliche Austausch zwischen der MLU, den Hochschulen Anhalt und Merseburg sowie mit lokalen außeruniversitären Forschungseinrichtungen zentraler Bestandteil der Projekte.

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