Was für ein Baum..!

26. Dezember 2016 | Bild der Woche | 14 Kommentare

Man kann ja verunklären und Spuren verwischen wie man will – manche halleschen Pflanzenkenner lassen sich nicht in die Irre führen.

User Hal29 wusste es gleich mit seinem ersten Beitrag: natürlich, bei der abgebildeten Blüte handelte es sich um die des „Weihnachtssterns“ (Euphorbia pulcherrima), der manchmal auch unter dem Namen „Poinsettie“ im Handel ist. Die Pflanze gehört zur artenreichen Gattung Wolfsmilch (Euphorbia). Die findet sich wiederum in der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Die sind über die ganze Welt verbreitet, unter ihnen gibt es kakteenähnliche Succulenten der Wüstenregionen ebenso zu wie viele „Unkräuter“ im heimischen Garten. Es sind kleine Pflänzchen, Sträucher und hohe Bäume, fast alle führen einen (oft toxischen) Milchsaft, der bekannteste darunter dürfte der echte Gummibaum sein. Unser Weihnachtsstern trägt den Beinamen (Artepitheton) „pulcherrima“, „die schönste“, das weist schon auf ihre Funktion als Zierpflanze hin. Die roten „Sterne“, dererwegen sie regelmäßig zur Andventsszeit die deutschen Stuben bevölkern, sind nicht die Blüten, sondern intensiv gefärbte (umgefärbte) Hochblätter (Brakteen), also eigentlich ganz normale Laubblätter, deren Farbe Insekten anlocken soll. Die eigentlichen Blüten sind ziemlich unscheinbar und klein, sie sitzen im Zentrum der „Sterne“.

Es sind besondere Blütenstände, die nur von Euphorbien entwickelt wurden. Die Fäden mit dem gelben gelbem Blütenstaub sind die männlichen Blüten. Aus ihrer Mitte heraus wird sich später eine weibliche herauswachsen, sie ist bei unserem Exemplar noch im noch Inneren verborgen). Links unten im Bild sehen wir einen lippenartiges, gelbes Gebilde. Es ist kein Sexualorgan, sondern eine Nektardrüse, sie soll Insekten anlocken. Das ganze Gebilde mit seiner Dreiheit aus männlich, weiblich und Nektardrüse nennt man Cyathion.

Eignetlich stammt der Weihnachtsstern aus dem tropischen Südamerkika, wo er meterhohe Sträucher bildet. Die Ureinwohner liebten sie als Schmuckpflanze, es soll sogar die Lieblingsblume des Aztekenkönig Montezumas II. gewesen sein. Nach Europa gelangte der Weihnachtsstern spät, Alexander von Humboldt soll sie 1820 erstmals mitgebracht haben. Mittlerweile ist die Pflanze als Neophyt weltweit in Tropen und Subtropen eingewandert.
Als Topfpflanze gibt es den Weihnachtsstern bei uns erst seit den 1950er Jahren, seit es geungen war, besonders kleinwüchsige und unempfindliche Sorten heran zu züchten. Es gibt sie jetzt nicht nur mit roten „Sternen“m, sondern auch in rosa, weiß und rot-gelb gefleckt (panaschiert).
Die gärtnerische Vermehrung erfolgt vorwiegend durch Stecklinge, die man in speziell beleuchteten, andererseits aber wieder regelmäßig abgedunkelten Gewächshäusern heranzieht: die farbigen Hochblätter entstehen nämlich erst dann, wenn die Dunkelphase über 12 Stunden liegt.

Dabei ist der Weihnachtsstern als Topfpflanze normalerweise ein „Wegwerfartikel“: nur wenigen Liebhabern gelingt es, die Pflanze nach Januar noch über den dunklen Frühling zu bringen, um dann rechtzeitig im Herbst – wenn die Pflanze noch lebt – mit Kunstlicht nachzuhelfen, das aber keinesfalls länger als 12 Stunden brennen sollte. In der Dunkelphase darf die Pflanze dann gar kein Licht mehr abbekommen. Eine starke Strassenlaterne kann da schon zum Verhängnis werden. Bei einem Durchschnittspreis von 5 Euro für eine Pflanze aus dem Disounter ist das kein wirklich lohnendes Unterfangen. Aber soll ja auch Menschen geben, die in der heimischen Wohnung Ananas züchten.

(Red)

Soweit zum Weihnachtsstern. Noch mehr Weihnachten gefällig? Bitte sehr:

Pflanze der Woche 26.-12.2016-2.1.2017

O Tannenbaum, dein Kleid will mich was lehren!

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Den wissenchaftlichen Namen dieses „Tannenbaums“ suchen wir.

Pflanze der Woche 26.12.2016-2.01.2017 Weihnachtsbaumas2Es gab Zeiten, da wurde der Weihnachtsbaum an die Decke gehängt, mit der Spitze nach unten, und als Kronleuchter dekoriert. Als man ihn später (- abgesehen von dem kurzzeitigen Trend des Upsidedown-Baumes in den USA) auf den Boden stellte, entwickelten sich vielerlei Varianten für Christbaumschmuck, von Äpfeln und Eiern über Papiergirlanden und Konfekthaltern zu Glaskugeln. Was hängen unsere Leser an ihren Baum? Ist es überhaupt noch üblich, einen Tannenbaum zu schmücken? Und welcher „Tannenbaum“ hat sich am besten bewährt?

Erste Belege für Christbäume (- man beachte die Namenswirren, die übrigens ebenso unsere Pflanze der Woche auszeichnen) gibt es aus dem letzten Drittel des 16. Jahrhundert, als sie geschmückt in deutschen Zunfthäusern aufgestellt wurden. Die neue Modeerscheinung wurde anfangs nur in den Städten kopiert, später breitete sie sich über Fürstenhäuser in ganz Europa aus. Auch der junge Werther möge dazu beigetragen haben.

Wir haben für unser Foto ein hübsches Exemplar auserkoren. Aber nein, wir haben es nicht geerntet! Es steckt noch in den Kinderschuhen, will noch lange wachsen und leben. Dafür hat es auch gute Voraussetzungen, sind seine Stammzellen doch auf ein Jungbrunnen-Dasein programmiert.

Seine Zapfen sind sehr klein – und sehr wertvoll, man kommt eigentlich nicht an sie ran. Warum nur?

Wenn unser Freund mal groß ist, bildet er ein feines Möbelholz. Vorfahren unseres Bäumchens, das übrigens in einem kleinen Wald mitten in Kröllwitz gedeiht, standen schon dem einen oder anderen Dinosaurier Auge in Auge gegenüber. Weitere Rekorde werden mit ihm in Verbindung gebracht – zum überwiegenden Teil jedoch ungerechtfertigt.

Wir wollen den (wissenschaftlichen) Namen unseres Weihnachtsbaumes wissen, und auch die bereits gestellten Fragen interessieren uns. Also: Bitte helft uns!

Und was ist nun, wenn der Weihnachtsbaum zu sehr brennt? Raum verlassen, Türe schließen, 112 rufen, Nachbarn warnen!

(AS)

 

 

 

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