Und der Doktor saß dabei, und gab ihm bittre Arzenei

10. März 2017 | Bild der Woche | 7 Kommentare

Auflösung der letzten Pflanze der Woche

Diese Pflanze war gesucht: Der Winterling.

Welcher Widerling hat den Winterling gephotoshopped? Im Original wäre unserer  Pflanze der letzten Woche natürlich leicht zu erkennen gewesen. Aber ein Widerling hat die Farben ausgetauscht, und aus Gelb rot gezaubert. Dennoch: auch oder gerade in rot wäre es eine feine Blume.  Unser gelber Geselle ist ein Neophyt, und zwar einer, der schon seit geraumer Zeit unter uns weilt. Ratefuchs (mal wieder, ehrlich jetzt 🙂  hat sich denn doch nicht beirren lassen, und fand die richtige Lösung: Eranthis hyemalis heißt unser früher Geselle, der schon im Februar – oft noch zwischen Schneenestern, uns mit seinen gelben Blüten erfreut. Dabei erstaunt das für eine Pflanze, die eigentlich in wärmeren Gefilden ihre Heimat hat: in Südostfrankreich, Italien und Bulgarien  ist er in den dortigen, etwas feuchteren Wäldern zuhause. Zu uns kam er – wie so viele Gartenzierpflanzen, in der Renaissance.  So soll schon Joachim Camerarius (der Jüngere) , Arzt und Botaniker, im 16. Jahrhundert Pflänzchen aus Italien für seinen privaten Lehrgarten mitgebracht haben. (Camerarius war dagegen ein sehr einheimisches Gewächs: als Schüler von Melanchthon studierte er in Wittenberg, später in Leipzig, bevor er 1562 in Bologna promovierte).  Die Pflänzchen erfreuten die botanischen Gärten und Schlossparks, aus denen sie bald, als die Landschaftsparks Ende des 18. Jahrhunderts modern wurden, ausbüxten. Und so finden wir den Winterling oft in oder in der Nähe alter Landschaftsgärten, beispielsweise auch auf der Peißnitz.

Er liebt warmfeuchten, halbschattigen Waldboden, Kalk hat er gerne. Große und stabile Bestände finden wir beispielsweise im Rautal bei Jena.  Essen sollte man unseren kleinen Freund nicht, gefährlich wäre es, ihn mit dem auch im Vorfrühling gelb blühenden Scharbockskraut zu verwechseln. Der Winterling enthält giftige, herzwirksame Glycoside, über deren genaue Charakterisierung sich die Wissenschaft noch uneins ist. Die Giftstoffe verlangsamen den Herzschlag, und bei größerer Dosis bringen sie das Herz zum Stillstand. Am giftigsten ist dabei die Wurzelknolle.
„Geh aus, mein Herz“ – das Kirchenlied von Paul Gerhard, der die frühsommerlichen „Narzissus und die Taliban“ besingt, bekäme mit dem Genuss unseres Frühlingsboten  so eine ganz andere, makabre Bedeutung.

Wollen wir es noch einfacher machen? Nö. Hier kommt die neue Pflanze der Woche:

Und der Doktor saß dabei, und gab ihm bittre Arzenei.

Der Zustand des Patienten ist ernst. Das Fieber geht auf die 40, 41 zu. Schweißperlen stehen ihm auf der Stirn. Nur schemenhaft sieht er, wie der herbeigerufenen Arzt einen großen Kolben herbei nimmt. In die klare Flüssigkeit schnitzt er mit einem Messer von einer scheinbar hölzernen Stange (unser Patient kann es nur verschwommen sehen) rötliche Späne hinein. Durch die mit einem Moskitonetz verhangene Tür dringt das Geschrei der tropischen Tiere heran , die Gerüche der Sümpfe ebenso, von denen der Doktor weiß, dass sie den Patienten die Krankheit gebracht haben (Mal Aria = „schlechte Lüfte“), an denen schon so viele gestorben sind. Das dunkelblaue Licht des Abends lässt die Flüssigkeit wie von sich aus leuchten. Immer mehr leuchtet sie auf, der Geschmack der Arznei, den der Duktor unserem Patienten löffelweise verabreicht, ist widerwärtig bitter. Das magische blaue Leuchten der Flüssigkeit verstärkt sich, um dann langsam wieder zu verblassen, schließlich breitet sich Düsternis im Glase aus. Das ist das letzte, was unser kranker Mann an dem Abend noch sah. Doch er wird einer der wenigen Überlebenden der Epediemie sein, schwer gezeiohnet zwar, aber er überlebte. Dank der Arznei.

Unsere Fragen:

Von welcher Pflanze stammte die Arznei?

Was war das für ein blaues Leuchten?

Die Pflanze mit dem wundertätigen Wirkstoff war früher schwer zu beschaffen. Also hat man schon früh versucht, den Wirkstoff mit den Methoden der Chemie herzustellen. Das gelang nicht, aber es kam dabei etwas ganz anderes heraus. Was?

(Red)

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