Pflanze der Woche vom 19.09. – 25.09.2016

19. September 2016 | Bild der Woche, Natur & Gesundheit | 13 Kommentare
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Wasserpfeffer

Auflösung des letzten Rätsels:

Wer von den Lesern bestellt „beim Asiaten“ oder „beim Mexikaner“ immer EXTRA scharf? Der wird sich an dieser Pflanze erfreuen – oder er lernt seine Grenzen kennen, heißt es. Zumindest, wenn er sich an den Früchten (Samen) bedient. Ob das wirklich so ist? Zumindest vergehen sich andere Säugetiere nicht an den Früchten. Einige Leser waren schnell auf der richtigen Spur, User „Obelix“ hat dann als erster richtig geraten. Wahrscheinlich kennt er die geheimen Rezeptzutaten von Miraculix Zaubertränken. Hei-Wu hat auf den richtigen Weg geleitet: Geh dahin, wo der Pfeffer wächst – in dem Fall ans Ufer der Saale:

Wasserpfeffer, Polygonum (oder Persicaria) hydropiper, ist ein Knöterichgewächs (Polygonaceae) und wächst dort, wo es feucht ist. Dieses Scharfkraut wächst wirklich wie Unkraut, blüht aber hübsch. Sein Name leitet sich (in zahlreichen Sprachen) von dem griechischen Hydropeperi ab, den Dioskurides für die Pflanze verwendet hatte. Dass seine lanzettartigen, wechselständigen Blätter an Pfirsichbäume erinnern, schlägt sich im Gattungsnamen nieder. Wer selber anpflanzen will, sollte auf Lehmboden achten, Kalzium- und Nitratgehalte wirken förderlich. Feuchte, (halb-)schattige Plätzchen werden bevorzugt. Die schnell austreibende Pflanze erreicht etwa einen dreiviertel Meter an Höhe, blüht aber kurz und spät, oft im September, sodass im Oktober auch Samen geerntet werden könnten. Die Einzelblüten kleinerer Blütenstände sind unscheinbar und werden selbst von Insekten nur selten aufgesucht. Vielleicht daher bestäuben sie sich selbst. In voller Blüte erscheint der Wasserpfeffer aber zusätzlich mit üppig weißen bis rötlichen Ähren, während sich Stängel und Blätter schon charakteristisch rot färben. Erkennbar ist der Knöterich an den knotig verdickten Stellen, den Nodien, an denen die Blätter sprießen.
Diese Pfefferpflanze unterscheidet sich in der Nutzung der verwendeten Pflanzenteile grundlegend vom aromatischen, scharfen Gewürz Pfeffer aus der Provinz Kerala in Indien (Piper nigrum, Schwarzer, Weißer, Grüner und Roter Pfeffer), deren Schärfewirkung auf das Piperin zurückgeht. Beim Wasserpfeffer werden die jungen Blätter vor der Blüte gesammelt, sie werden im Schatten getrocknet und pulverisiert. Das ist auch mit den Samen und sogar Wurzeln möglich. Man findet nicht viele Rezepte, in denen Wasserpfefferpulver heutzutage verwendet wird, einen Versuch möchten wir aber unbedingt anregen! In der Küche das Pulver sparsam einsetzen und (wie den „echten“ Pfeffer) nicht mitkochen! Die Schärfe geht beim längeren Kochen kaputt, daher also die Blätter immer zum Schluss zugeben.

In der japanischen Küche werden junge Blätter frisch oder getrocknet zum Würzen und Dekorieren verwendet, für Sushi, Suppe, Salate, Reis- und Fischgerichte. Dazu werden auch spezielle japanische Zuchtsorten des Persicaria gehandelt, z.B. als Beni-tade (grünblättrig), Ao-tade (rotblättrig), Yanagi-tade usw. Die beißend-prickelnde Schärfe des Wasserpfeffers wird von den Köchen geliebt, da es das zarte Eigenaroma der Speisen nicht überdeckt. Auch das kann man selbst ausprobieren: Blätter wie Petersilie kleinhacken und zum Würzen von Salaten, Yoghurt oder Quark verwenden. Es gibt neben dem Wasserpfeffer noch weitere Pfefferpflanzen, bei denen die Blätter eine gewisse Schärfe oder auch eine berauschende Wirkung erzeugen, beispielsweise Kava-Kava, der Rauschpfeffer. Unser Pfefferkraut bekommt seine Schärfe durch das bicyclische Sesquiterpen Polygodial (Tadeonal) (mit einer Aldehyd- und einer Ketonfunktion). Dasselbe Schärfeprinzip findet man übrigens im Tasmanischen Pfeffer (Tasmannia lanceolata). Leicht bitter wird es durch Rutin (- das kennen wir bereits von der Weinraute (Ruta graveolens)), als weitere Inhaltsstoffe wirken ätherische Öle. Die Schärfe wird rasch auf der Zunge gespürt, beim Kauen sollte sich zusätzlich ein brennendes, stechendes Gefühl entwickeln (- Schmerz?). Erscheint es nicht unsinnig, das Essen so zu würzen, dass Schmerz empfunden wird? Nein, es sind auch positive Effekte damit verbunden: Durch gereizte Rezeptoren in den Schleimhäuten wird die Durchblutung gesteigert, was auch die benachbarten
Geschmacksnerven empfindlicher macht: Insgesamt wird die Geschmackwahrnehmung der Speise dadurch verstärkt! Zudem werden mit dem Schmerz gleichzeitig Endorphine ausgeschüttet, ein Glücksgefühl stellt sich ein, wie durch eine anregende Droge. Was passiert noch – beginnen wir vielleicht zu schwitzen und uns damit selber abzukühlen? Ja, das ist vorteilhaft in warmen Ländern, ebenso wie bakterizide Inhaltsstoffe scharfer Früchte. Gereizt wird auch der Nervus trigeminus, der Gesichtsnerv, dessen Sensibilität durch den umfassenden Angriff des Wasserpfeffers (scharf, brennend, prickelnd….) trainiert werden kann. Als Flohkraut wurde Persicaria hydropiper früher gegen Ungeziefer eingesetzt. Vielleicht kann man damit auch Wühlmäuse und Schnecken zum Nachbarn vertreiben?

Medizinische Anwendungen des Wasserpfeffers sind nicht erst seit dem Mittelalter bekannt. Damals wurde sein Aussehen mit positiven Wirkungen bei Blutungen in Verbindung gebracht, auch heute gibt es dafür noch die Anwendung des Wasserpfeffers als zusätzlich harnreibende Teedroge. Umschläge mit Wasserpfefferblättern sollen bei Bronchitis helfen. Alles mögliche Überflüssige soll man damit loswerden können (Nierensteine, Schmerzen, Warzen, Mundpilz). Andere versuchen sich an der schwangerschaftsverhütenden Wirkung, zugleich soll es ein Aphrodisiakum sein. Wir übernehmen keine Verantwortung!

Wie heißt diese Pflanze?

Wie heißt diese Pflanze?

Jetzt das neue Rätsel:

Wollen wir so viele Fragen lösen?

Diese weißblühende Pflanze fürchtet Stürme. Warum? Und sind Stürme der Grund, dass es „mit ihr abwärts geht“? Wovon sprechen wir nur? Ist es eine unschuldige, hübsche Blume, oder sitzt ihr sozusagen „der Bär im Nacken“? Vielleicht eine Giftpflanze? Aber sie wurde und wird gezüchtet.

Bereits die antiken Hochkulturen kannten die Pflanzengattung. Die hier abgebildete Art stammt vermutlich aus Mexiko, heutzutage wächst sie, wie ihre Brüder, in vielen Ländern. Bei uns ist sie in Botanischen Gärten zu finden, oder als Zierpflanze in den Gärten. Mit Sicherheit ist jeder schon einmal damit in Berührung gekommen, wahrscheinlich ohne von der Schönheit der Blüte zu wissen. Das wollen wir ändern! Unsere Pflanze gehört zur Ordnung der Malvenartigen, soviel wollen wir verraten. Irreführend ist ihr Name. Die Laubblätter des Strauches mit haarigen „Zweiglein“ sind verräterisch, daher ist der Fotoausschnitt eng begrenzt. Die Blütenkrone leuchtet weiß bis gelblich, teils auch rötlich. Es entwickeln sich große Früchte. Vielleicht sollte man diese ernten? Wie heißt diese Pflanze?

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