Muss man schon mögen, sonst gefällts einem nicht.

9. Januar 2017 | Bild der Woche | 25 Kommentare

Zunächst wieder die Auflösung der letzten Pflanze der Woche:

Hadschihadschihad! Die Nieswurz war´s

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Das Blümlein das ich meine…. Die schwarze Nieswurz war Pflanze der Woche vom 2.-8. Januar

Leser Einbeck kam gleich drauf, dafür hatten wir die Geschichte doch so schön verpackt. Also: Die „gemeine“ Nieswurz war es, die übrigens jetzt, bei Schnee und Eiseskälte, in einigen Halleschen Gärten blüht.

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Protoanemonin

Was für ein allerliebstes Blümelein. Wegen seiner ungewöhnlichen Blütezeit „mitten im kalten Winter“ wird es auch Christrose genannt. Helleborus niger ist der wissenschaftliche Name,  die Pflanze gehört zu der artenreichen Gattung Nieswurze in der Familie der  Hahnenfußgewächse.

Der Gattungsname  „Helleborus“ ist alt, und war so schon in der Antike geläufig  (`ελλέβορος= helleboros), wohl von `ελειν = αιρεω (helein), griechisch: töten und βορά (bora), griechisch: Essen. Eine tödliche Speise also. Man wußte, dass die Nieswurz, insbesondere ihre Wurzeln, stark wirksame Gifte enthalten. Unter anderem findet man darin Protoanemonin und mehrere digitalisähnlich wirksame Glykoside, wie etwa das  Helleborin. Es gehört zu den Bufadienoliden und ist ein starker ATPase-Inhibitor.

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Helleborin, ein antiker Kampfstoff. (Bild: Wikimedia)

Schon um 600 v. Ch soll schon der Athener Politiker, Philosoph und Militärstratege auf die Idee gekommen sein, das Wasser eines Baches mit Helleboros zu vergiften. Die Bewohner des gegnerischen Städtchens tranken von dem Wasser und wurden kampfunfähig.

An Sonsten war das Gift auch als Mittel gegen Geisteskrankheiten so sehr in Gebrauch, dass das Wort „helleborus“ im Lateinischen sogar die allgemeine Bedeutung für „verrückt“ oder „irre“ erhielt.

Der Deutsche Name, Nieswurz, führt dagegen hin zu einer lange geübten, praktischen Anwendung. Die Inhaltsstoffe sind stark schleimhautreizend, und lösen schon in geringtser Konzentation Niesreiz aus, wenn sie in die Nase gelangen. Gepulverte, getrocknete Nieswurzwurzeln wurden Niespulver- und Schnupftabackmischungen beigegeben. Besonders berühmt war das Schneeberger Pulver, es blase ordentlich  Verstand und Gedächtnis frei, heisst es in etlichen Ruhmesschriften.  Leider musste der letzte Produzent, ein Apotheker in Schneeberg, die Produktion des beliebten Pulvers einstellen. Der Grund waren toxikologische Vorschriften und eine neue Apothekenbetriebsordnug. Das hatten wir schon bei der Vorstellung unseres Rätsels letzte Woche so erzählt, und mehr dazu dazu gibt es auch im  Schneeberger Tageblatt

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Helleborus niger, Nieswurz.

Das Spektrum-Versuchslabor wollte eigentlich diese Nieswurzelpulverwirkung austesten und das Ergebnis mitteilen.  Doch leider ist der Gartenboden derart hart gefroren, dass an die Wurzeln nicht so einfach heran zu kommen ist. Und wir wollten unsere Leser nicht noch zu Unfug anstiften. Dass  allein die Dosis das Gift mache, wissen wir ja schon vom alten Parazelsus, aber wer kennt schon die wirksame, aber nicht tödliche Dosis so genau?  Zudem hätte unaufhörliches Niesen auch als Aufruf zu religiösem Terror verstanden werden können. Hadschihadschihad…

Lieber nicht. Niesreiz läßt sich auch ohne „Chemie“ auslösen. Manchen reicht da schon, sich einen Grashalm in die Nase zu stecken. Einige Menschen fangen sogar schon unwillkürlich an zu niesen, wenn sie plötzlich in die Sonne blicken. Wieso eigentlich? Das wäre jetzt noch so eine Frage der Woche, aber wir wollen ja bei Pflanzenrätseln bleiben:

Pflanze der Woche 9.-15. Januar

Der eine mags, der Andre nicht.

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Die „Samenkapseln“ der zu bestimmenden Pflanze der Woche.

Bei dieser Kälte wird es langsam eng um die halleschen Wochenpflanzen, wenn wir nicht gerade ans Eingemachte gehen wollen. Doch gibt es auch Draußen noch spärliches Grün, das der Eiseskälte trotzt. Unsere neue Wochenpflanze gehört, mit einer gewissen Einschränkung allerdings, auch dazu. Im Beitragsbild zeigen wir die Samen der Pflanze und ihre Samenhülle.  Sind das jetzt eigentlich Hülsen oder Schoten? Jedenfalls wurden sie schon im Sommer eingesammelt, getrocknet, und werden in wenigen Wochen ausgesät. (Na ja, so an die 12 Wochen sind es noch, aber Gärtner werden im Winter ungeduldig). Daraus werden dann bis zum Herbst stattliche Pflanzen, und wenn die Winter milde sind, überleben sie den, treiben Blüten und Samen, und der Kreislauf schließt sich. Manche Exemplare können aber auch – je nach Pflege und Witterung-  3 bis 4 Jahre alt werden.

Leider können wir hier nicht, wie wir das bei einigen Pflanzen tun, „Herbarexemplare“ zeigen. Warum nicht? das ergibt sich aus der fraktalen, dreidimensionalen Struktur der Blätter. Sie lassen sich nicht einfach in der Pflanzenpresse ohne erheblichen Informationsverlust flachquetschen.

Was können wir noch preisgeben?  Dass es eine Nutzpflanze ist, Mensch und Tier teilen sich oft die Ernte. Dass die Meinung über ihren Speisewert sehr widersprüchlich sind, sie reichen von „Superfood“ bis hin zu „mag ich nicht, widerlich“. Muss man eben mögen, sonst gefällts einem nicht. In manchen Regionen spielt unsere Pflanze eine  gewisse Rolle in traditionellen Volksfesten.

So, das reicht. Unsere Fragen:

Name (Artname)
Unterart / Zuchtform ?
Herkunft?
Rezepte oder Verwendungsbeispiele?
Traditionelle Volksfeste?

(Red)

 

 

 

 

 

 

 

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Dieses Thema enthält 25 Antworten und 8 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Profilbild von hei-wu hei-wu vor 2 Monate, 1 Woche.

Ansicht von 25 Beiträgen - 1 bis 25 (von insgesamt 26)
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  • #279823

    Zunächst wieder die Auflösung der letzten Pflanze der Woche: Hadschihadschihad! Die Nieswurz war´s Leser Einbeck kam gleich drauf, dafür hatten wir di
    [Der komplette Artikel: Muss man schon mögen, sonst gefällts einem nicht.]

    #279824

    ISt es der Johannisbrotbaum ?

    #279825

    Der Johannisbrotbaum hat aber schwarze Schoten.

    #279826

    Vielleicht ein erster Hinweis: kann man auf dem Bild erkennen, ob es sich um Schoten oder Hülsen handelt?

    #279827
    Profilbild von Lou
    Lou

    Ich sehe drei Teile auf dem Bild. Das dürfte also eine Schote sein.

    #279828

    Ich habe noch kein Tier gesehen, das mir den Rettich wegfuttert.

    #279829
    Profilbild von Lou
    Lou

    Anders verhält sich bei meinen Radieschen.

    #279830

    Geerntet von Wurm und Schnecke? (Und also das traditionelle mexikanische Radieschenfest? Ich weiß nicht…)

    #279831
    Profilbild von Lou
    Lou

    Genau! Geerntet von Wurm und Schnecken. Und die Beschreibung der Pfanze dieser Woche wurmt mich auch. Ich finde sie eine Spur zu verklausuliert.
    Von mexikanischen Festen habe ich keine Ahnung.

    #279832

    Die Samen jedenfalls isst man nicht.

    #279833

    Ich finde es durch die vage Beschreibung noch spannend. Aber es wurmt mich auch ein wenig, dass ich nicht draufkomme. Jetzt denke ich aber:
    Bei manchen Rübsen-Unterarten würde der Futterneid vielleicht stärker auftreten?

    #279834

    Vielleicht, wenn Du dich in der Gattung noch etwas mehr umsiehst?

    #279835

    Welches Tier isst Kohl? 🙂
    (noch spannendER sollte es vorhin heißen)

    #279836

    Allein vom Foto der Schote ausgehend würde ich auf Raps tippen.

    #279850

    In der Gattung Brassica sehen die meisten Schoten so aus, @ratefuchs. Jetzt müssen wir mal unter den übrigen Mitgliedern der Gattung suchen. Rasterfahndung: auf welche Zuchtform welcher Art der Gattung passt der Rest der Story?

    #279886
    Profilbild von Lou
    Lou

    Die Schote würde auch zum schwarzen Senf (brassica nigra) passen. Senf wird bei Volksfesten reichlich und in diversen Varianten konsumiert. Aber welches Tier mag Senf? Und eine „fraktale dreidimensionale Blätterstruktur“ fehlt meiner brassica nigra auch.

    #279900

    Also kein Rübsen, kein Raps, kein Senf. Der eine mags, der andere nicht, das Tier schon… Wohl irgendein Kohlkopf oder Kraut, das sich fraktal äußert. Hast du einen Tipp, @fractus?

    #279902

    Also ich tippe auf den Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica L.).

    Würde zu der Beschreibung passen:
    – „fraktale, dreidimensionale Struktur der Blätter“
    – „Mensch und Tier teilen sich oft die Ernte“
    (diverse Schädlinge wie der Kohlweißling laben sich gerne an der Pflanze)
    – „Meinung über ihren Speisewert sehr widersprüchlich“
    (kenne viele, die den Grünkohl nicht mögen)
    – „In manchen Regionen spielt unsere Pflanze eine gewisse Rolle in traditionellen Volksfesten.“
    (klar, Grünkohlessen mit „Kohl und Pinkel“, ich finds gut 🙂
    und in Bremen gibts ja dann noch die spezielle „Schaffermahlzeit“)

    Name (Artname)
    Unterart / Zuchtform ?
    hmm, also
    Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)
    Grünkohl, Braunkohl oder Krauskohl (Brassica oleracea var. sabellica L.)

    Herkunft?
    Stammt vom Wildkohl (Brassica oleracea L.) ab.

    Rezepte oder Verwendungsbeispiele?
    Am bekanntesten natürlich „Kohl und Pinkel“, beliebt auch mit Kasseler, Bratwurst, Speck oder anderem. Ich als Herr Obelix esse natürlich alles mit großem Behagen, bevorzugt kombiniere ich mit Wiener Würstchen und Knackwurst.

    Traditionelle Volksfeste?
    Grünkohlessen, „Schaffermahlzeit“ (letzteres eigentlich kein Volksfest)
    fallen mir da ein.

    So, ich hoffe mit meiner Vermutung richtig zu liegen.
    Falls nicht, trotzdem wieder etwas dazugelernt.

    Beste Grüße

    Obelix

    #279909

    Darauf ein Wildschwein an gesottenem Grünkohl!

    #280086

    Die Bittermarmelade des Spinats!

    #280093

    „Kohl muss weg!“ war mal in meiner politischen Jugend die Devise. Heute beschäftigt mich die Frage, wie man das deutsche Zeugs so zubereiten kann, dass die Wohnung nicht tagelang danach stinkt, und das Essen mild und bekömmlich ist. Ohne Pinkel, Schwarten usw. Der Propaganda mit dem „Superfood“, frischer Grünkohl in Smoothies, mag ich auch nicht glaubèn.
    Obwohl: darin stinkt er nicht…
    Warum nicht?
    Habt Ihr Rezepte für leckeren, nicht stinkigen Kohl parat?

    #280135
    Profilbild von
    Anonym

    Wenn es tagelang stinkt, solltest du mal das Lüftungskonzept überarbeiten. 🙂

    Fermentation ist traditionsgerechte Verarbeitung von Kohl.

    #280145

    Beim Kochen findet keine Fermentation statt, @Ronny

    #280154

    Machst Du Sauerkrautsuppe?
    Hatte ich in Polen mal, lecker!

    #280165
    Profilbild von
    Anonym

    Beim Kochen findet keine Fermentation statt

    Du fragtest nicht nach heißem Wasser, sondern nach Zubereitung und Bekömmlichkeit. -> Fermentation. 🙂

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